TVS Neuheiten 2027 auf der EICMA
Eine sportliche 125er und drei elektrische Stadtroller
Mit einer A1-Streetfighterin und drei Elektrorollern baut der indische Hersteller sein Europa-Angebot aus. RTR 125 LC, M1-S, Orbiter und TVS X setzen dabei ganz unterschiedliche Schwerpunkte, vom herausnehmbaren Akku bis zum vernetzten Panorama-Display.
Vier Neuheiten, vier Ansätze für den Stadtverkehr: TVS präsentiert am 3. November auf der EICMA 2026 die RTR 125 LC sowie die Elektroroller M1-S, Orbiter und TVS X in Europa-Spezifikation. Damit wächst das Angebot der Marke von sechs Modellen im Jahr 2025 auf elf. Nach dem ersten EICMA-Auftritt 2025 und dem Aufbau des Design- und Entwicklungszentrums in Bologna nimmt die europäische Modellpalette weiter Form an. Unter dem Thema Neuheiten 2027 schauen wir uns die vier Fahrzeuge einzeln an.
TVS RTR 125 LC: 14,9 PS für die A1-Klasse
Die RTR 125 LC bringt Streetfighter-Optik in die A1-Klasse. Ein ausgeprägter Tank mit breiten Schulterflanken, scharf gezeichnete Proportionen und der sichtbare Gitterrohrrahmen bestimmen den Auftritt. Vorn sitzt ein rechteckiger LED-Projektionsscheinwerfer mit Tagfahrlicht, hinten ein dreigeteiltes LED-Rücklicht. Auch die Blinker arbeiten mit LEDs. TVS stellt die 125er als serienreifes Motorrad vor, das Arbeitsweg und Wochenendausfahrt unter einen Hut bringen soll.
Im Mittelpunkt steht ein flüssigkeitsgekühlter 125-cm³-Vierventilmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen. TVS nennt 11 kW beziehungsweise 14,9 PS bei 9.000 U/min und 12 Nm bei 7.000 U/min. Dazu kommen ein Sechsganggetriebe und eine servounterstützte Mehrscheiben-Anti-Hopping-Kupplung. Sie soll die Bedienung erleichtern und kontrolliertes Herunterschalten unterstützen. Fahrmodi erlauben eine Anpassung an wechselnde Bedingungen.
TVS RTR 125 LC: KYB-Gabel und Kartennavigation
Das Synchro-Stiff-Fahrwerk kombiniert den Gitterrohrrahmen mit einer gegossenen Schwinge. Vorn arbeitet eine 41-mm-Upside-down-Gabel von KYB, hinten ein einstellbares Monofederbein. Die Leichtmetallräder tragen Reifen in 100/80-17 und 140/70-R17. Für die Verzögerung sind eine 300-mm-Scheibe mit radial montiertem Bybre-Bremssattel vorn sowie eine 240-mm-Scheibe mit Bybre-Sattel hinten zuständig. Zweikanal-ABS ergänzt die Anlage.
Beim Cockpit setzt TVS auf ein fünf Zoll beziehungsweise 13 Zentimeter großes TFT-Display mit Multiway-Bluetooth-Konnektivität. Neben Turn-by-Turn-Navigation ist eine Kartenspiegelung im Vollbild vorgesehen. Eine Warnblinkanlage gehört ebenfalls zur Ausstattung. Die technischen Daten stammen aus der Vor-Homologations-Spezifikation und können sich mit der endgültigen Genehmigung noch ändern.
TVS M1-S: Elektrischer Maxi-Scooter mit 26 Litern Stauraum
Der M1-S kehrt ein Jahr nach seinem Konzeptauftritt als serienreifer elektrischer Maxi-Scooter zurück. Das in Singapur entwickelte Modell zielt auf europäische Pendler. Seine Gestaltung folgt den Prinzipien Presence, Tamed Emotions und Framed Surfaces: große Rollerproportionen, zurückhaltende Details und klar eingefasste Flächen mit fließenden Konturen. LED-Licht mit markanten Positionsleuchten prägt die Front. Das europäische Einführungsmodell trägt Spectre Black, weitere Farben sollen folgen.
Was macht ihn im Alltag praktisch? Unter der Sitzbank stehen 26 Liter Stauraum für einen Integralhelm bereit. Vorn ergänzen ein linkes Handschuhfach mit USB-A-Anschluss und ein offenes Fach für eine 500-ml-Flasche das Angebot. Die Sitzhöhe beträgt 800 mm, die Bodenfreiheit 170 mm. Bei 1.350 mm Radstand misst der M1-S 1.970 × 730 × 1.190 mm und wiegt laut TVS fahrbereit 150 kg. Der tief im Trittbrett untergebrachte Akku soll einen niedrigen Schwerpunkt und ein ausgewogenes Fahrgefühl ermöglichen.
