Honda RN0 2027: E-Mountainbike mit 100 Nm und Carbonrahmen

Motorradideen für den Trail und automatische Gangwahl

Honda bringt seine Zweiradideen auf den Trail: Das RN0 entsteht mit ROTWILD und Shimano, setzt auf einen ungewöhnlichen Carbonrahmen und kombiniert elektrische Unterstützung mit automatischer Gangwahl. Dahinter steckt auch ein Stück Downhill-Geschichte.

by Der Horvath on 02.11.2026

Vom Downhill-Rennsport zum neuen Honda RN0

1946 beginnt Hondas Geschichte mit der Batabata, einem Hilfsmotor für Fahrräder. 80 Jahre später rückt die Marke erneut ein Fahrrad ins Rampenlicht: Das neue RN0 für das Modelljahr 2027 ist ein E-Mountainbike, entwickelt mit ROTWILD und Shimano. Honda richtet es auf den All-Mountain-Einsatz aus und nennt 23,5 kg Gewicht. Der Anspruch dahinter: effizientes Pedalieren mit Kontrolle auf anspruchsvollen Trails verbinden. Das Entwicklungsmotto lautet New Terrain, Same Dream. Neues Gelände, aber derselbe Wunsch, Mobilität und die Freude an neuen Herausforderungen zugänglich zu machen.

Die Verbindung zum Radsport reicht weiter zurück. Auf das elektrisch unterstützte Raccoon von 1995 folgen 1996 das Mountainbike Raccoon CX, 1998 das faltbare Raccoon Compo und 2001 das für den Transport im Honda Step WGN gedachte Step Compo. Anfang der 2000er startet Honda dann das Downhill-Projekt RN01. Es tritt bei nationalen und internationalen Rennen einschließlich des UCI-Weltcups an. 2005 holt das Team G Cross Honda den Gesamtsieg im UCI Downhill-Weltcup. Genau diesem Rennrad ist der Name RN0 gewidmet.

Nun nimmt Honda den nach eigener Darstellung weltweit größten E-Bike-Markt Europa ins Visier. Das RN0 folgt als weiteres Elektromodell auf die WN7 und greift gestalterisch die Familienzugehörigkeit zu EM1 e:, CUV e: und WN7 auf. Die Entwicklung leitet Yusuke Muto, der seit 1995 in der Mountainbike-Szene aktiv ist und Erfahrung aus Cross-Country, Downhill und BMX mitbringt. Seine Fahrerperspektive soll sich laut Honda in einem intuitiven, vertrauenerweckenden Bike wiederfinden.

Carbonrahmen und Gullwing-Schwinge im RN0

Ein Honda mit Pedalen darf offenbar ebenfalls nach Motorrad aussehen. Das RN0 besitzt einen Y-förmigen Carbon-Monocoque-Rahmen und die charakteristische Gullwing-Schwinge. Honda beschreibt eine direkte Struktur zur Lastübertragung zwischen Steuerrohr und Hinterachse. Sie soll Rückmeldung vom Untergrund, Festigkeit und Reaktionsfreudigkeit verbinden. Die Rahmenkonstruktion setzt laut Hersteller gezielt auf seitliche Nachgiebigkeit für Traktion und Kurvenverhalten sowie erhöhte vertikale Steifigkeit für Stabilität und Bremsperformance. Zusammen mit der Umlenkkinematik soll die Schwinge den Zielkonflikt zwischen effizientem Treten und dem Schlucken von Bodenunebenheiten entschärfen.

Der Carbon-Monocoque-Rahmen gibt dem RN0 seine markante Form.

Das RN0 kommt in S, M und L, jeweils mit eigener Geometrie. Der Lenkwinkel beträgt 65 Grad, der Sitzrohrwinkel 76,5 Grad, die Kettenstreben messen 442 mm. Beim Reach stehen 430, 455 und 480 mm in den Daten, beim Stack 631, 640 und 649 mm. Der Radstand wächst von 1.201 über 1.230 auf 1.259 mm. Die Tretlagerhöhe liegt bei 345 mm, die Absenkung bei 20 mm. Als maximale Zuladung nennt Honda 130 kg. Ein optionales Acros-MOD66-Kit erlaubt bei M und L eine Anpassung des Lenkwinkels um ±0,6 Grad und des Reach um ±5 mm.

FOX-Fahrwerk mit 160 und 145 mm Federweg

Vorne arbeitet eine luftgefederte FOX 36 Float Factory Kashima mit 160 mm Federweg, hinten ein FOX Float X Factory Kashima mit 145 mm am Hinterrad. Beide Federelemente sind laut Honda auf das RN0 und seine Umlenkung abgestimmt. Für die Gabel nennt der Fließtext getrennte High- und Low-Speed-Einstellungen für Druck- und Zugstufe. Die vorläufige Datentabelle führt High- und Low-Speed-Druckstufe sowie Low-Speed-Zugstufe auf. Den Dämpfer könnt ihr über Low-Speed-Druckstufe und Zugstufe anpassen. Ein Hebel wechselt zwischen offenem und straffem Modus für Anstiege oder flachere Abschnitte.

