Ducati Hypermotard V2 SP: Drift-King auf der Rennstrecke

Ducati Hypermotard V2 SP: Drift-King auf der Rennstrecke

120 PS Supermoto-Power im italienischen Rennstrecken-Test

Bernd testet die neue Ducati Hypermotard V2 SP auf der Rennstrecke in Modena. Mit 120 PS aus 890 ccm und Öhlins-Fahrwerk wird gedriftet, was das Zeug hält. Ein emotionaler Fahrbericht aus Italien.

Bernd

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Veröffentlicht am 21.4.2026

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Die Hypermotard zeigt ihr wahres Gesicht erst, wenn das Hinterrad zu rutschen beginnt. In Modena, bei 20 Grad und strahlendem Sonnenschein, wird aus dem 120 PS starken Supermoto-Geschoss ein kontrollierbarer Drift-König, der selbst Anfänger zum Grinsen bringt.

Italienisches Supermoto-Erbe neu interpretiert

Ducati schreibt mit der Hypermotard V2 SP ein neues Kapitel ihrer fast 20 Jährigen Supermoto-Geschichte. Statt auf rohe Gewalt zu setzen, zählen nun Finesse und Beherrschbarkeit. Der 890 ccm große V2-Motor, bekannt aus der Panigale liefert 120,4 PS bei 10.750 U/min - genug, um das Vorderrad vom Boden zu heben, aber nicht so brutal, dass Normalsterbliche überfordert wären. Mit nur 177 Kilogramm Trockengewicht und einer Sitzhöhe von 880 Millimetern (optional 15 mm tiefer) positioniert sich die SP als zugängliches Supermoto für ambitionierte Fahrer. Die Öhlins-Komponenten vorne und hinten, kombiniert mit Brembo-Monoblock-Zangen, signalisieren bereits optisch: Hier geht es um mehr als nur Straßenspaß.

Das Herz der Hypermotard - V2-Power mit Charakter

Der V2 mit 90 Grad Zylinderwinkel entwickelt seine 94 Nm Drehmoment bereits bei 8.250 U/min und macht die Hypermotard dadurch zu einem vielseitigen Supermoto-Tool. Aus langsamen Kurven heraus liegt ordentlich Drehmoment an, ohne dabei unkontrollierbar zu werden. Das Vorderrad hebt sich willig, aber nie brutal. Die Kraft wird über eine 6-Gang-Getriebe und einen "sehr zarten" Quickshifter übertragen, der selbst bei harten Hochschaltungen zwischen 9.000 und 10.750 Touren geschmeidig arbeitet. Der flüssigkeitsgekühlte Motor mit 13,1:1 Verdichtung und Euro 5+ Norm zeigt sich hitzetechnisch gut erzogen - selbst bei 20 Grad Außentemperatur und Rennstreckenbetrieb entstehen keine störenden Wärmestaus an den Oberschenkeln.

Öhlins-Präzision trifft Supermoto-Geometrie

Das vollverstellbare Öhlins-Fahrwerk mit 48-mm-USD-Gabel (170 mm Federweg) und direkt angelenktem Federbein (160 mm) verwandelt die Rennstrecke in Modena in einen Supermoto-Spielplatz. Die Präzision beim Einlenken ist beeindruckend - trotz des breiten Lenkers bleibt die SP auch bei höheren Geschwindigkeiten gut beherrschbar und sehr direkt. Das Vorderrad konnte ich gut abfangen als ich auf der Bremse arg gepusht habe. Der Aluminium-Trellis-Rahmen mit 26 Grad Lenkkopfwinkel und 110 mm Nachlauf sorgt für die typische Supermoto-Agilität, ohne in Nervosität umzuschlagen. Allerdings streifen Supermototypisch die Fußrasten sehr früh, deshalb haben wir die Vorspannung am Heck erhöht. Ein typisches Supermoto-Problem, das sich aber durch die Verstellmöglichkeiten des Öhlins-Fahrwerks anpassen ließ.

Elektronik mit Supermoto-Verständnis

Die elektronischen Helfer der Hypermotard V2 SP verstehen ihr Handwerk. Besonders der ABS-Level-2-Modus überzeugt: Hier kann man gezielt in den Drift-Modus wechseln, wo das System leichtes Rutschen zulässt bis 30 Grad Schräglage - perfekt für weniger erfahrene Fahrer, die das Supermoto-Gefühl kennenlernen wollen. Das macht schon bald neidisch wenn schon bald fast jeder driften kann mit so einem Gerät. Die Traktionskontrolle arbeitet dezent im Hintergrund und greift nur ein, wenn es wirklich nötig wird. Wer sanft Gas gibt, spürt sie kaum; bei aggressivem Aufdrehen in Schräglage muss sie naturgemäß härter eingreifen. Das TFT-Display und die Fahrmodi lassen sich zwischen den Sessions gut anpassen, allerdings braucht man für die Detaileinstellungen schon etwas Ducati-Know-how. Während der Fahrt sind Anpassungen bei Traktionskontrolle und ABS im Race-Modus möglich - aber nur, wenn man die Bedienung verinnerlicht hat.