TVS M1-S: 12,5 kW Spitze und Laden mit 1,8 kW
Ein im Rahmen montierter permanenterregter Synchronmotor liefert 5 kW Nennleistung und kurzzeitig 12,5 kW Spitzenleistung. TVS nennt 3,7 Sekunden von 0 auf 50 km/h und 105 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Lithium-Ionen-Akku mit NMC-Zellen speichert 4,2 kWh. Die erwartete Reichweite beträgt 120 km und beruht auf internen Tests mit der aktuellen Fahrmodus-Konfiguration. Es handelt sich um einen vorläufigen, am WMTC-Prüfzyklus orientierten Wert. Das 1,8-kW-Bordladegerät für die Haushaltssteckdose soll den Ladestand in 75 Minuten von 10 auf 80 Prozent bringen.
Unter der Verkleidung steckt ein Stahlrohrrahmen mit Telegabel und zwei einstellbaren Federbeinen hinten. Auf den 14-Zoll-Rädern sitzen Reifen in 110/70 vorn und 120/70 hinten. Je eine 230-mm-Bremsscheibe, Zweikanal-ABS, Reifendruckkontrolle an beiden Rädern und ein Tempomat bilden das Sicherheits- und Assistenzpaket. TVS führt den M1-S für die Führerscheinklasse A1. Die Angaben stehen unter Homologationsvorbehalt.
Ein Sieben-Zoll-TFT zeigt die Fahrinformationen. WLAN, Bluetooth und eigenes LTE verbinden den Roller mit einer Android- und iOS-App. Neben dem Start per Schlüsselanhänger führt TVS einen App-Start, das Öffnen der Sitzbank, Fahrzeugortung und Service-Updates auf. Die LTE-Verbindung ermöglicht Dienste auch bei entferntem Smartphone, Over-the-Air-Updates aktualisieren die Software aus der Ferne.
TVS Orbiter: Zwei Akkugrößen für den Stadtalltag
Der Orbiter konzentriert sich auf die täglichen Wege. Gerade Linien und eine auf aerodynamische Effizienz ausgelegte Form treffen auf einen Crystal-LED-Scheinwerfer, LED-Blinker und LED-Rücklicht. Zum Europa-Start nennt TVS Lunar Grey und Stratos Blue, weitere Farben sollen folgen. Breiter Lenker, aufrechte Sitzposition und eine lange, flache Sitzbank in 760 mm Höhe sollen den Stadtalltag angenehm machen. Unter der Sitzbank stehen 34 Liter bereit. Damit bietet der kompakte Roller mehr Stauraum als die beiden anderen hier vorgestellten Elektromodelle.
Der bürstenlose Gleichstrom-Nabenmotor leistet 1,85 kW nominal und 2,9 kW in der Spitze. Die vorläufige Höchstgeschwindigkeit beträgt 45 km/h, TVS nennt mindestens die Führerscheinklasse AM. Bei den NMC-Lithium-Ionen-Akkus gibt es zwei Größen: Mit 1,8 kWh erwartet der Hersteller 70 km, mit 3,1 kWh 105 km Reichweite. Beide Angaben sind vorläufige WMTC-Erwartungswerte aus internen Tests vor der Homologation. Die EU-Typgenehmigung wird laut TVS für 2027 erwartet.
TVS Orbiter: Akkuentnahme unter Vorbehalt
Mit 550 W soll das Laden von 0 auf 80 Prozent beim kleinen Akku 2 Stunden 39 Minuten dauern, beim großen 4 Stunden 33 Minuten. Die Unterlagen nennen sowohl ein Bordladegerät als auch ein externes Ladegerät. Klar vorgesehen ist der Anschluss an die Haushaltssteckdose. Beide Akkus werden als herausnehmbar beschrieben, allerdings muss diese Eigenschaft nach der Homologation noch bestätigt werden. Eine optionale Ladestation soll das Laden im oder außerhalb des Fahrzeugs ermöglichen.
Ein Stahlrohrrahmen, eine Telegabel und zwei hintere Federbeine bilden das Fahrwerk. Vorn rollt der Orbiter auf einem 14-Zoll-Leichtmetallrad mit 90/80-14-Reifen, hinten auf zwölf Zoll mit 90/90-12. Eine 220-mm-Scheibe vorn und eine 130-mm-Trommel hinten arbeiten mit kombiniertem Bremssystem, kurz CBS. Beide Versionen erhalten serienmäßig Tempomat, automatischen Berganhalteassistenten und Rückwärtseinparkhilfe. Bei 1.330 mm Radstand misst der Roller 1.855 × 728 × 1.284 mm und bietet 165 mm Bodenfreiheit. Fahrbereit inklusive Akku nennt TVS 102 beziehungsweise 114 kg.
Das Fünf-Zoll-Farb-LCD ist über Bluetooth mit TVS SmartXonnect verbunden, eigenes LTE ergänzt die Android- und iOS-App. Zum Funktionsumfang gehören Turn-by-Turn-Navigation, Informationen zu eingehenden und verpassten Anrufen sowie die Restreichweite. LTE-Dienste umfassen Geofencing, Unfall- und Sturzmeldung, Fahrzeugortung in Echtzeit, Navigation zum Roller, Fahrtenhistorie, Ladestand und Ladestatus in Echtzeit, Diebstahlalarm sowie Over-the-Air-Updates. Entwickelt, konstruiert und gefertigt wird der Orbiter in Indien. Laut TVS flossen Millionen Kilometer realer Fahrdaten in seine Entwicklung ein, hinzu kamen 600 Sicherheits- und Strukturbelastungstests.
