Gamechanger Feststoff-Akku? Verge TS Pro mit 600km Reichweite

Gamechanger Feststoff-Akku? Verge TS Pro mit 600km Reichweite

Naked mit 235 kg und ultraschneller CCS-Ladeleistung

Die Verge TS Pro gilt als eines der technisch fortschrittlichsten Elektro-Motorräder auf dem Markt. Löst der Feststoffakku alle Probleme von E-Bikes?

Poky

Poky

Veröffentlicht am 21.1.2026

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Elektrische Performance neu gedacht

Die Verge Motorräder aus Finnland gelten als die technisch fortschrittlichsten Elektro-Motorräder auf dem Markt – selbst ohne den neuen Feststoffakku. Mit ihrem markanten nabenlosen Hinterradmotor liefert sie hohe Leistung bei überraschend wettbewerbsfähigem Gewicht. Mit dem neuen "Donut Solid State" Feststoffakku geht die TS Pro nun jedoch einen Schritt weiter. Verge gibt für diese Batterie eine Kapazität von bis zu 33,3 kWh an und kombiniert damit enorme Energiedichte mit ultraschneller Ladefähigkeit.

Feststoffakku: Was ist das?

Feststoffbatterien gelten als Zukunftstechnologie, weil sie gegenüber herkömmlichen Lithium-Ionen-Zellen mehrere Vorteile vereinen. Statt flüssiger Elektrolyte nutzt Solid-State-Technologie einen festen Ionentransportweg, wodurch Sicherheitsrisiken reduziert und die Energiedichte deutlich erhöht werden. Im Fall der TS Pro stammen die Zellen vom Start-up Donut Lab, das laut Verge eine Energiedichte von rund 400 Wh/kg erreicht haben soll. Damit sollen nicht nur größere Reichweiten, sondern auch deutlich kürzere Ladezeiten möglich sein.

Die neue Batterie soll laut Hersteller eine theoretische Reichweite von bis zu 600 Kilometern ermöglichen. Noch beeindruckender ist jedoch die Ladeleistung: Mit bis zu 200 kW per CCS-Gleichstrom kann die TS Pro laut Verge in nur 10 Minuten rund 300 Kilometer Reichweite nachladen – ein Wert, der in der Motorradwelt bislang unerreicht ist.

Elektromotorrad: Ladeleistung schlägt Reichweite - Vergleich mit Marktbegleitern

In der Praxis bedeutet das: nicht nur weit auf einmal, sondern schnell wieder fahren. Gerade auf längeren Strecken ist Ladeleistung oft wichtiger als nominelle Reichweite. Dank CCS-Kompatibilität kann die Verge TS Pro an den gängigen Schnellladesäulen Europas und Nordamerikas geladen werden – ein klarer Vorteil gegenüber älteren Systemen mit Typ-2-Anschluss, die unterwegs zunehmend an Bedeutung verlieren.

Die neue Technologie setzt dabei Maßstäbe: Während Modelle wie die Energica Experia oder die LiveWire One maximal rund 22 bis 24 kW Ladeleistung erreichen und Motorräder wie die Zero DSR/X oder SR/F bei 11 kW liegen, schafft die Verge TS Pro mit bis zu 200 kW ein völlig neues Niveau. Selbst im Vergleich zu aktuellen Elektroautos ist das beeindruckend, denn viele davon laden mit geringerer Leistung.

E-Motorräder: Akku-Kapazität und Praxis im Vergleich

Auch bei der Kapazität stößt die neue TS Pro in eine neue Dimension vor. Mit 33,3 kWh Bruttokapazität übertrifft sie alle derzeit erhältlichen E-Motorräder. Die nächstgrößeren Batterien finden sich in Modellen wie der Energica Experia mit rund 22,5 kWh (wobei diese seit der Insolvenz nicht mehr neu erhältlich ist oder der Zero DSR/X und SR/F mit maximal 20,9 kWh. Selbst Topmodelle wie die LiveWire One oder die neue Honda WN7 bleiben mit rund 15 beziehungsweise 9 kWh deutlich zurück.

Wichtig bleibt der Hinweis, dass es sich um Bruttowerte handelt. In der Praxis nutzen Hersteller nur einen Teil der verfügbaren Kapazität, um die Zellen zu schonen. Dieser Wert liegt üblicherweise zwischen etwa 85 % und 95 % des Bruttowerts. Dennoch zeigt der hohe Wert der Verge, wohin die Entwicklung bei Hochleistungsakkus im Motorradbau geht.

Vorteile der Feststoffbatterie im Motorrad-Alltag

Die Solid-State-Zellen bringen neben ihrer Energiedichte auch einen Sicherheitsvorteil: Durch den Verzicht auf flüssige Elektrolyte steigt die Temperatur, bei der thermische Reaktionen einsetzen, von rund 50 auf bis zu 200 Grad Celsius. Das Risiko eines Zellbrandes sinkt somit deutlich. Gleichzeitig erlaubt der feste Separator, die Anode aus Lithium zu fertigen, was sowohl Energiedichte als auch Ladeleistung weiter steigert.

