Yamaha auf der EICMA 2026 mit RW700 und Ténéré 4
Adventure Roller mit Schaltgetriebe und eine kleine Ténéré
Am Yamaha-Stand auf der EICMA 2026 stehen zwei Adventure-Roller mit neuer Technik, und dann finde ich in einer Menschentraube genau die Enduro, die ich mir seit Jahren wünsche. Leider nur als Konzept.
Was Yamaha auf der EICMA 2026 in Mailand Neues mitgebracht hat, steht schon von Weitem sichtbar am Stand. Es sind zwei Roller, die keine braven Stadtflitzer sein wollen: viel Federweg, grobstollige Reifen, Fußrasten zum Stehen. Yamaha nennt die neue Baureihe RW, und sie fordert ein Duell heraus, das seit Jahren zwischen zwei Platzhirschen läuft. Dazu kommt ein neuer kleiner Einzylinder mit einer Bauweise, die ich so noch nicht gesehen habe. Und dann, nach einer kurzen Suche durch die Halle, eine Menschentraube um ein Motorrad, bei dem ich sofort wieder an meine eigene Enduro-Sehnsucht denken muss. Am Ende wird es auch noch privat, denn mein Sohn braucht ein neues Motorrad, und am Stand hole ich mir Farbberatung von einem Kollegen.
Der RW700 ist ein Roller mit dem CP2 der Ténéré 700
Der RW700 trägt den bekannten CP2, den Zweizylinder aus den Yamaha-Mittelklassemodellen, hier mit 689 cm³, 69 PS und 65 Nm. Im Grunde ist das ein Roller, also ein komfortables Fahrzeug mit praktischem Nutzen und Stauraum. Doch hier kommen jede Menge Federweg dazu, ein robuster Auftritt und grobstollige Reifen, laut Yamaha auf Speichenrädern mit 17 Zoll vorn und 15 Zoll hinten. Es gibt eben Leute, die nicht ganz so viel Gelände brauchen wie bei einer Ténéré. Für die hat der RW700 Trittbretter und Fußrasten, man kann also stehend und sitzend fahren. Schlechter Asphalt, leichtes Gelände, und das mit der Zugänglichkeit eines Rollers, aber mit den Zutaten eines Motorrads. Ein Roller-Motorrad-Hybrid, wenn man so will. Laut Yamaha wiegt er 221 kg vollgetankt, die Sitzhöhe liegt bei 810 mm. Genau diese Mischung macht ihn so spannend.
Y-AMT statt Riemen fordert X-ADV und TMAX heraus
Das Spannendste steckt im Antrieb. Statt eines Variomatik-Riemens arbeitet im RW700 ein normales Motorradgetriebe, wie man es aus den Yamaha-Zweizylindern kennt, kombiniert mit Y-AMT, also einem automatisierten Schaltgetriebe. Laut Yamaha ist das der erste Roller der Marke mit Gangwechsel. Gegenüber einem Roller bringt das einen höheren Wirkungsgrad, keine Riemenverluste und so weiter. Geschaltet wird ohne Kupplungshebel und ohne Schaltpedal, wahlweise per Wippe oder vollautomatisch. Eine faszinierende Geschichte, und ich bin gespannt, wie sich der RW700 gegen den Platzhirschen schlägt. Seit Jahren gibt es dieses Duell: Honda mit dem X-ADV, Yamaha mit dem TMAX. Jetzt wird das Duell erweitert, weil Yamaha den RW700 zusätzlich in die Waagschale wirft. Für den A2-Führerschein gibt es laut Yamaha eine Version mit 35 kW, und die besser ausgestattete RW700 Explore bekommt unter anderem Griff- und Sitzheizung.
Der RW350 bringt einen neuen Einzylinder mit Trick
Die Baureihe gibt es auch als RW350, und um den wird es richtig eng. Ich werde abgedrängt, ganz schwer abgedrängt. Mächtiger Stauraum, sehe ich, und ein neuer kleiner Einzylinder mit 327 cm³ und 29 PS. Auch Yamaha investiert also in neue Motorentechnologien. Faszinierend ist der Aufbau: Laut Yamaha sitzt der Motor fest im Rahmen, und nur die Getriebeeinheit schwingt um den Drehpunkt an der Kurbelwelle. Damit ist nur sie ungefederte Masse, nicht der ganze Motor. Dann mache ich mir Platz und setze mich drauf. Ich stelle mich auf, Stehposition, Überblick. Dann wieder hinsetzen, und die Sitzposition ist komfortabel. Unter die Sitzbank passt ein Integralhelm, das habe ich mir gleich angeschaut. Display und Tempomat sind dabei, dazu eine Automatik. Dass Yamaha diese neue Motorengeneration ausgerechnet in so einem Hybrid aus Roller und Motorrad bringt, finde ich cool.
