Shark IRID Visier im Test: Tönung in unter 1 Sekunde

Shark IRID Visier im Test: Tönung in unter 1 Sekunde

Elektrochromes Photochrom-Visier ohne Wartezeit

Wechselnde Lichtverhältnisse gehören zum Motorradalltag. Das neue IRID-Visier für den Shark Aeron soll dieses Problem mit einer patentierten elektrochromen Flüssigkristall-Technologie lösen und blitzschnell auf Sonne, Schatten und Tunnel reagieren. 1000PS macht den Performance Check.

nopain

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Veröffentlicht am 10.8.2026

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Sonne, Schatten, Baumalleen, Tunnel oder Dämmerung: Motorradfahrer kennen das Problem. Während sich die Lichtverhältnisse ständig ändern, bleibt oft nur die Wahl zwischen einem klaren oder einem dauerhaft getönten Visier, das man laufend von Hand öffnen und schließen muss. Selbst moderne photochrome Lösungen benötigen meist viele Sekunden oder sogar Minuten, um sich vollständig an neue Lichtverhältnisse anzupassen.

Mit den photochromen IRID-”Sofort”-Visieren will Shark dieses Problem grundlegend lösen. Die patentierte IRID-Technologie nutzt einen elektronisch gesteuerten Flüssigkristallfilm, der über ein integriertes Solarpanel versorgt wird und die Tönung in weniger als einer Sekunde anpasst, wenn man aus einem Tunnel direkt ins grelle Tageslicht rollt. Das System kommt ohne Akku aus, ist wasserdicht, verfügt über eine integrierte Anti-Beschlag-Lösung und benötigt keine zusätzliche Pinlock-Scheibe.

Anhand des Shark Aeron testen wir im 1000PS Performance Check, welches Potenzial in der neuen elektrochromen Visiertechnologie steckt.

Shark Aeron mit IRID-Visier

Erster Eindruck: Shark Aeron Carbon mit IRID "Dark Smoke" Visier

Unsere Testkombo war ein Shark Aeron Carbon mit einem IRID "Dark Smoke" Visier. Die elektrochrome Racing-Variante ist außerdem mit den Shark-Helmen Race-R Pro, Race-R Pro GP, Aeron GP und Aeron GP FIM kompatibel. Bereits beim Auspacken vermittelt das IRID-Visier einen hochwertigen Hightech-Eindruck. An der oberen Kante sitzt mittig ein kleines Solarpanel, dahinter arbeitet der elektrochrome Flüssigkristallfilm. Die Konstruktion wirkt insgesamt etwas massiver als ein herkömmliches Visier. Das überrascht nicht, schließlich muss die zusätzliche Technik irgendwo Platz finden. Unsere Messung ergab ein Gewicht von 212 Gramm für das IRID-Visier gegenüber 175 Gramm beim originalen Shark-Visier.

An der Bedienung ändert sich hingegen nichts. Der Schnellwechselmechanismus funktioniert genauso einfach und präzise wie beim Serienvisier des Aeron. Das Visier verriegelt sauber, lässt sich über die seitliche Lasche öffnen und ebenso unkompliziert demontieren. Optisch fügt sich das IRID nahtlos in die sportliche Linienführung des Shark Aeron ein.

Allerdings macht die Dark-Smoke-Variante schon im hellsten Zustand mit ihrer Lichtdurchlässigkeit von 38 bis 12 Prozent keinen Hehl aus ihrer Bestimmung. Bereits ohne direkte Sonneneinstrahlung wirkt sie deutlich getönt und erinnert eher an ein mittelstark abgedunkeltes Racing-Visier als an ein klassisches Straßenvisier. Kommt die Sonne heraus, legt das IRID sichtbar nach und erreicht einen nahezu tiefschwarzen Eindruck.

