Ausblicke auf neue BMW Motorrad Modelle

Ausblicke auf neue BMW Motorrad Modelle

Sportliche GS, günstige Bikes und eine mächtige R20

Beim Concorso d’Eleganza am Comer See sprachen wir mit dem BMW-Team rund um Markus Flasch und Alex Buckan über künftige Modelle, neue Strategien und jene Pläne, die zeigen, wohin BMW Motorrad in den kommenden Jahren steuern will.

nastynils

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Veröffentlicht am 17.5.2026

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R20: Das analoge Nakedbike wird ernst

BMW Motorrad hält sich bei der R20 offenbar nicht mehr lange mit Tarnung und Andeutungen auf. Im Gespräch fällt der entscheidende Satz: Das Serienmotorrad soll „extrem nahe“ am Konzept bleiben, das BMW vor zwei Jahren gezeigt hat. Der Grund ist interessant: Es gibt keinen direkten Vorgänger, den man mit frühen Bildern beschädigen könnte. Deshalb zeigt BMW bereits Baustufen-Motorräder und betont, man habe sich an die Bestellung der Fans gehalten: Einsitzer, möglichst wenig Garnierung, ikonischer Auftritt. Noch spannender ist aber die Fahrdynamik-Ansage. Die kritischsten Fahrdynamiker, also jene Leute, die eher leichtere Motorräder bevorzugen, seien mit einem Grinsen zurückgekommen. Die Kurzform aus dem Gespräch: „Fährt gut.“ Später wird die R20 als Gegenbeispiel zur These genannt, analoge Motorräder müssten günstiger sein. BMW sieht es anders: Die R20 werde wahrscheinlich das teuerste Motorrad im Programm – und gleichzeitig das analogste.

M und GS: BMW entdeckt eine vergebene Chance neu

Der zweite Insider steckt im Offroad-Thema. Auf die Frage, wie BMW die F 900 GS und das Offroad-Segment weiterdenken könnte, wird nicht einfach nur über mehr Federweg oder weniger Gewicht gesprochen. Stattdessen geht es um Marken-DNA. BMW will sich im Bereich Offroad und Offroad-Touring stärker auf die eigene Motorsport-Historie besinnen. Der Bezug ist klar: In den Achtzigern gewann BMW mit den Seehaus-Streifen am Tank die Dakar, danach wurde das Thema GS beziehungsweise Enduro aber kaum mehr mit „M“ und Motorsport zusammengeführt. Im Gespräch wird das ausdrücklich als schade und als vergebene Chance bezeichnet, weil diese sportliche Historie sogar zur Begründung des GS-Mythos gehört. Die Ansage ist deutlich: Künftig soll es Produkte geben, die GS und M wieder zusammenführen – nicht nur bei den F900 Modellen, sondern auch bei den Boxern. Erste Prototypen fahren bereits und sollen fantastisch funktionieren. Doch zu neuen und radikaleren 900er Enduros wird es noch ein paar Jahre dauern.

Bald wieder erfolgreich auf der Dakar so wie früher? Möglich! Die passenden Modelle sollen in den nächsten Jahren kommen!

Bald wieder erfolgreich auf der Dakar so wie früher? Möglich! Die passenden Modelle sollen in den nächsten Jahren kommen!

Günstigere BMWs: Premium wird neu sortiert

Der dritte Insider betrifft den Preisdruck von unten. Im Gespräch wird BMW mit starken chinesischen Wettbewerbern konfrontiert, besonders in Märkten, in denen das Motorrad auch Alltagsmobilität ist. Die Antwort klingt deutlich strategischer als eine reine Modellpflege: BMW will sich dem Thema „mit seinen eigenen Waffen“ nähern. Konkret bedeutet das, die Supply Chain und Lieferantenstruktur bei günstigen Modellen stärker in Asien zu etablieren, also Komponenten dort einzukaufen, wo sich auch chinesische Mitbewerber bedienen. Dazu kommt ein größerer Einschnitt: In Zukunft sollen nicht mehr fast alle BMW-Motorräder aus Berlin kommen, sondern auch aus anderen Ländern. Für die Top-Produkte soll das nicht gelten, wohl aber für Mittel- und Einstiegsklasse. Die F 450 GS wird dabei als bewusster Schritt über die frühere 310er genannt: Zweizylinder statt Einzylinder, höher positioniert, mit anderer Reife und Qualität. Trotzdem ist unterhalb von 450 Kubik laut Markus Flasch noch Platz – und BMW arbeitet genau daran.

Preiswert aber nicht billig! Die neue BMW F450GS spendiert Vorfreude auf weitere attraktive Modelle mit zugänglichen Preisen von BMW Motorrad.

Preiswert aber nicht billig! Die neue BMW F450GS spendiert Vorfreude auf weitere attraktive Modelle mit zugänglichen Preisen von BMW Motorrad.

Was diese drei Aussagen wirklich bedeuten

Zusammen ergeben die drei Aussagen ein spannendes Bild von BMW Motorrad. Oben will BMW nicht leiser werden, sondern emotionaler, analoger und hochpreisig bleiben. Die R20 steht dabei nicht für Retro als Sparprogramm, sondern für Wertbeständigkeit, Mechanik und bewusst reduzierte Technik. In der Mitte will BMW GS Modelle sportlicher aufladen und das M-Label dort einsetzen, wo es historisch begründbar ist: bei Rallye-DNA und Performance-Enduro. Unten wiederum erkennt BMW den Druck durch neue Wettbewerber und reagiert nicht nur mit Marketing, sondern mit Produktions- und Lieferkettenlogik. Das ist für eine Marke, die sich gerne über Premium definiert, ein wichtiger Kurswechsel. Premium soll offenbar nicht mehr automatisch heißen: groß, teuer, aus Berlin. Premium kann künftig auch 450 Kubik haben, vielleicht sogar weniger. Entscheidend ist laut Gespräch, dass es sich weiterhin wie eine echte BMW anfühlt – nur eben in Segmenten, in denen BMW früher weniger präsent war.

BMW Vision K18 am Comer See

BMW Motorrad Chef Markus Flasch beim Fotoshooting mit der Vision K18 am Comer See.

BMW Motorrad Chef Markus Flasch beim Fotoshooting mit der Vision K18 am Comer See.

Über den Autor NastyNils.