Die Ténéré 4 Concept ist genau die Enduro, die wir brauchen
Und dann gibt es noch etwas: eine kleine Ténéré mit kompaktem Einzylinder. Wo sie steht, weiß ich erst nicht, die Menschentraube verrät sie. Wer jetzt schon Champagner aufreißt, den muss ich gleich wieder runterholen: Die Ténéré 4 Concept ist ein Konzept, laut Yamaha ein leichtes Adventure-Motorrad für die A2-Klasse mit neuem Einzylinder, neuem Rahmen, KYB-Fahrwerk und Speichenrädern in 21 und 18 Zoll. Hubraum und Leistung nennt Yamaha nicht. Doch genau so etwas brauchen wir jetzt: japanische Zuverlässigkeit, zugängliches Gewicht, ein leiwander Einzylinder, Fahrkomfort und Rallye-Optik. Damit fahre ich bis nach Tadschikistan und weiter. Die Schwinge ist nicht so massiv wie an der Ténéré 700, aber auch kein Klumpert. Der Motor schaut nicht federleicht aus, aber auch nicht nach schwerer Plunzen. Mein Tipp: 182 Kilo fahrfertig. Auf die Ténéré 700 haben wir gefühlt sieben Jahre gewartet. Bitte bringt die Kleine schneller, 2028 oder sogar 2027.
Eine MT-125 für den Sohn und Farbberatung von Zonko
Die Ténéré 700 gibt es natürlich weiter, am Stand in der Rallye-Version. Mich zieht es aber aus privatem Interesse zur neuen MT-125. Mein Sohn hat einigermaßen gute Noten, und er ist so groß wie ich. Die MT-125 ist geräumig, die Sitzposition passt auch größeren Leuten, während andere japanische 125er ziemlich kompakt ausfallen. Variable Ventilsteuerung und Anti-Hopping-Kupplung sind dabei, dazu ein saubreiter Lenker. Also bekommt er vom Papa gleich zwei Motorradln, lieber jetzt, solange wir noch gemeinsam fahren können, als dass er in 30 Jahren erbt. Der Leichenwagen hat bekanntlich keinen Anhänger. Bleibt die Farbfrage, und die stelle ich Zonko, dem 1000PS-Kollegen, den ich am Stand treffe. Seine Antwort: "Bei Yamaha wäre es natürlich Rot-Weiß. Aber ich selber finde diese Blau ganz super." Mir gefällt das Icon Blue auch, ich fürchte aber, mein Sohn nimmt Schwarz. In Deutschland kostet die MT-125 5.949 Euro inklusive Nebenkosten.
So erlebst du den Yamaha Stand im EICMA Video
Wie eng es rund um die neuen Roller wirklich wurde, zeigt mein vierstündiger Rundgang über die EICMA 2026 auf dem 1000PS-YouTube-Kanal. Nach knapp eineinhalb Stunden geht es um Yamaha, dieser Link springt direkt zum Stand. Zu sehen sind der RW700 mit Trittbrettern und Fußrasten, meine Sitzprobe auf dem RW350 samt Blick unter die Sitzbank, die Suche nach der Ténéré 4 Concept in der Menschentraube und mein erster Blick auf Schwinge und Motor. Dazu die neue MT-125 und das Treffen mit Zonko, der mir bei der Farbwahl für meinen Sohn hilft. Wer danach dranbleibt, bekommt mehr als 40 weitere Stände, von Honda über Ducati bis KOVE, mit Sitzproben, Standgesprächen und klaren Urteilen. Vier Stunden EICMA zum Nachschauen, ohne Gedränge und ohne Messeeintritt.
Daten-Kasten Yamaha auf der EICMA 2026 im Überblick
- RW700: 689 cm³ Zweizylinder CP2, 69 PS bei 8.250/min, 65 Nm, Y-AMT mit sechs Gängen, 221 kg vollgetankt, Sitzhöhe 810 mm, 14 l Tank, Speichenräder 17/15 Zoll, A2-Version mit 35 kW
- RW350: 327 cm³ Einzylinder, 29 PS bei 7.000/min, 31,5 Nm bei 5.750/min, schwingende Getriebeeinheit, Tempomat, Helmfach, 192 kg fahrfertig (laut Berichten), Sitzhöhe 810 mm (laut Berichten), 13 l Tank
- Ténéré 4 Concept: Konzept für die A2-Klasse, neuer Einzylinder, neuer Leichtbaurahmen, KYB-Fahrwerk, Speichenräder 21/18 Zoll, kein Marktstart und kein Preis genannt
- MT-125: 15 PS bei 10.000/min, 142 kg fahrbereit (laut Berichten), Sitzhöhe 810 mm (laut Berichten), Preis Deutschland 5.949 Euro inkl. Nebenkosten, ab Januar 2027