Die BMW F 450 GS ist am A2-Reiseenduro-Markt eingeschlagen wie eine Bombe. Mehrere Kollegen haben sie bereits auf der Landstraße und im Gelände geprüft, Bernd Hiemer hat ihr als Supermoto-Weltmeister sogar auf losem Untergrund alles abverlangt. Was bisher fehlt, ist eine echte Reise zu zweit. Genau hier kommt Norwegen ins Spiel. Meine erste Motorradtour führt einst durch dieses Land, entfacht meine Zweiradleidenschaft und hilft mir letztlich sogar zu meinem Platz in der 1000PS-Redaktion. Nun kehre ich mit der kleinen GS zurück. Knapp zwei Wochen, fast 2.000 Kilometer, eine Sozia und Gepäck sollen zeigen, ob das viel gelobte A2-Motorrad auch als erwachsene Reiseenduro funktioniert.

BMW F 450 GS zu schwach und klein für die große Reise zu zweit?!
Reichen 48 PS für Norwegen mit Sozia?
Wie gut füllt die kleine GS die Fußstapfen der großen Bayerin? Die BMW F 450 GS muss in Norwegen beweisen, dass sie ihrem prestigeträchtigen Namen alle Ehre macht und auch mit "nur" 48 PS und kompakten Maßen auf knapp 2.000 Kilometern mit Sozia und Gepäck überzeugen kann.
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Gregor
Veröffentlicht am 13.10.2026
Warum die kleine BMW GS nach Norwegen muss
BMW F 450 GS 2026 auf der Langstrecke
Der erste Härtetest wartet nicht zwischen Fjorden, sondern auf der deutschen Autobahn zwischen Hamburg und Kiel. Das Wetter ist ungemütlich, der Motor noch frisch und ich belasse es bei rund 130 km/h. Mehr brauche ich nicht, um die kleine GS kennenzulernen. Auch zu zweit und mit Gepäck hält sie 130 bis 140 km/h ohne Drama, braucht dafür aber schon deutlich über 7.000 Touren. Über den Lenker kommen hochfrequente Vibrationen an, die nach dem Absteigen ein leichtes Kribbeln hinterlassen. Ich selbst sehe spürbare Vibrationen aber nicht sonderlich kritisch und finde den Autobahn-Komfort der GS vollkommen in Ordnung. In Norwegen selbst spielt Dauertempo ohnehin eine kleinere Rolle. Meist gilt 80 km/h, und die teuren Strafen nehmen einem zuverlässig die Lust am Rasen.