Technische Daten: Shark Aeron Carbon

EigenschaftBeschreibung
EinsatzbereichRennstrecke und sportliche Straßennutzung
NormECE 22.06
FarbvarianteSpeed Tech Mat Carbon Blue Red
Verfügbare GrößenXS bis XXL
HelmschaleCarbon-Aramid COVA Structure
Anzahl Schalengrößen2
GewichtCa. 1.440 g (erste Schalengröße)
VisierklasseOptische Klasse 1
VisiersystemSchnellwechselvisier ohne Werkzeug
PinlockPinlock 120 Max Vision inklusive
Kompatible VisiereShark VZ100 + IRID
Belüftung5 Lufteinlässe und 7 Luftauslässe
AerodynamikEntwickelt im Windkanal, integrierter Heckspoiler
InnenfutterAlveotech mit antibakteriellen Eigenschaften, herausnehmbar und waschbar
WangenpolsterEasy Fit System für Brillenträger
NotfallsystemShark Emergency Release System
VerschlussDoppel-D-Ring
KommunikationssystemVorbereitet für Shark Sena for Aeron
SichtfeldFür Rennstreckenbetrieb optimiertes Sichtfeld
AusstattungAtemabweiser, Windabweiser, Helmbeutel und Dark-Smoke-Standardvisier inklusive
Preis (UVP)€ 869,99

Shark Aeron mit IRID-Visier

IRID-Technik und Innovation

Klassische photochrome Visiere arbeiten mit einer chemischen Reaktion im Material. Vereinfacht gesagt verändern spezielle Moleküle unter UV-Einfluss ihre Struktur und damit die Lichtdurchlässigkeit der Scheibe. Das ist elegant, weil keine Elektronik nötig ist, hat aber einen Nachteil: Die Reaktion ist temperatur- und lichtabhängig und läuft nicht schlagartig ab. Besonders der Wechsel zurück von dunkel auf hell wird in der Praxis – in Tunneln oder dunklen Waldstücken – als zu langsam wahrgenommen.

IRID geht technisch einen anderen Weg. Im Visier sitzt ein elektrochrom gesteuerter Flüssigkristallfilm. Dieser Film verändert seine Lichtdurchlässigkeit nicht rein chemisch durch UV-Strahlung, sondern wird über ein kleines Solarpanel und einen Lichtsensor angesteuert. Fällt Licht auf das Panel, wird elektrische Energie erzeugt und direkt für die Ansteuerung der Flüssigkristallschicht genutzt. Dadurch kann die Tönung deutlich schneller angepasst werden als bei klassischen photochromen Lösungen.

Der entscheidende Punkt ist: IRID reagiert nicht nur auf UV-Licht, sondern auf die reale Helligkeit der Umgebung. Das macht den Unterschied bei Situationen, in denen normale photochrome Systeme an ihre Grenzen kommen. Bei einer Tunneleinfahrt, im Blätterwald oder beim Wechsel von der sonnigen Boxengasse in die dunkle Garage zählt nicht irgendein Laborwert, sondern die Frage, wie schnell das Auge wieder sauber arbeiten kann. Genau hier spielt die elektrochrome Flüssigkristall-Technologie ihren Vorteil aus.

Shark Aeron mit IRID-Visier "Dark Smoke"

Shark Racing IRID-Visier: "aufgehellt" (38% Lichtdurchlässigkeit)

Shark Aeron mit IRID-Visier "Dark Smoke"

Shark Racing IRID-Visier: abgedunkelt (12% Lichtdurchlässigkeit)

Shark IRID-Photochrom-Visiere

IRID ClearIRID Dark SmokeIRID Blue
Reaktionszeit Hell-Dunkel< 1 Sekunde< 1 Sekunde (getestet)< 1 Sekunde
Reaktionszeit Dunkel-Hellnicht getestet< 3 Sekunden (getestet)nicht getestet
Lichtdurchlässigkeit64% → 20%38% → 12%29% → 8%
GrundcharakterHelle Basis mit automatischer AbdunkelungBereits deutlich getönt, starke AbdunkelungIridium-Look mit maximaler Abdunkelung
OptikKlarDark SmokeBlau verspiegelt
Anti-FogJaJaJa
Anti-ScratchJaJaJa
UV-SchutzJaJaJa
WasserdichtJaJaJa
Batterie erforderlichNeinNeinNein
SolarpanelJaJaJa
StVO-ZulassungJa (ECE homologiert für Tagesbetrieb)NeinNein
EinsatzbereichStraße, Tour, AlltagRennstrecke, Trackdays, SonneRennstrecke, Trackdays, Show & Optik
EmpfehlungVielfahrer mit wechselnden LichtverhältnissenSportfahrer und Trackday-PilotenRacing-Fahrer mit Fokus auf Optik
Preis€ 390,-€ 420,-€ 420,-
ZielgruppeStraßenfahrer, Pendler, TourenfahrerTrackdayfahrer, SportfahrerTrackdayfahrer, Racing-Enthusiasten

