Yamaha MT-07 Y-AMT Dauertest: Eine Saison im Alltag
Automatik am Motorrad - Taugt die MT-07 Y-AMT wirklich?
Eine Saison lang haben wir die Yamaha MT-07 Y-AMT im Alltag auf der Landstraße und sogar auf der Rennstrecke gefahren. Wie gut funktioniert das automatisierte Schaltgetriebe wirklich? Für wen ist es sinnvoll und wo liegen die Grenzen? Unser ehrliches Dauertest Fazit.
Bewährter Allrounder mit neuer Idee
Die MT-07 ist seit ihrem Marktstart 2014 eine feste Größe. Ihr Erfolg basiert auf einem einfachen Rezept: zugängliche Ergonomie, ein charakterstarker CP2-Zweizylinder, geringes Gewicht und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das viele Fahrer anspricht - vom Einsteiger bis zum erfahrenen Alltagsfahrer. Über die Jahre hat Yamaha das Konzept behutsam weiterentwickelt: besseres Fahrwerk, moderne Elektronik, TFT-Display, Ride-by-Wire, Traktionskontrolle und Fahrmodi. Der Kern blieb aber immer gleich - Back to Basics.
Mit der Y-AMT-Version geht Yamaha nun einen Schritt weiter, ohne diesen Kern aufzugeben. Die automatisierte Kupplung und Schaltung greifen genau dort ein, wo Motorradfahren für viele komplex oder stressig wird - ohne das Motorrad grundlegend zu verändern.
Y-AMT im Alltag: Entspannung statt Überforderung
Gerade im Alltag und auf der Landstraße zeigt sich der große Vorteil des Systems. Für Wiedereinsteiger, Anfänger oder Fahrer, die einfach entspannt unterwegs sein wollen, nimmt Y-AMT viele kritische Momente aus dem Fahrprozess: kein Abwürgen an der Kreuzung, kein hektisches Kuppeln in engen Kehren, keine zusätzliche Aufgabe kurz vor der Kurve.
Besonders eindrucksvoll war der Nutzen in einer Ausnahmesituation: Nach einer Verletzung unseres Kameramanns Carlos, ermöglichte die Y-AMT deutlich früheres Wiedereinsteigen ins Motorradfahren, weil Kupplung und Schaltarbeit wegfielen. Wo klassische Motorräder zur Belastung wurden, blieb die MT-07 fahrbar, sanft und kontrollierbar. Genau hier zeigt sich, dass solche Systeme nicht Spielerei sind, sondern echten Mehrwert bieten können.
Im Automatikmodus arbeitet das System geschmeidig, im manuellen Modus lassen sich die Gänge über Taster intuitiv wechseln - überraschend schnell gelernt und keineswegs weniger natürlich als ein Schalthebel.
Einsteigerfreundlich – aber nicht nur das
Die MT-07 war immer ein beliebtes Einsteigermotorrad. Mit Y-AMT wird diese Rolle erweitert, aber nicht eindeutig festgelegt. Einerseits nimmt das System Anfängern viel Komplexität ab und erlaubt es, sich auf Linienwahl, Blickführung und Vertrauen in Schräglage zu konzentrieren. Andererseits bleibt die Frage berechtigt, ob man nicht zumindest einmal klassisches Kuppeln und Schalten gelernt haben sollte - einfach, um es zu können.
Y-AMT ist damit kein Ersatz für Grundkenntnisse, aber ein legitimes Werkzeug, um den Einstieg oder Wiedereinstieg deutlich angenehmer zu gestalten. Vergleichbar mit Automatikautos: komfortabel, sinnvoll - aber Wissen über das Manuelle schadet nie.
Sportliche Landstraße: Überraschend viel Spaß
Auf der flotten Landstraße zeigt sich die MT-07 Y-AMT von ihrer spielerischen Seite. Der CP2-Motor bleibt das Herzstück: druckvoll von unten, lebendig, emotional. Im manuellen Modus wird das Y-AMT fast zu einer Art Finger-Quickshifter. Runterschalten vor der Kurve, rausbeschleunigen, Gang um Gang hochziehen - das funktioniert knackig und macht Laune.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt die eher aufrechte, leicht rückwärtsgerichtete Sitzposition, die bei sehr sportlicher Gangart etwas Gefühl fürs Vorderrad nimmt. Doch insgesamt schlägt die MT-07 eine bemerkenswerte Brücke zwischen unkompliziertem Alltagsgerät und sportlichem Spaßmacher.