Auch zu zweit und mit Gepäck hält die kleine GS 130 bis 140 km/h ohne Drama, verlangt dabei aber über 7.000 Touren.
BMW F 450 GS 2026 Technik und Ausstattung
Ein kurzer Überblick der wichtigsten technischen Daten: Der flüssigkeitsgekühlte Reihenzweizylinder schöpft aus 420 cm³, leistet 48 PS bei 8.750 U/min und liefert 43 Nm bei 6.750 U/min. Besonders spannend ist hierbei der Hubzapfenversatz von 135 Grad. Eine einzigartige Bauart, die für schönen Druck in der Mitte des Drahzahlbands sorgt. Fahrfertig und vollgetankt stehen 178 kg auf dem Datenblatt, der Tank fasst 14 Liter. Vorne und hinten gibt es je 180 mm Federweg, dazu 845 mm Sitzhöhe, 19-Zoll-Vorderrad und 17-Zoll-Hinterrad. Das Testmotorrad trägt das Ausstattungspaket Sport. Es ergänzt unter anderem Fahrmodi Pro, Schaltassistent Pro, Motorschutz, Handprotektoren, Offroad-Fußrasten, klares Windschild und das einstellbare Sportfahrwerk. Die mit der 450 GS eingeführte Easy Ride Clutch, eine per Fliehkraft funktionierende, automatisierte Steuerung der Kupplung, ist an diesem Motorrad ausdrücklich nicht verbaut. Gekuppelt wird klassisch mit dem Hebel. Zusätzlich ist die GS für die Reise noch mit dem hohen Touring-Windschild und Heizgriffen ausgestattet worden.
BMW F 450 GS 2026 - Wichtigste Spezifikation
Motor und Antrieb
| Motorbauart | Reihe |
|---|---|
| Bohrung | 72 mm |
| Hub | 51.6 mm |
| Leistung | 48 PS |
| U/min bei Leistung | 8’750 U/min |
| Drehmoment | 43 Nm |
| U/min bei Drehmoment | 6’750 U/min |
| Verdichtung | 13 |
| Gemischaufbereitung | Einspritzung |
| Drosselklappendurchmesser | 38 mm |
| Starter | Elektro |
| Kupplung | Mehrscheiben im Ölbad |
| Antrieb | Kette |
| Getriebe | Gangschaltung |
| Ganganzahl | 6 |
| Zylinderzahl | 2 |
| Taktung | 4-Takt |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Ventilsteuerung | DOHC, Schlepphebel |
| Kühlung | flüssig |
| Hubraum | 420 ccm |
Bremsen hinten
| Bauart | Scheibe |
|---|---|
| Durchmesser | 240 mm |
| Kolben | Zweikolben |
| Aufnahme | Schwimmsattel |
Fahrwerk vorne
| Aufhängung | Telegabel Upside-Down |
|---|---|
| Marke | Kayaba |
| Durchmesser | 43 mm |
| Federweg | 180 mm |
| Einstellmöglichkeit | Druckstufe, Zugstufe |
Fahrwerk hinten
| Federbein | Monofederbein |
|---|---|
| Aufnahme | direkt |
| Marke | Kayaba |
| Federweg | 180 mm |
| Einstellmöglichkeit | Druckstufe, Federvorspannung, Zugstufe |
| Material | Aluminium |
Chassis
| Rahmen | Stahl |
|---|---|
| Rahmenbauart | Gitterrohr, Motor mittragend |
| Lenkkopfwinkel | 28.1 Grad |
| Nachlauf | 115 mm |
Bremsen vorne
| Bauart | Einzelscheibe |
|---|---|
| Durchmesser | 310 mm |
| Kolben | Vierkolben |
| Aufnahme | Festsattel |
| Betätigung | hydraulisch |
| Technologie | Monoblock |
Fahrassistenzsysteme
| Assistenzsysteme | ABS, Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Kurven-Traktionskontrolle |
|---|
Daten und Abmessungen
| Reifenbreite vorne | 100 mm |
|---|---|
| Reifenhöhe vorne | 90 % |
| Reifendurchmesser vorne | 19 Zoll |
| Reifenbreite hinten | 130 mm |
| Reifenhöhe hinten | 80 % |
| Reifendurchmesser hinten | 17 Zoll |
| Länge | 2’161 mm |
| Breite | 869 mm |
| Radstand | 1’465 mm |
| Sitzhöhe von | 845 mm |
| Gewicht fahrbereit | 178 kg |
| Tankinhalt | 14 l |
| Höchstgeschwindigkeit | 165 km/h |
| Reichweite | 368 km |
| Akku-Leistung (Volt V) | 12 V |
| Akku-Leistung (Amperestunden Ah) | 8 Ah |
| CO²-Ausstoß kombiniert | 88 g/km |
| Kraftstoffverbrauch kombiniert | 3.8 l/100km |
| Euro Norm | Euro 5+ |
| Höchstzulässiges Gesamtgewicht | 355 kg |
Ausstattung
| Ausstattung | LED Tagfahrlicht, LED-Scheinwerfer, Beleuchtung |
|---|
Sportfahrwerk trägt Sozia und Gepäck souverän
Sportfahrwerk klingt bei einer Reiseenduro schnell nach harter Kante. Genau die liefert die F 450 GS aber nicht. Das Fahrwerk meldet sauber, was unter den Rädern passiert, ohne auf Autobahn-Querrillen oder norwegischen Buckelpisten bockig zu werden. Mit Sozia und Gepäck bleibt die kleine GS stabil, schluckt Unebenheiten ordentlich und vermittelt Vertrauen. Eine große GS mit semiaktivem Fahrwerk gleitet geschmeidiger, keine Frage. Bei einem Motorrad zum dreifachen Preis wäre alles andere aber auch komisch. Entscheidend ist, dass die 450er ihre Balance nicht verliert. Sie ist komfortabel, ohne träge oder langweilig zu wirken.

