Benda Redstone 550 R2 im Test

Benda Redstone 550 R2 im Test

Viel ATV fürs Geld – gelungene Premiere für die Chinesen

Benda baut zum ersten Mal ein ATV und fährt dabei gleich ordentlich auf: Allrad, zwei Differenzialsperren, Seilwinde, Beadlock-Felgen und 30 Zentimeter Bodenfreiheit treffen auf 42 PS und fast 500 Kilo. Wir haben die Redstone 550 im Wald, bei der Arbeit und auf Asphalt getestet.

Arlo

Arlo

Veröffentlicht am 18.9.2026

2’071 Aufrufe

Normalerweise weiß ich bei einem ATV relativ schnell, was mich erwartet. Großes Ding heißt meistens: stabil, aber ein bissl unbeholfen. Kleines Ding: wendig, lustig und im engen Wald angenehmer. Bei der Benda Redstone 550 war meine erste Einschätzung genau deshalb ziemlich schnell wieder für die Fisch.

Denn ja, das Ding ist groß. Für ein ATV in dieser Hubraumklasse sogar richtig groß. Rund 2,1 Meter Länge, 1,3 Meter Radstand und etwa 1,2 Meter Breite sind keine Maße, mit denen man zwischen zwei Bäumen durchfädelt wie mit einer Hardenduro. Aber als wir mit der Redstone die ersten steileren Waldauffahrten und Schrägfahrten in Angriff genommen haben, war ziemlich schnell klar: Diese Abmessungen bringen auch verdammt viele Vorteile.

Die Redstone liegt unglaublich ruhig. Gerade dort, wo kleinere ATVs aufgrund ihres kurzen Radstands langsam nervös werden, fährt man mit der Benda einfach weiter. Bei Schrägfahrten hatte ich einige Situationen, bei denen ich auf meinem Yamaha Kodiak wahrscheinlich schon deutlich angespannter im Sattel gesessen wäre. Auf der Redstone denkt man sich hingegen: Passt schon.

Und dann geht es weiter. Eigentlich erstaunlich, denn Benda baut hier sein erstes ATV überhaupt. Man merkt aber relativ schnell, dass die Chinesen nicht nur irgendein Fahrzeug auf vier Räder gestellt haben.

Benda macht bei seinem ersten ATV keine halben Sachen

Wer Benda bisher nur am Rande verfolgt hat, sollte sich vielleicht einmal anschauen, was diese Firma in relativ kurzer Zeit alles präsentiert hat. V4-Motoren, Luftfahrwerke, unterschiedlichste V2-Konzepte und sogar ein kleiner Boxermotor mit Hybridantrieb waren bereits Thema. Auf der EICMA 2025 kamen dann auch noch ATVs dazu. Und genau vor dem stehen wir nun. Als hätten wir es nicht anders erwartet, die Redstone überzeugt mit Verarbeitung und Ausstattung.

Da wären die massiven Bauteile rund um Frontbumper, Fußrasten und Fahrwerk. Da wären die serienmäßigen 14-Zoll-Beadlock-Felgen. Eine Seilwinde ist ebenfalls bereits montiert. Griffheizung? Serienmäßig. Sitzheizung? Auch dabei. Großes TFT? Natürlich. Das Interessante daran ist aber: Es wirkt nicht wie eine sinnlose Liste von Features, die man nur ins Prospekt schreiben wollte. Sehr viele dieser Dinge helfen draußen tatsächlich. Und genau dort wollten wir hin. Keine Eisdielenschönheit - sondern ein Wald und Wiesen Arbeitsgerät, das praktikabel ist und obendrein noch fesch aussieht.

42 PS aus dem V2 und drei komplett unterschiedliche Fahrmodi

Angetrieben wird die Redstone von einem rund 500 Kubik großen V2. Er leistet 42 PS bei 8.000 Umdrehungen und liefert 41 Newtonmeter bei 5.000 Touren. Bei einem fahrfertigen Gewicht von knapp 500 Kilogramm klingt das auf dem Papier jetzt nicht gerade nach brachialer Gewalt. Muss es aber auch nicht.

Viel wichtiger ist bei einem ATV dieser Klasse, wie sich die Leistung einsetzen lässt. Dafür hat die Benda eine CVT-Automatik mit High- und Low-Übersetzung. Im Gelände oder bei langsamer Arbeit nimmt man Low, auf normalen Wegen und auf der Straße High. Das funktioniert so, wie man es von einem ordentlichen Arbeits-ATV erwartet.

