HJC RPHA 40 Test - Jethelm von Porsche Design
Erwachsener Premium-Jethelm ohne Retro-Theater
Jethelme haben einen schlechten Ruf: laut, unsicher, oft optisch zwanghaft bemüht nostalgisch. Der neue HJC RPHA 40 ist anders. Was kann der neue Premium-Jethelm? Wir testen!
Minimalismus statt Lifestyle-Kostüm
Jethelme haben ein Imageproblem. Viele wirken technisch veraltet, sind laut, teils billig verarbeitet und manche versuchen mit Retro-Optik über diese Schwächen hinwegzutäuschen. HJC geht mit dem RPHA 40 geht einen anderen Weg. Kein Retro-Gimmick, keine unnötigen Anbauteile, kein überzeichnetes Lifestyle-Marketing. Stattdessen ein reduzierter Premium-Jethelm mit klarer Formsprache und erstaunlich erwachsenem Auftritt.
Schon beim ersten Kontakt merkt man: Der RPHA 40 ist mehr als ein klassischer City-Jethelm. Die Linienführung ist sauber, die Form makellos und die gesamte Anmutung zu hochwertig. Kein Zufall - entstanden ist das Design in Zusammenarbeit mit den Porsche Design Studios. Genau diese nüchterne, funktionale Gestaltung zieht sich konsequent durch den gesamten Helm.
Andere Jethelme versuchen krampfhaft nostalgisch zu wirken. Sichtbare Schrauben, Lederimitate, Chromdetails oder künstlich gealterte Oberflächen gehören mittlerweile fast zum guten Ton. Der RPHA 40 macht exakt das Gegenteil. Die Schale wirkt glatt, reduziert und fast industriell. Besonders auffällig ist die schlanke Unibody-Silhouette, die deutlich kompakter wirkt als bei vielen anderen offenen Helmen.
Kompakte Schale trotz ECE 22.06
Gerade offene Helme kämpfen oft mit massiven Außenschalen - der klassische Calimero-Look, weil aktuelle Sicherheitsnormen erfüllt werden müssen. Der HJC trägt trotz ECE 22.06 außen erstaunlich wenig auf. Genau das macht ihn optisch interessant. Auf meinem eher runden Kopf sitzt der RPHA 40 angenehm und schließt gespenstisch gut ab, auf klassischen Naked Bikes oder modernen Retro-Maschinen wie der Moto Guzzi V7 macht er eine gute Figur und überzeugt auch bei höherem Landstraßentempo mit einem niedrigen Geräuschniveau. Segmenttypisch bietet der RPHA 40 ein riesiges Sichtfeld, das Visier ist relativ lang.
Auch die Lackierung hinterlässt einen starken Eindruck. Die Oberflächen wirken hochwertig, sauber verarbeitet und edler als bei anderen Urban-Helmen dieser Preisklasse. Zusammen mit den komplett integrierten Metallhalterungen des Visiers entsteht ein hochwertiger Gesamteindruck, der klar in Richtung Premiumsegment zielt. Das Gestänge wirkt zwar filigran, aber ist komplett aus Metall gearbeitet und führt die Visiermechanik solide in die Schale. Egal ob man das Visier mit einer oder beiden Händen hoch- oder runterklappt, alles rastet sauber und satt ein, das Visier schließt perfekt ab.
PIM-Schale bringt echten Gewichtsvorteil
Technisch basiert der RPHA 40 auf HJCs Premium Integrated Matrix Konstruktion der zweiten Generation, kurz PIM. Dahinter steckt eine mehrlagige Schalenstruktur mit speziellen Fasermaterialien und Epoxidharz - also genau jene Bauweise, die man sonst aus den Racing- oder High-End-Sporthelmen der Marke kennt.
Im Alltag merkt man das vor allem beim Gewicht. Der Helm fühlt sich leicht an und ist es mit 1250 Gramm auch. Vor allem im Stadtverkehr oder auf längeren Tagesetappen entsteht dadurch ein deutlich entspannteres Tragegefühl. Der Helm sitzt angenehm neutral auf dem Kopf und entwickelt selbst nach längerer Fahrzeit kaum jene typische Nackenbelastung, die man von offenen Helmen kennt.
Dazu kommt die aerodynamische Formgebung. Klingt zwar nach typischem Marketing-Latein - macht aber tatsächlich Sinn. Schlanke Form ohne Anbauteile oder Schaniere = Weniger Verwirbelungen = geringere Belastung durch Winddruck und dadurch auch leiser.
HJC RPHA 40: Leise auch bei höherem Tempo
Seinen größten Trumpf spielt der Helm bei höherem Tempo auf der Landstraße aus. Denn trotz offener Bauweise bleibt der RPHA 40 selbst bei höherem Tempo erstaunlich ruhig. Natürlich ersetzt er hinsichtlich der Sicherheit keinen guten Integralhelm. Aber im Vergleich zu vielen anderen Jethelmen wirkt er deutlich leiser und kann es zumindest akustisch durchaus mit einem Vollvisierhelm aufnehmen.
Gerade auf der (Stadt-)Autobahn zeigt sich, wie sauber die Form funktioniert. Der Helm erzeugt kaum Turbulenzen und liegt angenehm neutral im Fahrtwind. Fahrer, die regelmäßig auch kurze Überland- oder Autobahnetappen fahren, werden mit dem RPHA 40 sehr zufrieden sein. Er spielt hier in der absoluten Oberliga mit.