Beim getesteten Dark-Smoke-Visier liegt die Lichtdurchlässigkeit zwischen 38% und 12%. Das heißt: Schon im hellsten Zustand ist das Visier kein Klarsichtvisier, sondern deutlich getönt. Bei starker Sonneneinstrahlung reduziert das System die Lichtdurchlässigkeit weiter.

Die Clear-Version arbeitet mit 64% bis 20%, das Blue-Visier mit 29% bis 8%. Damit verfolgt Shark klar drei unterschiedliche Einsatzprofile: Straße und Alltag mit Clear, Rennstrecke und starke Sonne mit Dark Smoke, maximale Abdunkelung und Iridium-Optik mit Blue.

Spannend ist auch der Energiehaushalt. Weil das System über Solarenergie arbeitet, braucht es keinen Akku, keine Ladebuchse und keine Bedienlogik. Das Visier ist damit im Idealfall so unkompliziert wie ein normales Visier: montieren, schließen, fahren. Die zusätzliche Technik ist immer aktiv, solange Licht vorhanden ist. Fällt weniger Licht ein, nimmt die Ansteuerung ab und das Visier hellt wieder auf.

Ein weiterer technischer Vorteil liegt im Aufbau ohne zusätzliche Pinlock-Scheibe. Das IRID-Visier besitzt eine integrierte Anti-Fog-Beschichtung und benötigt deshalb keine zweite Innenlinse. Dadurch gibt es weniger Kanten, weniger Zwischenräume und weniger Flächen, an denen sich Schmutz, Feuchtigkeit oder Putzreste sammeln können. Im Alltag bedeutet das: einfacher zu reinigen, weniger empfindlich beim Handling und optisch sauberer als ein klassisches Visier mit eingesetztem Pinlock.

Natürlich bezahlt man diese Technik (Flüssigkristallfilm, Solarpanel und zusätzliche Schichtstruktur) mit etwas Mehrgewicht. Unsere Messung ergab 212 Gramm für das IRID-Visier gegenüber 175 Gramm beim originalen Shark-Visier. Das sind 37 Gramm Differenz. Im Labor ist das messbar, im Fahrbetrieb aber nicht dominant spürbar.

Shark Aeron mit IRID-Visier

In der Praxis auf der Straße: IRID am Shark Aeron

Auf der Straße zeigt sich der Nutzen der IRID-Technologie vor allem dort, wo Licht nicht konstant bleibt. Eine breite Bundesstraße bei gleichmäßiger Sonne stellt kaum eine Herausforderung dar. Spannend wird es im Blätterwald, wenn die Sonne sekundenweise durch die Baumkronen flackert, bei tief stehender Abendsonne, in Unterführungen, kurzen Tunnels oder auf Landstraßen, die ständig zwischen offenem Feld und dunklem Wald wechseln. Genau in diesen Situationen spielt die elektrochrome Technik ihre Stärke aus. Während klassische photochrome Visiere oft noch überlegen, ob sie heller oder dunkler werden sollen, reagiert das IRID praktisch unmittelbar. Die Abdunkelung erfolgt in weniger als einer Sekunde, das vollständige Aufhellen dauert zwar knapp drei Sekunden, setzt aber ohne spürbare Verzögerung ein. Gerade bei rasch wechselnden Lichtverhältnissen bleibt der Unterschied dadurch jederzeit angenehm wahrnehmbar, anstatt erst Sekunden später sichtbar zu werden.