Brembo-Power mit einer Schwäche

Die Brembo-Monoblock-Zangen an den 320-mm-Doppelscheiben greifen zunächst perfekt zu und bieten enormes Verzögerungspotential. Nach etwa zehn Minuten intensivem Rennstreckenbetrieb zeigt sich jedoch eine kleine Schwäche: Der Druckpunkt wird weicher und wandert nach hinten. Die extreme Stop-and-Go-Strecke in Modena forderte die Bremsen besonders stark, weshalb gegen Ende der Session der Druckpunkt "um einen Klick weiter vorne eingestellt werden" musste. Die 245-mm-Hinterradbremse mit Zweikolben-Zange erfüllt ihren Zweck problemlos.

Drift-König ohne Vergleichsmöglichkeit

Ein direkter Vergleich zu Konkurrenten wie der KTM 890 Duke R oder der Ducati Streetfighter V2 war leider nicht möglich - diese Modelle hatte ich noch nicht selbst gefahren. Was jedoch klar wird: Die Hypermotard V2 SP hat ihren eigenen Charakter gefunden. Das kontrollierte Driften funktioniert so gut, dass selbst ein unerfahrener Fahrer erste Drift-Erfahrungen zaubern kann. Lukas Tulovic und ich hatten sehr viel Spaß mit dem Modell. Das ist der emotionale Kern der SP: Sie macht Supermoto-Spaß für Jedermann zugänglich, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren. Die 880-mm-Sitzhöhe (mit niedrigerer Sitzbank 865 mm) macht sie auch für nicht-übergroße Fahrer handhabbar.

Alltagstauglichkeit mit Kompromissen

Als reines Alltagsmotorrad zeigt die Hypermotard V2 SP ihre Grenzen. Der 12,5-Liter-Tank und der angegebene Verbrauch von 5,4 Litern ergeben rechnerisch 231 Kilometer Reichweite - im sportlichen Rennstreckenbetrieb jedoch deutlich weniger. Die aufrechte Sitzposition und der breite Lenker sind durchaus alltagstauglich, für längere Autobahnstrecken ohne Windschutz aber nicht optimal. Als Stadtflitzer oder für kurvenreiche Landstraßen hingegen dürfte die SP mit ihrer Wendigkeit und dem charaktervollen V2-Sound durchaus überzeugen. Leider hatten wir im Test aber leider keine Möglichkeit auf der Landstraße zu fahren wo das Motorrad eigentlich zuhause ist. Sozius-Qualitäten sind bei einem echten Supermoto ohnehin zweitrangig.

Technische Finesse im Detail

Unter dem italienischen Design steckt durchdachte Technik: Der 890-ccm-V2 mit 96 mm Bohrung und 61,5 mm Hub arbeitet mit vier Ventilen pro Zylinder und Desmosystem. Die Einspritzung sorgt für saubere Euro 5+ Emissionswerte bei 125 g/km CO2-Ausstoß. Der Aluminium-Zweiarmschwinge und die 120/70 R17 bzw. 190/55 R17 Bereifung komplettieren das Supermoto-Package. Mit einem Radstand von 1.514 mm liegt die SP genau im Supermoto-Sweet-Spot zwischen Agilität und Stabilität. Die Brembo-Ausstattung mit hydraulischer Betätigung und die Öhlins-Komponenten unterstreichen den Premium-Anspruch.

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Die Ducati Hypermotard V2 SP macht das Supermoto-Fahren zugänglich und somit steckt ordentlich Supermoto DNA in der Hyper. Kontrollierbar, ohne dabei den Spaßfaktor zu verlieren. Der 890-ccm-V2 mit 120,4 PS liefert genug Power für echte Supermoto-Momente, bleibt aber beherrschbar. Das Öhlins-Fahrwerk und die intelligente Elektronik machen auch weniger erfahrene Fahrer zu Drift-Künstlern. Bei intensiver Nutzung zeigt sich auf der Stop-and-Go-Strecke ein leicht nachlassender Bremsdruck, und die früh streifenden Fußrasten sind supermoto-typisch. Der größte Wermutstropfen ist jedoch der Preis: 19.990 Euro in Deutschland zuzüglich Bereitstellungskosten bringen das Modell über die 20.000-Euro-Marke. Für alle, die authentisches Supermoto-Feeling mit italienischem Flair suchen, ist die Hypermotard V2 SP dennoch eine exzellente Wahl.


Kontrollierbare 120 PS

Öhlins-Fahrwerk

Drift-Modus

Beherrschbare Elektronik

Leichtes Gewicht

Hoher Preis

Früh streifende Fußrasten

Kleiner Tank

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Quelle: 1000PS

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