Rennstrecke: Jein - mit klarer Tendenz
Auf der Rennstrecke trennt sich das Einsatzgebiet der beiden Modi deutlich. Im Automatikmodus kann Y-AMT Anfängern helfen, sich auf Linie, Blick und Gasgriff zu konzentrieren. Für erste Turns ist das sinnvoll. Problematisch wird es, wenn das System an Stellen schaltet, an denen man es nicht erwartet - vor allem, weil es nicht schräglagenabhängig arbeitet. Das sorgt für Unruhe und kostet Vertrauen.
Im manuellen Modus hingegen überzeugt das System überraschend stark. Schalten per Finger erlaubt es, den linken Fuß permanent stabil auf der Raste zu lassen, was gerade in Schräglage ein Plus an Ruhe bringt. Zudem verhindert das System zu frühes Runterschalten und schützt vor Motorschäden - ein echtes Sicherheitsnetz auf der Strecke.
Klar ist aber auch: Die MT-07 ist kein Rennstreckenmotorrad. Fahrwerk, Ergonomie und Bodenfreiheit setzen Grenzen. Für erste Schritte, Trainings oder entspannte Trackdays ist sie absolut brauchbar - für Zeitenjagd nicht.
Individualisierung und Langzeiteindruck
Ein weiterer Pluspunkt über die Saison war die enorme Bandbreite an Zubehör. Von Yamaha selbst über Komfort- und Sportpakete bis hin zu Gepäcklösungen von Drittanbietern lässt sich die MT-07 leicht anpassen - vom Pendlerbike bis zum Wochenendtourer. Diese Vielseitigkeit unterstreicht ihren Allrounder-Charakter. Zuverlässigkeit blieb über die Saison hinweg unauffällig. Im Alltag zeigte sich die MT-07 Y-AMT robust, pflegeleicht und berechenbar - Eigenschaften, die man im Dauertest besonders schätzt.
Conclusion: Yamaha MT-07 Y-AMT 2026
Die Yamaha MT-07 Y-AMT bleibt auch mit automatisierter Schaltung das, was sie seit Jahren auszeichnet: ein unkomplizierter, ehrlicher Allrounder. Das Y-AMT erweitert den Charakter sinnvoll, nimmt Stress aus Alltag und Einstieg, ohne den Fahrspaß zu töten. Besonders im manuellen Modus überzeugt das System mit schneller, stabiler Schaltperformance und echtem Mehrwert – sogar auf der Rennstrecke. Wer maximale Kontrolle und klassische Mechanik sucht, wird weiterhin lieber selbst kuppeln. Wer jedoch Entspannung, Sicherheit und Zugänglichkeit schätzt, findet in der MT-07 Y-AMT eine der vielseitigsten Optionen ihrer Klasse.
- Sehr zugängliches, leicht zu fahrendes Motorrad
- Y-AMT nimmt Stress aus Alltag, Stadtverkehr und kritischen Situationen
- Ideal für Einsteiger, Wiedereinsteiger und entspannte Alltagsfahrer
- Manueller Y-AMT-Modus funktioniert wie ein präziser Finger-Quickshifter
- Mehr Stabilität in Schräglage durch dauerhaft ruhigen linken Fuß
- Verhindert zu frühes Runterschalten (Motorschutz, Sicherheit)
- Charakterstarker, drehfreudiger CP2-Motor
- Großer Zubehörmarkt, hohe Individualisierbarkeit
- Bewährte Zuverlässigkeit und Alltagstauglichkeit
- Automatikmodus auf der Rennstrecke teilweise unruhig und nicht vorhersehbar
- Keine schräglagenabhängige Schaltlogik
- Schaltvorgänge im Automatikbetrieb mitunter ruppig
- Sportliche Fahrer vermissen etwas Feedback vom Vorderrad
- Für Puristen fehlt "die Würze" des klassischen Kuppelns