Mit dem IRID Dark Smoke muss man allerdings ehrlich bleiben: Das getestete Visier ist bereits im hellsten Zustand relativ dunkel. Für die öffentliche Straße erscheint deshalb die Clear-Variante als die deutlich vernünftigere Wahl. Sie bietet den größeren Alltagsspielraum, bleibt für den Straßenverkehr homologiert und nimmt dem Fahrer trotzdem die Arbeit ab, ständig zwischen Sonnenbrille, Klarsichtvisier und getöntem Visier jonglieren zu müssen. Wer regelmäßig pendelt, auf Tour geht oder häufig bei wechselnden Bedingungen unterwegs ist, dürfte hier den größten Mehrwert erkennen.

Am Shark Aeron selbst bleibt die Bedienung angenehm vertraut. Die Visiermechanik arbeitet präzise, satt und hochwertig, genau so, wie man es von einem modernen Racing-Helm dieser Klasse erwartet. Das IRID lässt sich weder hakeliger montieren noch schwieriger bedienen als das Serienvisier. Im Alltag wirkt das System dadurch erstaunlich unspektakulär – und genau das ist als Kompliment gemeint. Man steigt auf, fährt los und vergisst nach wenigen Minuten, dass zusätzliche Technik im Visier arbeitet.

Auch das von uns gemessene Mehrgewicht von 37 Gramm fällt in der Praxis kaum auf. Weder bei längeren Landstraßenetappen noch bei höheren Geschwindigkeiten entstand der Eindruck eines kopflastigeren Helms. Gleichzeitig entfällt die zusätzliche Pinlock-Scheibe, wodurch Reinigung und Pflege deutlich unkomplizierter ausfallen. Gerade Vielfahrer werden es zu schätzen wissen, dass auf der Innenseite keine zweite Scheibe mit zusätzlichen Kanten, Haltepins oder Zwischenräumen gereinigt werden muss.

Shark Aeron mit IRID-Visier "Dark Smoke" auf der Rennstrecke

Im Rennstreckeneinsatz: IRID am Shark Aeron

Auf der Rennstrecke wird das Dark-Smoke-IRID aber erst so richtig interessant. Boxengasse, Vorstart, Schattenzonen hinter Tribünen, tief stehende Sonne am Kurvenausgang oder ein Turn, der bei bewölktem Himmel beginnt und bei Sonnenschein endet: Genau dort entsteht der Nutzen. Man fährt nicht mit einem Visier, das nur für eine einzige Lichtstimmung passt, sondern mit einem System, das sich laufend an die Umgebung anpasst.

Besonders angenehm ist, dass man weniger Aufwand hat. Kein zweites Visier im Reifenwärmer-Regal. Kein hektisches Wechseln kurz vor dem Turn. Kein halb geöffnetes Visier in der Boxeneinfahrt, weil die Sonne gerade hinter einer Wolke verschwunden ist. Das IRID arbeitet unauffällig im Hintergrund, während sich der Kopf mit wichtigeren Dingen beschäftigen darf: Bremspunkt, Linie, Gripniveau und Verkehr.

Gerade auf Rennstrecken mit häufigen Lichtwechseln macht sich die schnelle Reaktionszeit bemerkbar. Wer schon einmal bei tief stehender Abendsonne aus einer dunklen Passage direkt in einen hellen Streckenabschnitt geschossen ist, weiß, wie unangenehm wenige Sekunden eingeschränkter Sicht sein können. Das IRID kann die Physik des menschlichen Auges natürlich nicht überlisten, reduziert aber die zusätzlichen Belastungen durch ein dauerhaft zu helles oder zu dunkles Visier.

Das Dark-Smoke-Visier bleibt trotzdem ein kompromissloses Racing-Teil. Für sonnige Trackdays wirkt die Abstimmung stimmig und passend zum Charakter des Shark Aeron. Bei bedecktem Himmel, Regen oder später Dämmerung kann die Grundtönung allerdings bereits grenzwertig dunkel wirken. Wer den Aeron als reinen Rennstreckenhelm nutzt, wird damit deutlich besser leben können als jemand, der denselben Helm täglich auf der Straße bewegt.

Shark Aeron mit IRID-Visier "Dark Smoke" auf der Rennstrecke

Shark IRID Visier im Test: Tönung in unter 1 Sekunde Bilder

Quelle: 1000PS

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