Mit Sozia und Gepäck bleibt die F 450 GS stabil, schluckt Unebenheiten ordentlich und vermittelt Vertrauen.
Windschutz und Ergonomie der F 450 GS
Mit 1,85 Metern sitze ich erstaunlich entspannt auf dem kleinen Motorrad. Der Oberkörper bleibt aufrecht, der Lenker kommt angenehm entgegen und der Kniewinkel ist nicht allzu spitz. Von Affe auf Schleifstein kann keine Rede sein. Große Piloten spüren am ehesten beim Windschutz die Unterschiede zu großen Touring-Bikes. Die F 450 GS baut allgemein eher niedrig und dementsprechend ist auch der Windschild auf überschaubarer Höhe. In der niedrigen Position trifft mich der Luftstrom ungefähr auf Nasenhöhe, am Helm entstehen Verwirbelungen. Brust und untere Gesichtshälfte liegen ruhiger im Wind, überragend ist der Schutz aber nicht. Für die höhere Stellung fehlt auf der Reise das Werkzeug. Ich bezweifle dennoch, dass eine Erhöhung um ca. 3 cm den Windschutz grundlegend verändert hätte. Die niedrige, schlanke Bauweise schafft freie Sicht und leichten Zugang, setzt große Fahrer auf der Langstrecke aber eben stärker dem Wind und Wetter aus.

Die aufrechte Ergonomie passt auch für 1,85 Meter, während das hohe Windschild am Helm spürbare Verwirbelungen erzeugt.
Soziakomfort stößt bei der Zuladung an Grenzen
Aus 178 kg fahrfertigem Gewicht und 355 kg zulässigem Gesamtgewicht ergeben sich 177 kg Zuladung in Serienausstattung. Zieht man noch das Gewicht von Gepäcksystem und Reisegepäck ab, bleiben je nach Aufbau grob 160 bis 165 kg für Fahrer und Sozia. Das ist die erste klare Grenze er Soziustauglichkeit der F 450 GS. Die zweite wartet auf der Sitzbank. Meine Freundin und ich sind beide schmal gebaut, für uns passen Breite, Platz und Kniewinkel. Nach hinten verjüngt sich der Polster des Sozia-Sattels jedoch, kräftiger gebaute Passagiere dürften weniger leicht Platz finden. Dafür spielt die kompakte BMW beim Handling ihre Trümpfe aus. Das zusätzliche Gewicht sitzt nicht unangenehm hoch, das Motorrad bleibt leicht zu balancieren und fährt weiterhin spielerisch durch die Kurven. Auch ein Stopp auf welligem Untergrund oder langsame Geschwindigkeiten im dichten Verkehr verlieren ihre Schrecken.

Mit meiner Freundin sind auch lange Fahrtage auf der F 450 GS kein Problem. Wir sind aber auch zierliche Leichtgewichte. Stattlichere Pärchen könnten aber Probleme mit dem Platzangebot und der erlaubten Zuladung bekommen.
Norwegen zeigt Verbrauch und echte Reichweite
Norwegen ist für diesen Test mehr als eine schöne Kulisse. Die Landschaft ist ein Traum, viele Straßen erstaunlich gut, einzelne Buckelpisten liefern den nötigen Fahrwerkscheck und das niedrige Tempo senkt die Reisekosten. Nach 1.350,4 Kilometern stehen wir bei 3,6 l/100 km durchschnittlichem Verbrauch. In Zeiten davongalloppierender Spritpreise ein wichtiges Feature. Auf der Autobahn waren es bei höherer Geschwindigkeit und Drehzahl eher 5,5 l/100 km. Wer viel schnell fährt, muss also mit spürbar mehr Durst rechnen. Doch in Norwegen hat man dieses "Problem" nicht. Bei den maximal erlaubten 80 km/h wird das ständige Halten des Gases eher zur Geduldsprobe. Ein Tempomat fehlt, wie bei vielen A2-Reiseenduros. Gerade hier wäre er angenehm und könnte nebenbei das Geldbörserl vor einem unaufmerksamen Ausflug über das Tempolimit schützen.

Bei norwegischem Reisetempo sinkt der Verbrauch auf 3,6 Liter pro 100 Kilometer, ein Tempomat fehlt dennoch.
Feelgood Reisen und CHIGEE führen durch Norwegen
Ich bin nicht der Typ für Gruppenreisen, gleichzeitig fehlte mir heuer die Zeit, um für unsere Tour intensiv zu recherchieren und planen. Deshalb habe ich erstmals eine organisierte Individualreise ausprobiert. Die Tour durch Norwegen ist von Feelgood Reisen zusammengestellt, die sich auf diese Individualreisen spezialisiert haben. So findet man alle Highlights eines Landes, verpasst keine Sehenswürdigkeiten oder tolle Strecken, kann aber nach eigenem Gutdünken der Route folgen und stehenbleiben wann, wo und wie man möchte. Alle Details dazu und mehr Hintergrundinfos zu Norwegen und der Motorradreise gibt es im Reisebericht.

