Dunlop Trailmax Raid im Test auf der Suzuki V-Strom 800DE

Dunlop Trailmax Raid im Test auf der Suzuki V-Strom 800DE

Abenteuerreifen für Straße und Schotter

Tausende Kilometer durch Utah, Idaho, Wyoming und Montana: Der Dunlop Trailmax Raid stellte sich im Test als echtes 50/50-Talent heraus. Ob Schotterpisten, Regen oder Highways – er hielt, was er versprach.

nastynils

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Veröffentlicht am 13.10.2025

14.516 Aufrufe

Es war ein Moment, den ich nie vergessen werde: Morgengrauen in den Wasatch Mountains, das Thermometer knapp über null, Nebel über den Espenwäldern. Unter mir die Suzuki V-Strom 800DE, und auf ihr der frische Satz Dunlop Trailmax Raid. Als die ersten Schotterkilometer der Liberty-Avon-Road unter den Stollen knirschten, wusste ich: Dieser Test würde keine Laborprüfung, sondern eine Feuertaufe in der rauen Realität des amerikanischen Westens werden.

Technisches Konzept – kein Kompromiss, sondern Balance

Adventure-Reifen sind oft der Versuch, zwei widersprüchliche Welten zu vereinen: Straßenstabilität und Offroad-Traktion. Viel zu oft fühlen sie sich dabei wie ein fauler Kompromiss an. Beim Trailmax Raid ist das anders. Dunlop verfolgt konsequent die 50/50-Philosophie – ein gleichgewichtetes Konzept für Straße und Gelände. Grundlage dafür sind eine Hi-Silica-Mischung für exzellenten Nassgrip, die JLB-Konstruktion in den Radialversionen für Stabilität und Wärmehaushalt sowie das Carcass Tension Control System, das den Kontakt der Aufstandsfläche optimiert.

Der Charakter des Reifens – Traktion im Geröll, Ruhe auf Asphalt

Auf den Schotterpisten Idahos zeigte der Trailmax Raid, was in ihm steckt. Selbst auf feuchtem, steinigem Untergrund hielt er die V-Strom mit einer Gelassenheit in der Spur, die mich immer wieder überraschte. Steile Rampen, tiefer Kies, schnelle Gravel Highways mit 70 mph – all das meisterte er mit einer Traktion, die Vertrauen schenkte. Gleichzeitig offenbarte sich auf den Highways Wyomings eine andere Seite: Laufruhe, Stabilität und ein Vibrationsniveau, das für einen 50/50-Reifen erstaunlich dezent blieb.

Alltag auf Highways und Interstates

Wer Adventure-Reifen kennt, weiß um das typische Brummen und die Impulse, die sich bei Tempo 120 oder mehr bemerkbar machen. Auch der Trailmax Raid ist davor nicht völlig gefeit, doch er bleibt stets im Rahmen. Nach Stunden auf dem Interstate fühlte ich mich nicht ausgelaugt, sondern getragen von einem harmonischen Abrollverhalten. Selbst bei kurzen Regenschauern im Yellowstone Park blieb der Grip auf nasser Fahrbahn jederzeit verlässlich – ein Punkt, bei dem viele Adventure-Reifen schwächeln.

Die Technik im Detail – DFF und Rallye-DNA

Besonders spannend fand ich die Dynamic Front Formula, die Dunlop für das Vorderrad entwickelt hat. Sie sorgt dafür, dass die V-Strom neutral einlenkt und sich selbst in langgezogenen Highspeed-Bögen nicht aufschaukelt. Das Profil selbst erinnert mit seinen aggressiven Blöcken stark an den D908 RR Rally-Reifen, allerdings mit einer alltagstauglicheren Auslegung. So ergibt sich die Mischung aus Rallye-Flair und Tourentauglichkeit, die den Trailmax Raid zu etwas Besonderem macht.

Grenzen im Gelände – ehrliche 50/50-Orientierung

Natürlich gibt es auch Grenzen. Im tiefen Schlamm oder in matschigen Waldpassagen kommt der Trailmax Raid schnell an seine Limitierungen. Für realistische Abenteuer-Szenarien, von Schotterwegen in den Alpen bis zu Gravel-Pisten im amerikanischen Westen, reicht die Geländetauglichkeit vollkommen aus. Setzt man den Trailmax Raid in Relation, landet man automatisch bei den üblichen Verdächtigen: dem Continental TKC 70 Rocks, dem Michelin Anakee Wild, dem Metzeler Karoo 4 und dem Bridgestone AX41. Alle beanspruchen das Feld zwischen Asphalt und Offroad.

