KTM 390 SMC R vs 690 SMC R – welche Supermoto macht mehr Sinn?

Braucht man die KTM 690 SMC R noch – oder reicht die neue 390er?

Die neue KTM 390 SMC R stellt das Supermoto-Segment auf den Kopf. Doch braucht man angesichts dieser starken kleinen Maschine überhaupt noch die legendäre 690 SMC R? Wir vergleichen beide Modelle und klären, welches Bike heute wirklich Sinn ergibt.

by Der Horvath on 18.01.2026

Mit der Einführung der KTM 390 SMC R im Jahr 2025 betritt KTM erstmals seit langer Zeit wieder das Segment der kleineren Supermotos - und damit stellt sich eine zentrale Frage: Braucht man die große 690 SMC R überhaupt noch? Die 690er gilt seit über einem Jahrzehnt als Benchmark im Einzylinder-Supermoto-Segment. Doch mit der neuen, modernen und überraschend erwachsenen 390er bekommt sie ernsthafte Konkurrenz - aus dem eigenen Haus.

Dieser Test klärt, wie unterschiedlich die beiden Modelle wirklich sind und für wen welche Maschine heute die sinnvollere Wahl ist.

Erster Eindruck: Dieselbe Idee, zwei völlig unterschiedliche Wesen

Obwohl beide Modelle im typischen KTM-Supermoto-Look auftreten, wirken sie komplett verschieden.

Die KTM 390 SMC R fühlt sich sofort leicht, verspielt und einladend an. Sie ist kompakt, handlich und wirkt fast schon nervös in ihrer Bewegungsfreude. Ein Motorrad, das seine Fahrer aktiv motiviert und ihnen Mut macht, neue Dinge auszuprobieren. Aufgrund ihrer Basis in der 390 Duke finden wir auf ihr einen relativ hohen Tank-Höcker, der es nicht ermöglicht, sich direkt hinter dem Lenker zu platzieren. Einsteiger, die gerade in die Supermoto-Welt einsteigen sollten sich daran aber nicht wirklich stören.

Die KTM 690 SMC R hingegen lässt schon im Stand keinen Zweifel an ihrem Charakter. Der große Einzylinder vibriert lebendig, der Sound ist kräftig und die Maschine wirkt ernst. Auch die Sitzposition mit der komplett flachen Sitzbank zeigen das sofort. Dieses Motorrad wird nicht gefahren - es will geführt werden. Ihre Präsenz vermittelt: Ich bin kein Spielzeug.

Motor & Charakter: Zugänglichkeit vs. brachiale Power

Hier trennen sich die Wege der beiden Supermotos grundlegend. Die 390 SMC R bietet 45 PS und 39 Nm. Das klingt unspektakulär, doch auf der Straße funktioniert dieses Setup hervorragend. Der LC4c-Motor dreht sauber hoch, ist sehr gut dosierbar und vermittelt stets Kontrolle. Fahrer können sie vollständig ausnutzen - ein entscheidender Faktor für puren Fahrspaß. Fehler verzeiht sie großzügig, die Gasannahme bleibt stets freundlich.

Ganz anders die 690 SMC R: 79 PS und 73 Nm machen sie zur stärksten serienmäßigen und straßenzugelassenen Einzylinder-Supermoto der Welt - ein Titel, den man sich mit 2025 von Ducati zurückgeholt hat. Jeder Gasstoß wird zum Ereignis. Das Drehmoment schlägt hart zu, der Motorcharakter ist rau und kompromisslos. Wer die 690er bewegt, erlebt Faszination und Respekt gleichzeitig - KTM zeigt hier seit Jahren, wie radikal ein Einzylinder sein kann.

Der LC4-Einzylinder gilt als einer der legendärsten KTM Motoren.

Fahrwerk, Handling und Alltag: Spielzeug vs. Präzisionswaffe

Auf dem Papier liegen die Gewichte der beiden Modelle erstaunlich nah beieinander. In der Praxis fühlt sich die 390er aber deutlich spielerischer an. Die KTM 390 SMC R setzt auf WP APEX-Fahrwerkselemente, viel Federweg und eine angenehm zugängliche Abstimmung. Das Handling ist intuitiv, kurvenhungrig und fehlerverzeihend. In engen Landstraßenpassagen oder urbanem Umfeld spielt sie ihre Agilität voll aus.