Spannender sind die drei Fahrmodi.

Im Arbeitsmodus dachte ich beim ersten Mal kurz, da stimmt etwas mit dem Gas nicht. Man drückt den Hebel relativ weit und zunächst passiert gefühlt wenig. Genau das ist aber Absicht. Wenn ich beispielsweise beim Zaunaufstellen immer nur einen Meter weiterrollen möchte, lässt sich das Fahrzeug damit extrem fein dosieren.

Der Sportmodus ist das genaue Gegenteil. Da braucht es nur einen kleinen Druck am Gashebel und die Redstone reagiert sofort. Für die Straße macht das Spaß, bei Präzisionsarbeit braucht man es eher nicht.

Dazwischen liegt Standard – und genau dort werden vermutlich die meisten Besitzer den Großteil ihrer Zeit verbringen.

Allrad und Differenzialsperren: Wenn es gröber wird

Bei einem ATV interessiert mich relativ wenig, wie viele bunte Symbole im Display aufleuchten. Spannend wird es dann, wenn man irgendwo im Wald steht und nicht mehr weiterkommt.

Bei der Redstone gibt es dafür mehrere Eskalationsstufen.

Die Redstone bei der Arbeit

Die Redstone bei der Arbeit

Zuerst kann ich das hintere Differenzial sperren. Wenn das nicht reicht, kommt der Allrad dazu. Reicht auch das noch nicht, kann zusätzlich das vordere Differenzial gesperrt werden. Und wenn man es dann immer noch geschafft hat, das Ding irgendwo einzugraben, hängt vorne serienmäßig eine Seilwinde.

Eigentlich musst du dich also schon ordentlich bemühen, damit dir die Optionen ausgehen.

Gerade die Kombination der Sperren finde ich bei der Redstone stark. Man muss nicht sofort alles zuschalten, sondern kann je nach Situation Schritt für Schritt reagieren. Am TFT sieht man dabei schön, was gerade aktiv ist.

Auch die Seilwinde gefällt mir. Benda verwendet ein Kunststoffseil anstatt eines klassischen Stahlseils. Wer schon einmal mit einem älteren Stahlseil gearbeitet hat, kennt die kleinen aufgespleißten Litzen. Wenn du dort einmal mit der Hand hineinlangst, merkst du dir das relativ lange.

Das Kunststoffseil ist leichter, flexibler und in der Praxis deutlich angenehmer zu handhaben.

30 Zentimeter Bodenfreiheit und ein Fahrwerk für flottere Piloten

30 Zentimeter Bodenfreiheit sind eine Ansage. Noch wichtiger ist aber, was Benda mit dem Unterboden gemacht hat. Der ist relativ glatt ausgeführt. Wenn man also über einen Baumstumpf fährt, gibt es nicht sofort irgendwo einen Querträger oder eine Kante, an der man hängenbleibt. Genau solche Details machen im echten Einsatz wesentlich mehr Unterschied als irgendein theoretischer Wert im Prospekt.

Beim Fahrwerk war ich ebenfalls positiv überrascht. Ich hatte im Vorfeld mehrfach gehört, die Redstone sei relativ straff abgestimmt. Das kann ich aus meiner Sicht nur bedingt bestätigen.

Mit meinen rund 95 Kilo und einer eher flotteren Gangart passt die Abstimmung wirklich gut. Wir waren auf Hohlwegen unterwegs, in denen quer zur Fahrtrichtung immer wieder Wasserableitungen eingebaut waren. Also kleine Stufen, die bei höherem Tempo durchaus unangenehm werden können.

Macht auch auf der Straße eine gute Figur Redstone 550 R2

Macht auch auf der Straße eine gute Figur Redstone 550 R2

Die Redstone steckt solche Schläge sauber weg. Auf meinem weicheren Kodiak müsste ich an denselben Stellen deutlich mehr Tempo herausnehmen, weil mich das Fahrzeug sonst fast aus dem Sitz katapultiert.

Natürlich wird jemand mit 60 Kilogramm Körpergewicht die Sache womöglich anders sehen. Aber dafür sind alle vier Gasdruckstoßdämpfer voll einstellbar. Zugstufe, Druckstufe und Federvorspannung können angepasst werden.