Eine Feststoffbatterie lässt sich so schnell aufladen, weil sie keinen flüssigen Elektrolyten verwendet und dadurch kaum temperaturempfindlich ist. Der feste Elektrolyt ermöglicht einen stabilen und direkten Ionenfluss, selbst bei Kälte oder Hitze. Zudem nutzt die Zelle eine Lithium-Metall-Anode statt Grafit, was das Ein- und Auslagern der Ionen beschleunigt und extrem hohe Ladeleistungen erlaubt. Da das Material außerdem thermisch stabil bis über 150 Grad ist, kann der Akku hohe Ströme aufnehmen, ohne zu überhitzen.

Die TS Pro kombiniert diese Vorteile mit dem bekannten Donut-Motor im Hinterrad, der nun in der Version 2.0 verbaut ist. Er leistet 102 kW beziehungsweise 139 PS und soll den Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden schaffen. Trotz dieser Werte bleibt das Gesamtgewicht mit 235 Kilogramm überraschend moderat – leichter als viele andere Elektro-Modelle.

Verge Motorrad mit Feststoffbatterie Verfügbarkeit & Probefahrten

Verge-Motorräder können über die offizielle Website konfiguriert und bestellt werden. Aktuell ist das Unternehmen mit Gesellschaften in Deutschland, Finnland, Estland, Frankreich, Spanien, Monaco, Großbritannien und Italien aktiv. In diesen Ländern können Kundinnen und Kunden bereits bestellen. Showrooms vor Ort existieren vornehmlich in den USA, während in London ein offizieller Store derzeit nur in Planung ist. In Hamburg hat Verge im Westfield Hamburg-Überseequartier ein Pop-Up in einem Einkaufszentrum eröffnet.

An diesem Standort sind lt. Website auch Probefahrten verfügbar. Im Selbstversuch folgt nach der Anmeldung für eine jedoch nur eine Meldung, in der auf eine weitere Kontaktaufnahme in Zukunft verwiesen wird.

Probefahrt Verge Motorrad

Probefahrt? Es bleibt spannend

In den USA sind die ersten Auslieferungen der neuen TS-Pro-Generation mit Feststoffbatterie für Frühjahr 2026 angekündigt. Je nach Markt und Produktionscharge können die Lieferzeiten zwischen drei und zwölf Monaten betragen.

Die Verge ist kein Schnäppchen - Preis & staatliche Förderungen

Die Basisversion der Verge TS Pro startet in Europa rund 29.900 Euro netto, während das Upgrade auf die große Feststoffbatterie etwa 3.000 Euro Aufpreis kostet. Unterm Strich kommt man in Deutschland für die Pro mit 350 km Reichweite damit auf 36.581 Euro und für die Pro mit 600 km maximaler Reichweite auf 39.581 Euro. Damit bewegt sich die TS Pro preislich über den Topmodellen von Zero oder Energica, bietet jedoch eine deutlich höhere Batteriekapazität und Ladeleistung.

In Österreich wird der Kauf von E-Motorrädern seit Herbst 2025 wieder staatlich gefördert. Käuferinnen und Käufer erhalten je nach Leistungsklasse und Nutzung bis zu 2.300 Euro Zuschuss pro Fahrzeug, wenn das Motorrad rein elektrisch angetrieben ist. Diese Förderung gilt für Privatpersonen, Unternehmen und Vereine und kann zusätzlich mit Förderungen für Ladeinfrastruktur und Wallboxen kombiniert werden. Wodurch die Preise in Österreich für Endkunden etwas unter den deutschen Preisen liegen.

In Deutschland gibt es aktuell noch keine eigenständige Kaufprämie für E-Motorräder, doch ein neues bundesweites E-Mobilitätsprogramm könnte ab 2026 Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro pro Fahrzeug ermöglichen, auch für elektrisch angetriebene Zweiräder. Darüber hinaus bestehen steuerliche Vorteile, die Kfz-Steuerbefreiung für E-Fahrzeuge sowie verschiedene regionale Förderprogramme zum Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Fazit: Alles anders dank Feststoffbatterie?

Mit der neuen TS Pro bringt Verge das erste Serienmotorrad mit Feststoffbatterie auf die Straße – ein Technologiesprung, der Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Sicherheit auf ein neues Niveau hebt. Die Maschine bietet am Papoer echte Alltagstauglichkeit und ist dank CCS-Ladung an fast jedem Schnelllader kompatibel. Als Wermutstropfen bleibt der hohe Preis, auch wenn man an keiner Stelle spart und bei den Komponenten beispielsweise zu feiner Öhlins-Ware greift, wird die Verge für viele Interessenten wohl ein Traum bleiben.

Damit verschiebt die Verge TS Pro die Grenzen der Elektromobilität deutlich. Sie zeigt, dass die Zukunft des elektrischen Fahrens nicht nur schnell, sondern auch praktisch und serienreif sein kann – und dass Innovation im Zweiradsegment derzeit nirgends so radikal vorangetrieben wird wie hier.