Hochwertiger Innenraum ohne Sparmaßnahmen
Auch innen setzt sich der hochwertige Eindruck fort. Das Innenfutter wirkt deutlich edler als bei vielen anderen Jet-Helmen. Die Materialien sind weich, sauber verarbeitet und vermitteln eher Sporthelm-Niveau als Rollerhelm-Atmosphäre.
Besonders angenehm für Brillenträger: Der Helm harmoniert gut mit Sonnen- oder Alltagsbrillen. Gerade bei Jethelmen ist das nicht selbstverständlich, weil viele Modelle im Bereich der Bügel drücken oder unangenehm eng werden. Beim RPHA 40 funktioniert das problemlos.
Auch die Passform wirkt insgesamt sehr ausgewogen. Der Helm sitzt satt ohne unangenehme Druckpunkte aufzubauen. Gerade im Wangenbereich gelingt HJC ein guter Kompromiss zwischen stabilem Sitz und Langstreckenkomfort.
Der klassische Doppel-D-Verschluss passt ebenfalls gut zum Gesamtcharakter des Helms. Er wirkt hochwertig, sicher und mechanisch vertrauenerweckend - auch wenn er im Alltag etwas weniger rasch zu bedienen ist als moderne Ratschenlösungen.
Kein Vorteil ohne Nachteil: Hier gibt es beim HJC RPHA 40 noch Verbesserungspotenzial
Natürlich gibt es kontruktionsbedingt auch Schwächen. Eine integrierte Sonnenblende (die eine Bedienung außen am Helm erforderlich machen würde) fehlt komplett. Wer oft bei wechselnden Lichtverhältnissen unterwegs ist, wird also entweder mit Wechselvisieren (die noch einmal richtig ins Geld gehen) oder Sonnenbrille arbeiten müssen.
Dazu kommt das generell hohe Preisniveau. Der RPHA 40 spielt preislich mit einem UVP von 399 Euro klar im Premium-Segment - und das merkt man beim Kauf.
Außerdem verzichtet HJC vollständig auf ein klassisches Belüftungssystem. An heißen Sommertagen kann das sicherlich noch spürbarer werden, als bei meinem Test Anfang Mai. Jethelme, die ein gut arbeitende Lüftungen aufweisen sing generell selten, HJC versucht es beim RPHA 40 erst gar nicht und punktet dafür wie erwäht beim Thema Verwirbelungen.
Test-Fazit HJC RPHA 40: Einer der interessantesten Premium-Jethelme
Der HJC RPHA 40 ist trotz Edel-Designschmiede und entsprechender Optik kein reiner Lifestyle-Jethelm. Er richtet sich an Fahrer, die zwar einen offenen Helm fahren wollen, aber beim Thema Lautstärke und Windschlüpfrigkeit das Beste vom Besten verlangen. Wer auf Belüftung und Sonnenblende verzichten kann, wird wohl kaum einen hochwertigeren Alltagsbegleiter finden als den RPHA40. Er ist einer der wenigen offenen Helme, die selbst bei Autobahntempo noch wirklich angenehm funktionieren.
Weitere große Stärken liegen im eleganten, schnörkellosen Design und der hochwertigen Verarbeitung. Dazu kommen die kompakte Form, die gute Brillentauglichkeit und eine Innenausstattung, die qualitativ klar über Durchschnittsniveau liegt.
Stärken: * hochwertige Verarbeitung * sehr geringes Geräuschniveau für einen Jethelm * kompakte Helmschale * hochwertige Materialien * gute Brillentauglichkeit * kaum Verwirbelungen * elegante Formsprache von Porsche Design
Schwächen:
- keine integrierte Sonnenblende
- keine aktive Belüftung
- selbstbewusster Preis
- Doppel-D-Verschluss im Alltag zeitraubend
FAQ zum HJC RPHA 40
Ist der HJC RPHA 40 auch für Autobahnfahrten geeignet?
Ja. Der HJC RPHA 40 ist für einen Jethelm überraschend leise und erzeugt selbst bei höherem Tempo kaum Turbulenzen.
Hat der HJC RPHA 40 eine integrierte Sonnenblende?
Nein. Der HJC RPHA 40 verzichtet vollständig auf eine integrierte Sonnenblende.
Wie schwer ist der HJC RPHA 40?
Der HJC RPHA 40 gehört durch seine PIM-Schalenkonstruktion zu den leichteren Premium-Jethelmen.
Ist der HJC RPHA 40 für Brillenträger geeignet?
Ja. Der HJC RPHA 40 harmoniert sehr gut mit Sonnen- und Alltagsbrillen und erzeugt kaum Druck an den Bügeln.
Welche Sicherheitsnorm erfüllt der HJC RPHA 40?
Der HJC RPHA 40 erfüllt die aktuelle ECE 22.06 Norm.
Besitzt der HJC RPHA 40 ein Belüftungssystem?
Nein. Der HJC RPHA 40 verzichtet auf klassische aktive Belüftungsöffnungen.
Für welchen Einsatzzweck eignet sich der HJC RPHA 40?
Der HJC RPHA 40 eignet sich besonders für Fahrer, die einen hochwertigen offenen Helm für Stadt, Landstraße und gelegentliche Autobahnetappen suchen.
Author
POKY