Als die Kawasaki Z800 2013 die erfolgreiche Z750 ablöste, blieb das Grundrezept unangetastet: ein klassischer Reihenvierzylinder, Stahlrahmen, aufrechte Naked-Bike-Ergonomie und genügend mechanische Substanz, um auch heute noch nicht wie ein Relikt aus einer anderen Zeit zu wirken. Der Motor wuchs auf 806 cm³, leistete in der Vollversion 113 PS bei 10.200 U/min und drückte 83 Nm bei 8.000 U/min. Dazu kamen ein 17-Liter-Tank, 834 mm Sitzhöhe und stolze 229 kg fahrfertiges Gewicht. Die 41-mm-USD-Gabel sowie das Federbein boten bei der normalen Z800 Einstellmöglichkeiten für Federvorspannung und Zugstufe. Das Ergebnis war kein filigranes Skalpell, sondern ein sattes, stabiles und sehr erwachsen wirkendes Naked Bike.
Der Motor wurde gegenüber der Z750 deutlich überarbeitet, große technische Entwicklungssprünge folgten während der kurzen Modellkarriere jedoch nicht mehr. Von 2013 bis 2016 blieb die Z800 im Kern konstant, was beim Gebrauchtkauf ein Vorteil ist: Es gibt kein einzelnes Modelljahr, das man wegen eines entscheidenden Updates unbedingt haben muss. Interessanter ist die Frage, welche Z800 tatsächlich vor einem steht. Neben der 113-PS-Version bot Kawasaki die Z800e mit 70 kW** beziehungsweise 95 PS und 76 Nm an. Sie war mit 226 kg etwas leichter und beim Fahrwerk einfacher ausgestattet. Vor allem aber bildete ihre 70-kW-Homologation die Basis für eine legale 35-kW-Drosselung für den A2-Führerschein.
2016 war Schluss, für 2017 übernahm die Kawasaki Z900. Dieser Generationswechsel ist für heutige Gebrauchtkäufer wichtiger als jeder Farbcode der Z800, denn die Z900 kombinierte mehr Leistung mit deutlich weniger Masse und schob die Baureihe fahrdynamisch in eine andere Liga. Gleichzeitig blieb der Reiz der Z800 bestehen: Sie stammt aus einer Zeit, in der ein kräftiger Vierzylinder, ABS und ein ordentliches Fahrwerk genügen mussten, ohne TFT, Fahrmodi oder elektronische Helferparade. Genau diese mechanische Direktheit macht gepflegte Exemplare weiterhin begehrt und erklärt zumindest teilweise, warum gute Z800 heute überraschend selbstbewusst eingepreist werden.

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