Die KTM 690 SMC R dagegen ist mit ihrer WP APEX 48-mm-Gabel, Pro-Lever-Umlenkung und der hochwertigen Brembo-Anlage deutlich sportlicher ausgelegt. Sie verlangt mehr Können, mehr Präzision und klare Kommandos. Im Gegenzug liefert sie enorme Stabilität, messerscharfes Einlenken und maximale Performance. Die 690er belohnt - aber sie fordert.

Technische Daten – KTM 390 SMC R vs. KTM 690 SMC R

KategorieKTM 390 SMC RKTM 690 SMC R
Motor1-Zyl. LC4c, 398,7 cm³1-Zyl. LC4, 692,7 cm³
Leistung45 PS79 PS
Drehmoment39 Nm73 Nm
Gewicht (trocken)ca. 154 kgca. 153,5 kg
Gewicht (vollgetankt)ca. 161 kgca. 162 kg
Sitzhöhe860 mm899 mm
Tankinhaltca. 9 Liter13,3 Liter
VorderradfederungWP APEX 43 mmWP APEX 48 mm
HinterradfederungWP APEXWP APEX Pro-Lever
Bremsen vorne320 mm Scheibe, ByBre320 mm Scheibe, Brembo
Reifen vo. | hi.110/70 R17 | 150/60 R17120/70 R17 | 160/60 R17
ElektronikABS mit Supermoto-Modus, MTCABS Supermoto, Traktionskontrolle, verschiedene Fahrmodi
Preis Österreich6.999 €13.599 €

Einordnung durch den Profi – Martin Bauer im Interview

Laut Expertem Martin Bauer können moderne kleine Hubräume mittlerweile sehr viel. Sie bieten Agilität, geringes Gewicht und einen zugänglichen Einstieg. Besonders ungeübte Fahrer profitieren von der gutmütigen Kraftentfaltung der 390 SMC R. Langfristig sieht Bauer jedoch den Wunsch nach mehr Leistung aufkommen, sobald Fahrer Routine entwickeln. Kleine Hubräume sind in ihrer Spitzenleistung naturgemäß limitiert. Wer intensiver fahren möchte und das Maximum aus einem Einzylinder herausholen will, wird irgendwann zur 690er tendieren - auch wenn die 390er weiterhin Spaß macht.

Martin Bauer auf der 690 SMC R.

Preis & Zielgruppe: Zwei Klassen, zwei Philosophien

Die Preisdifferenz ist deutlich:

  • KTM 390 SMC R: 6.999 Euro (Österreich)
  • KTM 690 SMC R: 13.599 Euro (Österreich)

Damit kostet die große SMC R nahezu das Doppelte. Der Aufpreis spiegelt sich in Leistung, Komponenten und Langzeitpositionierung am Markt wider. Die 690er ist eine Ikone und bleibt das Nonplusultra für erfahrene Supermoto-Fahrer.

Die 390 SMC R wiederum öffnet die Tür zu einer völlig neuen Zielgruppe: junge Fahrer, A2-Lizenzinhaber, Wiedereinsteiger und Leute, die maximalen Spaß bei minimaler Einschüchterung suchen. Sie ist nicht nur günstiger, sondern auch im Fahrverhalten deutlich zugänglicher.

Vergleichsfazit: Braucht man die 690 SMC R heute noch?

Die kurze Antwort: Ja - aber nicht jeder.

Die KTM 390 SMC R beweist eindrucksvoll, dass Spaß nicht von Leistung abhängt. Sie ist leicht, verspielt, modern und bietet ein Supermoto-Erlebnis, das für viele Fahrer mehr Sinn ergibt als brachiale Power. Auf engen Landstraßen, im Stadtverkehr oder als sportlicher Einstieg ist sie oft sogar die bessere Wahl.

Die KTM 690 SMC R bleibt dennoch relevant. Wer maximale Intensität, pure Einzylinder-Gewalt und eine sportliche Gesamtperformance sucht, findet sie ausschließlich hier. Die 690er hat ihren Platz aber er ist heute spezifischer als früher.