Alltagstauglichkeit und Laufleistung

Ein Adventure-Reifen muss mehr können als nur spektakuläre Testfahrten. Nach 2.700 Kilometern im Sattel zeigte der Trailmax Raid kaum auffälligen Verschleiß. Erfahrungsberichte bestätigen Laufleistungen zwischen 6.000 und 8.000 Kilometern – abhängig von Beladung und Fahrstil. Für einen Reifen mit solch ausgeprägtem Profil ist das bemerkenswert. Und auch im Alltag, sei es beim Pendeln oder auf Wochenendausfahrten, überzeugt er mit berechenbarem Verhalten und gutem Grip bei Nässe.

Der Trailmax Raid ist in neun Dimensionen verfügbar, von 90/90-21 vorne bis 170/60R17 hinten. Alle Größen tragen die M+S-Kennung, die Gummimischung basiert auf hohem Silica-Anteil, flankiert von Aramid- oder Stahlverstärkungen für Stabilität bei Highspeed. Damit deckt er das gesamte Adventure-Spektrum von Mittelklasse-Enduros bis zu den großen GS- oder Africa-Twin-Kalibern ab.

Front:

  • 90/90-21 54T TL
  • 110/80R19 59T TL
  • 120/70R19 60T TL

Rear:

  • 130/80-17 65S TL
  • 140/80-17 69S TL
  • 150/70R17 69T TL
  • 170/60R17 72T TL
  • 140/80-18 70S TL
  • 150/70R18 70T TL

Kritikpunkte

Kein Reifen ist perfekt – und so auch der Trailmax Raid nicht. Typische Charaktereigenschaften von 50/50-Reifen waren spürbar:

  • Beim Bremsen in Schräglage zeigte sich ein leichtes Aufstellmoment.
  • Auf Asphaltspurrillen folgte er etwas williger als straßenorientierte Serienreifen.
  • In extremem Matsch stößt er erwartungsgemäß an seine Grenzen.

Diese Punkte sind aber keine Schwächen im klassischen Sinne, sondern Teil der Bauart und müssen bei einem Reifen dieser Kategorie akzeptiert werden.

Die Testumgebung – wo Reifen ihre wahre Natur zeigen

Einen Reifen auf Herz und Nieren zu testen, braucht mehr als ein paar Sonntagsausfahrten. Unsere Route durch Utah, Idaho, Wyoming und Montana lieferte genau jenes Spektrum, das einen 50/50-Reifen an seine Grenzen bringt: 2.700 Kilometer durch vier Bundesstaaten, davon rund 80 Prozent auf unbefestigten Straßen. Morgens bei einem Grad Celsius Eiskristalle auf dem Sattel, mittags bei 30 Grad durch staubtrockene Sagebrush-Täler. Höhenunterschiede zwischen 800 und 2.700 Metern, wo die dünne Luft nicht nur dem Motor, sondern auch der Gummimischung zusetzt. Schnelle Gravel Highways durch den Caribou-Targhee National Forest, auf denen wir mit 70 mph über Waschbrettpisten donnerten. Steile Schotterrampen am Lemhi Pass, ausgewaschene Forststraßen nach Stanley, steinige Singletrails bei Island Park. Dazwischen immer wieder Asphaltpassagen – mal trocken und heiß, mal nass nach kurzen Gewitterschauern im Yellowstone. Und über allem die gnadenlose Realität langer Reisetage: sechs, sieben Stunden im Sattel, vollbeladen, ohne Schonung. Wenn ein Reifen hier versagt, gibt es keinen Plan B. Der nächste Händler ist Hunderte Kilometer entfernt, die Wildnis duldet keine Schwäche. Genau in diesem Umfeld zeigt sich, ob ein Reifen Marketingversprechen oder echtes Werkzeug ist.

Nach 2700 Kilometern über Schotter, Highways und Nationalparks bleibt mein Fazit klar: Der Dunlop Trailmax Raid ist kein Kompromissreifen, sondern ein echter Abenteurer. Er verbindet die Ruhe der Straße mit dem Vorwärtsdrang im Gelände und vermittelt stets ein Gefühl von Kontrolle und Verlässlichkeit. Wer mit seiner Reiseenduro in beide Welten eintauchen will, findet hier einen Partner, der diese Gratwanderung souverän meistert.

Yellowstone Reise 2025

Musste auch auf Asphalt abliefern - Dunlop Trailmax Raid bei der Reise zum Yellowstone Nationalpark

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Dunlop Trailmax Raid im Test auf der Suzuki V-Strom 800DE Bilder

Quelle: 1000PS

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Tag 5 - Über den Lemhi Pass nach Salmon

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