Damit lässt sich also tatsächlich arbeiten und nicht nur im Prospekt angeben.

Groß im Wald – aber erstaunlich sicher

Kommen wir zum offensichtlichen Nachteil der Redstone: Das Ding braucht Platz.

Beim Wendekreis merkt man die Größe. Wenn man sich in einem engen Waldstück um einzelne Bäume herumwinden muss, fühlt sich ein kleineres ATV einfach handlicher an. Daran führt kein Weg vorbei.

Was ich allerdings komplett unterschätzt hatte, war die andere Seite dieser Dimensionen.

Durch den langen Radstand und die breite Fahrzeugbasis fährt die Redstone in Schräglagen ausgesprochen souverän. Situationen, die auf einem kompakteren ATV schon ein wenig Konzentration verlangen, wirken hier erstaunlich unspektakulär.

Ähnlich ist es bei steilen Auffahrten. Normalerweise hätte ich erwartet, dass das große und schwere Fahrzeug dort irgendwann zum Nachteil wird. In der Praxis bleibt die Redstone aber lange sehr ruhig, baut ordentlich Traktion auf und vermittelt viel Sicherheit.

Natürlich darf man knapp 500 Kilogramm nicht vergessen. Wenn so ein Gerät einmal wirklich hängt oder quer zum Hang steht, hebt man es nicht schnell unter den Arm. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Fahrwerk, Sperren und Allrad möglichst verhindern, dass man überhaupt in solche Situationen kommt.

Genau das funktioniert bei der Benda ziemlich gut.

Auf Asphalt kommt die nächste Überraschung

Noch mehr überrascht hat mich die Redstone eigentlich auf der Straße. Durch T3b-Zulassung und ABS darf sie mit dem normalen B-Führerschein gefahren werden und ist nicht auf 60 km/h eingebremst. Im Sportmodus sind bis zu 104 km/h möglich. Jetzt muss man wissen: 100 km/h auf einem ATV können ziemlich spektakulär werden. Ich bin schon Geräte gefahren, die bei 90 beginnen zu schwimmen. Dann sitzt du am Lenker und hast zunehmend das Gefühl, dass du mehr Passagier als Pilot bist.

Bei der Redstone ist das ganz anders.

Selbst bei höherem Tempo liegt sie satt auf der Straße. Auch in leichten Kurven kommt keine unangenehme Pendelbewegung hinein. Gerade hier zahlt sich vermutlich wieder das große Fahrzeugkonzept mit dem langen Radstand aus.

Auch das etwas straffere Fahrwerk hilft auf Asphalt. Die Redstone wankt nicht permanent herum und reagiert nachvollziehbar.

Ein Sportgerät wird daraus natürlich trotzdem nicht. Aber wer mit seinem ATV regelmäßig Verbindungsetappen auf Asphalt fahren muss, bekommt hier ein überraschend entspanntes Paket.

EPS, TFT und Heizungen: Luxus, den man nicht mehr hergeben möchte

Auch die elektrische Servolenkung lässt sich in drei Stufen einstellen. Je nachdem, ob man mehr Gefühl an der Lenkung oder möglichst viel Unterstützung möchte, kann man das EPS anpassen. Im langsamen Gelände und beim Rangieren ist die stärkere Unterstützung angenehm. Bei flotterer Fahrt darf es für meinen Geschmack etwas weniger sein. Schön ist jedenfalls, dass der Fahrer die Wahl hat.

Das große, hochformatige TFT wirkt für diese Fahrzeugklasse ebenfalls ungewöhnlich modern. Man kann dort unter anderem kontrollieren, ob Allrad oder Differenzialsperren aktiv sind und die EPS-Einstellungen vornehmen. Dann kommen wir zu einem meiner persönlichen Highlights: Griff- und Sitzheizung.

Über Griffheizung kann man diskutieren, bis es kalt wird. Dann diskutiert keiner mehr. Bei der Redstone ist sie mehrstufig ausgeführt und schafft es in den oberen Stufen durchaus in Richtung Fingergrill. Dazu gibt es eine zweistufige Sitzheizung für den Fahrer.

Wir hatten beim Test einen dramatischen Temperatursturz von ungefähr 40 Grad auf beinahe arktische 20 Grad. Selbstverständlich musste die Sitzheizung also sofort eingeschaltet werden. Rein wissenschaftlich natürlich.