TVS X: Aluminiumrahmen und 110 km/h Spitze
Beim TVS X stehen Design und vernetzte Technik im Vordergrund. Nach dem Konzept auf der EICMA 2025 präsentiert TVS nun die serienreife Europa-Spezifikation mit 14-Zoll-Rädern an beiden Achsen. Grundlage ist die Xleton-Plattform mit Aluminiumrahmen. Die schlanke Form kombiniert einen kompakten Projektionsscheinwerfer mit Kurvenlicht und sequenzieller Beleuchtung. Zum Europa-Start ist Satin Champagne vorgesehen, weitere Farben sollen folgen.
Der im Rahmen montierte permanenterregte Synchronmotor liefert 7,5 kW Nennleistung und 11,7 kW Spitzenleistung. Laut TVS soll der Sprint von 0 auf 40 km/h in 2,5 Sekunden gelingen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 110 km/h. Xtealth ist für das tägliche Pendeln vorgesehen, Xtride für dynamischeres Ansprechen und Xonic für die höchste Leistung. Die Rekuperation lässt sich in fünf Stufen einstellen. Der fest eingebaute 4,43-kWh-NMC-Lithium-Ionen-Akku soll unter internen Testbedingungen bis zu 140 km ermöglichen. Über das 950-W-Bordladegerät an der Haushaltssteckdose dauert das Laden von 0 auf 80 Prozent laut Hersteller 3 Stunden 30 Minuten.
TVS X: Panorama-Touchscreen und eigenes LTE
Das Cockpit bietet einen 10,2-Zoll-Panorama-TFT-Touchscreen mit Android Auto und vollständiger Kartennavigation an Bord. Kompatible Apps eines verbundenen Android-Smartphones lassen sich über das Display nutzen. WLAN und Bluetooth sind ebenso vorhanden wie eine eigene LTE-Verbindung, sodass mobile Daten nicht allein vom gekoppelten Telefon abhängen.
Vorn arbeitet eine Telegabel, hinten ein Monofederbein. Die Reifen messen 100/80-14 und 120/70-14, beide werden per Reifendruckkontrolle überwacht. Scheibenbremsen an beiden Rädern mit Zweikanal-ABS und ein Tempomat ergänzen die Ausstattung. Der TVS X misst 1.875 × 726 × 1.178 mm bei 1.325 mm Radstand. Sitzhöhe und Bodenfreiheit betragen 790 und 175 mm, das fahrbereite Gewicht 143 kg. Unter der Sitzbank bleibt ein 19-Liter-Staufach.
TVS nennt die Fahrzeugklasse L3e und den A1-Führerschein. Der X durchläuft derzeit die EU-Gesamtfahrzeug-Typgenehmigung, anschließend soll der Verkauf in Europa beginnen. Leistungs- und Ladewerte sind vorläufig, die genannte Reichweite ist kein bereits bestätigter WMTC-Wert. Die tatsächliche Reichweite hängt von Fahrweise, Zuladung, Temperatur und Bedingungen ab. Das gilt ebenso für die vorläufigen Reichweiten des Orbiter.
TVS auf der EICMA: Modelle in Halle 18 entdecken
Die Neuheiten stehen am TVS-Stand I64 in Halle 18 auf dem Messegelände Fiera Milano in Rho. Die EICMA 2026 öffnet vom 5. bis 8. November für das Publikum, nach den Presse- und Fachbesuchertagen am 3. und 4. November. Für Orbiter und TVS X kündigt TVS außerdem Fahrmöglichkeiten im eigenen Testfahrtbereich an.
FAQ zu den TVS Neuheiten für Europa
Welche neue TVS richtet sich an A1-Einsteiger? Die RTR 125 LC bietet einen 125-cm³-Motor mit 11 kW beziehungsweise 14,9 PS, Sechsganggetriebe und Anti-Hopping-Kupplung. Auch M1-S und TVS X führt der Hersteller für die A1-Klasse.
Welcher der drei Elektroroller bietet am meisten Stauraum? Der Orbiter bietet 34 Liter unter der Sitzbank. Beim M1-S sind es 26 Liter mit Platz für einen Integralhelm, beim TVS X 19 Liter.
Wie unterscheiden sich die Akkus? Der M1-S hat 4,2 kWh, der TVS X einen fest eingebauten 4,43-kWh-Akku. Beim Orbiter stehen 1,8 oder 3,1 kWh zur Wahl. Die angekündigte Herausnehmbarkeit beider Orbiter-Akkus muss nach der Homologation noch bestätigt werden.
Wie belastbar sind die Reichweitenangaben? Die 120 km des M1-S sowie 70 oder 105 km des Orbiter sind vorläufige Erwartungswerte aus internen Tests. Für den TVS X nennt TVS bis zu 140 km unter internen Testbedingungen. Die endgültigen homologierten Werte können abweichen.