Braucht man sie also? Nur, wenn man genau weiß, was man will: rohe Kraft, kompromisslose Performance und ein Motorrad, das Erfahrung voraussetzt. Für alle anderen gilt: Die neue 390 SMC R macht die große Schwester nicht überflüssig - aber sie macht sie weniger notwendig als je zuvor.

Conclusion: KTM 690 SMC R 2025

Die KTM 690 SMC R 2026 zeigt eindrucksvoll, wie man einen ohnehin starken Einzylinder weiter verbessert. Sie bietet mehr Leistung, ein deutlich aufgewertetes Elektronikpaket, weniger Wartungsaufwand und bleibt gleichzeitig ihrem Charakter treu. Trotz leicht gestiegenem Gewicht ist sie agiler denn je und überzeugt sowohl sportlich als auch im Alltag. Für NoPain steht fest: Die SuMo-Krone gehört 2025 wieder nach Mattighofen.


  • Starker, überarbeiteter LC4-Motor
  • Längere Wartungsintervalle
  • Verbesserte Elektronik
  • Robustere Anti-Hopping-Kupplung
  • Zwei serienmäßige und konfigurierbare Fahrmodi
  • Optionales Tech Pack mit Quickshifter & Track-Funktionen
  • Agiles Handling
  • Voll einstellbares Fahrwerk
  • Hochwertige Brembo-Bremsen
  • Gute Ergonomie und Sitzposition
  • LED-Scheinwerfer mit starker Ausleuchtung
  • Kerniger Einzylinder-Sound
  • Hohe Sitzhöhe (899 mm)
  • Zusatzkosten für Quickshifter & Track Pack
  • Leicht erhöhtes Gewicht (162 kg)

Conclusion: KTM 390 SMC R 2025

Die KTM 390 SMC R ist keine abgespeckte 690 und auch kein verkleidetes Duke-Derivat, sondern eine eigenständige Interpretation des Supermoto-Themas - zugänglich, alltagstauglich und trotzdem mit genügend Schärfe für ernsthafte Schräglagen. Sie bringt keine brachiale Radikalität mit, sondern ein cleveres Gesamtpaket, das urbanes Fahren, Afterwork-Runden und gelegentliche Streckenausflüge souverän abdeckt. Der Motor läuft drehfreudig, das Fahrwerk lässt sich fein abstimmen, die Bremsen funktionieren überdurchschnittlich gut und die Ergonomie erlaubt auch mal eine längere Etappe - ohne dass man danach seine Knie einzeln aus dem Tankdeckel fischen muss. Mit einem Einstiegspreis von 6.299 Euro in Deutschland (zzgl. Nebenkosten) und 6.999 Euro in Österreich (inkl. NoVA) bleibt sie im Preisrahmen vernünftig - besonders angesichts der umfangreichen Ausstattung mit TFT-Display, Traktionskontrolle, Supermoto-ABS und einem optionalen Quickshifter. Kurz gesagt: Wer ein A2-taugliches Bike mit Charakter sucht, das sich nicht nur fahren, sondern auch verstehen lässt, bekommt mit der 390 SMC R eine gelungene Mischung aus Vernunft und Querverhalten. Und das ist am Ende vielleicht genau das, was dem Supermoto-Markt bisher gefehlt hat.


  • Attraktiver Einstiegspreis bei umfangreicher Serienausstattung
  • Drehfreudiger, kräftiger Einzylinder
  • Lange Serviceintervalle (10.000 km)
  • Agil, stabil und gut kontrollierbar - auch für Einsteiger
  • WP APEX-Fahrwerk einstellbar
  • Gute Balance zwischen Sportlichkeit und Alltagskomfort
  • Standfeste Vorderbremse (320 mm, ByBre)
  • Supermoto-ABS am Hinterrad deaktivierbar/ Klarer Druckpunkt
  • Gelungene Optik mit Underfloor-Auspuff
  • Durchgehende Sitzbank, angenehme Sitzhöhe (860 mm)
  • Einstellbare Rasten, gute Ergonomie-Details
  • Agiles, neutrales Lenkverhalten/ Gut abgestimmte Übersetzung
  • Relativ schwer für eine 390er (163 kg vollgetankt) - bedingt durch A2-Konformität
  • Sitzhöhe für ganz kleine Fahrer:innen (unter 1,70 m) eventuell grenzwertig