Spaß beiseite: Wer im Herbst, Winter oder früh am Morgen wirklich mit dem ATV arbeitet, wird diese Ausstattung lieben.

NFC-Keycard und Stauraum: Dort ist noch Luft nach oben

Ganz ohne Kritik kommt die Redstone natürlich nicht davon.

Benda verwendet keinen klassischen Zündschlüssel, sondern eine NFC-Karte. Karte hinhalten, Zündung ein. Bremse betätigen, starten. Beim Abstellen Karte wieder hinhalten.

Coole Idee. Solange die Karte griffbereit ist.

Wenn sie irgendwo tief in der Jackentasche steckt und man dicke Handschuhe trägt, wird die Sache schnell weniger cool. Mit Motocross-Hose ohne Tasche wird es überhaupt interessant. Dafür gibt es zwar einen Halter samt Lanyard, aber so ganz überzeugt mich die Lösung noch nicht.

Benda arbeitet laut Ankündigung an einer Smartphone-Lösung. Dann soll sich der NFC-Code aufs Handy übertragen lassen. Gerade bei Arbeitsfahrzeugen wäre das praktisch, weil man die Berechtigung zusätzlich an Mitarbeiter oder andere Fahrer weitergeben könnte.

Mein zweiter Kritikpunkt betrifft den Stauraum. Hinten gibt es zwar ein kleines Fach für Papiere, Verbandszeug und Kleinkram, vorne hätte ich aber wirklich gerne ein kleines Ablagefach.

Denn USB-Anschluss und 12-Volt-Steckdose sind vorhanden. Nur wohin mit dem Handy während des Ladens? Eine kleine geschützte Box würde das Problem lösen.

Und dann wäre da noch das nervige Piepsen im Retourgang. Dafür kann Benda allerdings nichts – europäische Vorschriften lassen grüßen.

Wie viel kostet eine Benda Redstone 550 R2?
Hier findest du einen Überblick über das Preisniveau von neuen und gebrauchten Motorrädern!
Arlo

Benda Redstone 550 R2 2026 - Erfahrungen und Expertengutachten

Arlo

Bei einem ersten ATV eines Herstellers würde ich normalerweise mit deutlich mehr Kinderkrankheiten rechnen. Genau deshalb hat mich die Redstone 550 überrascht. Sie ist groß und dadurch nicht das wendigste Gerät im engen Wald, aber sobald es um Stabilität, schwierige Auffahrten, Schrägfahrten oder höheres Tempo geht, spielt genau diese Größe ihre Vorteile aus. Dazu kommen ein ordentliches Fahrwerk, ein durchdachtes Allradsystem und ungewöhnlich viel Serienausstattung. Die Kritikpunkte liegen hauptsächlich bei praktischen Kleinigkeiten wie NFC-Keycard und fehlendem Ablagefach. Für Arbeit, Wald und Freizeit ist die Redstone jedenfalls weit mehr als nur ein interessantes China-ATV – sie ist ein ernst zu nehmendes Werkzeug.


sehr stabiles Fahrverhalten auf Straße und im Gelände

voll einstellbare Gasdruckstoßdämpfer

30 Zentimeter Bodenfreiheit

hintere und vordere Differenzialsperre

gut dosierbarer Arbeitsmodus

900 Kilogramm gebremste Anhängelast

umfangreiche Serienausstattung mit Seilwinde, Griff- und Sitzheizung

großer Wendekreis

NFC-Keycard im Arbeitseinsatz teilweise unpraktisch

kein Ablagefach im Frontbereich

hohes Fahrzeuggewicht

störendes Rückfahr-Warnsignal

Benda Redstone 550 R2 im Test Bilder

Quelle: 1000PS

Bild 1
Bild 2
Bild 3
Bild 4
Bild 5
Bild 6
Bild 7
Bild 8
Bild 9
Bild 10
Bild 11
Bild 12
Bild 13
Bild 14
Bild 15
Bild 16
Bild 17
Bild 18
Bild 19
Bild 20
Bild 21
Bild 22
Bild 23
Bild 24
Benda Redstone 550 R2 2026 - Bild 25
Benda Redstone 550 R2 2026 - Bild 26
Benda Redstone 550 R2 2026 - Bild 27
Benda Redstone 550 R2 2026 - Bild 28
Benda Redstone 550 R2 2026 - Bild 29
Benda Redstone 550 R2 2026 - Bild 30