Mit dem Chigee AIO-6 kann ich bequem Android Auto auf jedem Motorrad nutzen und so unbeschwert den exquisiten Routen von Feelgood Reisen folgen.
Die Tracks wurden uns von Feelgood Reisen über Kurviger zur Verfügung gestellt. Weil ich mit dem BMW Navigator nicht vertraut bin und mich nicht für diese eine Tour einarbeiten will, steckt ein CHIGEE AIO-6 in der BMW-Navigationshalterung. Es bringt Android Auto und Apple CarPlay aufs Motorrad und lässt sich in dieser Konfiguration über die BMW-Armaturen bedienen. Das Gerät ist witterungsbeständig und könnte zusätzlich mit Kamera- oder Radarsystemen gekoppelt werden, was auf dieser Reise aber nicht notwendig war. Hier dient es schlicht als praktische Spiegelung des Smartphones. Genau diese Funktion passt zum gelieferten Routenmaterial und macht die Navigation ohne neues Bedienkonzept unkompliziert.
SW-Motech löst das Gepäckproblem der BMW
Beim Gepäck zeigt sich eine Lücke im BMW-Angebot. Die Seitentaschen aus dem Original-Zubehör für die F 450 GS fallen klein aus, und die größere Hecktasche ragt wegen des kompakten OEM-Gepäckträgers über den Soziussitz. Wer die F 450 GS nur solo bewegt, kann damit leben. Für eine Reise zu zweit ist das keine taugliche Lösung. Deshalb trägt das Testmotorrad ein System von SW-Motech. Hinten eine PRO Rackpack Hecktasche und an den Seiten wasserdichte WP Taschen mit dem neuen V-LOC System. Dass SW-Motech so knapp nach dem Marktstart der F 450 GS schon so viele Produkte entwickelt und verfügbar hatte, war unsere Rettung. Da kann sich BMW eine Scheibe abschneiden. Die Bayern könnten zukünftig für jene Kunden, die mit Beifahrer reisen wollen, ruhig eine Gepäckoption anbieten, die den zweiten Sitzplatz tatsächlich freihält. Der kleine Hubraum sollte hier keine Entschuldigung für das Fehlen adäquater Optionen sein. Es ist schließlich eine GS!

Das beladene Reisesetup hält den Soziussitz frei, wo die BMW-Originallösung für zwei Personen an Grenzen stößt.
48 PS reichen auf der BMW F 450 GS zu zweit
Braucht es für eine große Reise zwangsläufig eine große GS? Nach knapp zwei Wochen lautet meine Antwort: nein. Der Twin drückt aus der Mitte ordentlich an, der Quickshifter arbeitet flott und knackig, und für Überholmanöver oder einen beherzten Ausgang aus der Kurve reicht die Leistung. Man muss dafür gelegentlich einen niedrigeren Gang wählen. Na und? Kein einziges Mal wünsche ich mir 100 oder mehr PS. Kein einziges Mal kommt Langeweile oder Frust im Sattel auf. Die F 450 GS trägt zwei schlanke Menschen samt Gepäck komfortabler, stabiler und souveräner durch Norwegen, als viele "erwachsene" Motorräder. Ihre Grenzen liegen bei Zuladung, Platzangebot und OEM Gepäckoptionen. Wer sich in diesen Punkten arrangieren kann, bekommt eine erstaunlich erwachsene Reiseenduro, die klein bleibt, ohne sich klein anzufühlen.

Mit 48 PS trägt die kleine GS zwei schlanke Menschen samt Gepäck souverän durch Norwegen und bleibt gleichzeitig verspielt und spaßig.
- Wie viel kostet eine BMW F 450 GS?
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BMW F 450 GS 2026 - Erfahrungen und Expertengutachten
Gregor
Die BMW F 450 GS ist eine erstaunlich erwachsene A2-Reiseenduro. Ihr 420er-Twin bietet im öffentlichen Verkehr genug Druck, das niedrige Gewicht hält das Handling auch mit Sozia angenehm leicht und das einstellbare Fahrwerk gibt klares Feedback mit brauchbarem Komfort. Zwei schlanke Personen können damit samt Gepäck überzeugend reisen, solange die begrenzte Zuladung und die schmale Soziusbank zur Besatzung passen. Auf langen Etappen fallen der nur mäßige Windschutz und der fehlende Tempomat stärker auf, bei höherem Autobahntempo steigen Drehzahl, Vibrationen und Verbrauch. Wer keine Oberklasse-Sänfte erwartet, erhält ein zugängliches, sparsames und kurvenfreudiges Reisemotorrad, das weit mehr kann, als seine 48 PS vermuten lassen.
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BMW F 450 GS zu schwach und klein für die große Reise zu zweit?! Bilder
Quelle: 1000PS


