Continental ContiSportAttack 5 im Rennstrecken-Test

Continental ContiSportAttack 5 im Rennstrecken-Test

Wie viel Rennstrecke steckt im Straßenreifen?

Auf der KTM 1390 Super Duke R EVO muss der Sportreifen bei extremer Hitze zeigen, wie schnell er warm wird, wie viel Grip er bietet und wann er an seine Grenzen kommt.

Martin_Bauer

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Veröffentlicht am 6.8.2026

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Der ContiSportAttack 5 kommt mit einem klaren Versprechen: mehr Sportlichkeit als der Vorgänger, ohne seine Straßentauglichkeit einzubüßen. Continental positioniert ihn als 80/20-Reifen, überwiegend für die Straße, aber mit ausreichend Reserven für ambitionierte Trackdays. Ob dieses Konzept funktioniert, haben wir dort überprüft, wo sich solche Aussagen am schnellsten bestätigen oder widerlegen lassen: am Pannoniaring. Als Testgerät diente eine KTM 1390 Super Duke R EVO – ein Motorrad, das mit seinen rund 145 Nm Drehmoment jeden Hinterreifen gnadenlos fordert. Bei bis zu 50 Grad Asphalttemperatur warteten Bedingungen, die Mensch und Material gleichermaßen an ihre Grenzen brachten.

Evolution statt Revolution

Bereits der ContiSportAttack 4 war ein ausgesprochen sportlicher Straßenreifen. Beim Fünfer hat Continental aber an mehreren entscheidenden Stellen nachgelegt. Herzstück ist die neue MultiZoneBelt-Technologie. Der unterschiedlich gewickelte Stahlgürtel sorgt für hohe Stabilität in der Reifenmitte und mehr Aufstandsfläche im Schulterbereich. Gemeinsam mit der neuen BlackChili-Mischung und einem überarbeiteten Profil soll der Reifen homogener arbeiten und besonders in Schräglage mehr Vertrauen vermitteln.

Interessant ist dabei Contis Ansatz bei der Gummimischung. Während viele Mitbewerber unterschiedliche Mischungen über den Reifenquerschnitt einsetzen, vertraut Continental weiterhin auf eine einzige Compound-Mischung. Laut Hersteller soll diese in allen Bereichen optimal funktionieren, sowohl auf der Landstraße als auch auf der Rennstrecke.

Warm-up gelingt nahezu sofort

Ein großer Pluspunkt zeigte sich bereits in den ersten Runden. Gefahren wurde bewusst ohne Reifenwärmer. Bei knapp 30 Grad Lufttemperatur und bereits 35 bis 40 Grad heißem Asphalt dauert es zwar ohnehin nicht lange, bis Temperatur im Reifen ist, trotzdem fällt auf, wie schnell der Conti Vertrauen aufbaut.

Dazu trägt auch die TractionSkin-Oberfläche bei. Da kein klassisches Trennmittel auf der Lauffläche vorhanden ist, liefert der Reifen bereits ab den ersten Kurven überraschend viel Grip. Natürlich fährt man die ersten Meter noch mit etwas Respekt, unangenehme Überraschungen gab es aber keine. Bereits sehr früh lässt sich ordentlich ans Gas gehen. Trotzdem hat der Reifen erst im Warmgefahrenen Zustand sein volles Gripniveau.

Überraschend unkritisch beim Luftdruck

Gestartet wurde mit 2,5 bar vorne und 2,5 bar hinten. Durch die enorme Hitze stieg der Hinterreifen im Laufe der Turns allerdings auf rund 3,2 bis 3,3 bar an – also um bis zu 0,7 bar. Das ist unter diesen Bedingungen beachtlich.

Bemerkenswert war allerdings etwas anderes: Der Conti funktioniert auch mit diesem hohen Druck noch erstaunlich gut. Selbst mit rund 3,5 bar am Hinterrad bleibt der Reifen fahrbar und liefert noch saubere Rückmeldung. Genau hier unterscheidet er sich von manchen Mitbewerbern, die bei so hohen Drücken bereits deutlich an Performance verlieren. Für den Trackday bedeutet das auch: Den Luftdruck extrem weit abzusenken bringt beim Conti nicht zwangsläufig Vorteile.

Die KTM fordert alles vom Hinterreifen

Gerade die KTM 1390 Super Duke R EVO eignet sich hervorragend als Testplattform. Das enorme Drehmoment belastet den Hinterreifen massiv, gleichzeitig wurde mit stark reduzierten beziehungsweise deaktivierten Fahrhilfen gefahren. Ziel war es, möglichst viel Motorkraft direkt auf den Asphalt zu bringen und den Reifen arbeiten zu lassen.

Genau hier überzeugte der ContiSportAttack 5. Selbst wenn die KTM ihr volles Drehmoment Richtung Hinterrad schickt, baut der Reifen viel Traktion auf und setzt die Leistung sauber in Vortrieb um. Gerade beim Herausbeschleunigen zeigt sich, dass genügend Reserven vorhanden sind, um auch auf einem leistungsstarken Naked Bike sportlich unterwegs zu sein.

Erst bei extremer Belastung zeigt sich das Limit

Besonders spannend wurde es am Nachmittag. Ein kompletter Turn ohne Unterbrechung sollte den Reifen bewusst an seine Belastungsgrenze bringen. Das Laufbild blieb beeindruckend sauber. Selbst bei rund 50 Grad Asphalttemperatur zeigte der Reifen keine Aufrisse oder thermische Schäden.

Erst nach fünf bis sechs schnellen Runden beginnt sich das Verhalten leicht zu verändern. In maximaler Schräglage wird der Hinterreifen etwas weicher und leicht schmierig. Dieses "knautschige" Gefühl bleibt jedoch jederzeit kontrollierbar. Sobald das Motorrad minimal aufgerichtet wird und wieder mehr Last auf den Hinterreifen kommt, baut der Reifen sofort wieder kräftigen Vortrieb auf. Für einen straßenzugelassenen Reifen ist dieses Verhalten auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.

Auch das Vorderrad liefert ehrliches Feedback

Ein ähnliches Bild zeigt sich vorne. Beim harten Anbremsen über Bodenwellen oder am Kurveneingang gerät der Reifen unter extremer Belastung etwas in Bewegung. Er wirkt dann minimal nachgiebig und vermittelt dieses leicht knautschige Gefühl.

Wichtig ist aber die Einordnung. Diese Eindrücke entstehen bei sehr schnellen Rundenzeiten, auf einem Motorrad, das selbst nicht als Musterbeispiel absoluter Hochgeschwindigkeitsstabilität gilt. Genau deshalb eignete sich die KTM hervorragend, um Rückmeldung und Stabilität des Reifens zu beurteilen. Die Grundabstimmung bleibt jederzeit stabil, lediglich unter extremer thermischer Belastung wird der Reifen etwas weicher.

Straßenreifen mit beeindruckend großem Einsatzbereich

Natürlich erreicht ein Slick unter solchen Bedingungen nochmals ein höheres Performance-Niveau. Dafür wurde er schließlich entwickelt. Beeindruckend ist jedoch, wie nahe der ContiSportAttack 5 an diese Region heranrückt, obwohl er vollständig straßenzugelassen bleibt.

Per Achse zur Strecke - schnelle Runden drehen - per Ache wieder nach Hause.

Genau darin liegt seine größte Stärke. Man kann morgens auf eigener Achse zur Rennstrecke fahren, dort ohne Reifenwärmer schnelle Turns absolvieren und anschließend mit Kennzeichen wieder nach Hause rollen. Für den klassischen Trackday-Fahrer bedeutet das einen enormen Komfortgewinn, weil Reifenwechsel oder zusätzliche Radsätze häufig überflüssig werden.

Continental ContiSportAttack 5 im Rennstrecken-Test Bilder

Quelle: 1000PS

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