Das RN0 ist für All-Mountain-Trails ausgelegt. FOX-Federelemente bieten 160 mm Federweg vorne und 145 mm hinten.

Das Cockpit steuert ROTWILD mit Lenker und S140-Vorbau bei, dazu kommen Ergon-GDH-Team-Griffe und ein Acros-MOD56-Steuersatz. Auf der absenkbaren Crankbrothers Highline 3 sitzt ein Ergon-SM10-Sattel. Der Verstellbereich der Stütze beträgt je nach Rahmengröße 125, 150 oder 170 mm, ihr Durchmesser 30,9 mm. So lässt sich die Sattelhöhe dem Gelände anpassen.

Gemischte Radgrößen und kräftige XT-Bremsen

Beim Laufradsatz setzt Honda auf DT Swiss H1900 in Mullet-Konfiguration: 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten. Das größere Vorderrad und das kleinere Hinterrad sollen laut Hersteller Stabilität, Wendigkeit und Traktion zusammenbringen. Montiert sind Schwalbe Albert Evo Trail TLR Soft in 29 x 2,5 beziehungsweise 27,5 x 2,5 Zoll. Die Vorderradachse misst 15 x 110 mm, hinten nennt Honda 173,5 x 12 mm bei 148 mm Boost-Nabenbreite.

Verzögert wird mit Shimano-Deore-XT-Vierkolbenbremsen und RT-CL700-Scheiben mit jeweils 203 mm Durchmesser. Die Presseunterlage führt im Fließtext M8200, in der Datentabelle M8220 als Bremssattelbezeichnung. Gemeinsam ist beiden Angaben die XT-Zuordnung. Honda verspricht kräftige, konstante Verzögerung unter wechselnden Bedingungen.

Shimano-Antrieb mit 100 Nm und 720-Wh-Akku

Im Zentrum sitzt eine Shimano-Antriebseinheit mit Magnesiumgehäuse und integrierten Kühlrippen. Honda nennt 100 Nm Drehmoment und bis zu 750 W Spitzenleistung bei 2,3 kg Motorgewicht. Die Unterstützung reicht laut Unterlagen bis 160 Kurbelumdrehungen pro Minute, gegenüber 120 beim dort genannten Vorgänger. Gespeist wird das System von einem herausnehmbaren Shimano-Swing-In-Akku mit 720 Wh und 43,2 V. Die Fahrmodi heißen ECO, TRAIL+ und BOOST.

Für Anstiege stehen laut Honda bis zu 100 Nm elektrische Unterstützung bereit.

In TRAIL+ passt AUTO ASSIST die Unterstützung anhand von Fahrerinput und Geländeneigung laufend an. Die progressive Leistungsabgabe soll an steilen Anstiegen ein durchdrehendes Hinterrad und ungewolltes Abheben des Vorderrads vermeiden helfen. Assist Remain soll den Antrieb bei ungleichmäßigem Tritt glätten. Assist Carry Over hält die Unterstützung nach dem Ende des Pedalierens kurzzeitig aufrecht, damit beim Überwinden von Wurzeln, Felsen oder Kanten Schwung und Traktion erhalten bleiben.

Elektronische Schaltung übernimmt die Gangwahl

Die elektronische Shimano Deore XT Di2 stellt zwölf Gänge bereit. Das Schaltwerk RD-M8290 arbeitet mit einer CS-M6200-12-Kassette mit 10 bis 51 Zähnen. Dazu gehören ein 34-Zähne-Kettenblatt SM-CRE80, eine FC-M8200-E-Kurbel mit 160 mm Länge bei S beziehungsweise 165 mm bei M und L sowie eine e*thirteen-TRS-Kettenführung. Honda führt außerdem einen SW-M6250-IR-Schalthebel, eine CN-HG7100-12-Kette und 55 mm Kettenlinie auf. Am Rahmen kommen ROTWILD-MDI-IV-/SRAM-UDH-Aufnahmen und ein SRAM-UDH-Schaltwerkhalter zum Einsatz.

AUTO SHIFT wählt mithilfe eines Bewegungssensors und überarbeiteter Steuerung selbstständig die Gänge. Das System zielt auf eine Trittfrequenz zwischen 70 und 160 U/min und soll gemeinsam mit AUTO ASSIST den Fahrer auf wechselndem Terrain entlasten. FREE SHIFT ermöglicht Gangwechsel auch im Freilauf. Beim Anfahren am steilen Hang hilft Lift and Shift: Hinterrad anheben und Modusschalter gedrückt halten, dann wählt das System einen niedrigeren Gang zum Wiederanfahren.

Display im Oberrohr und Smartphone als Schlüssel

Das Shimano SC-EN700 sitzt als 2,2-Zoll-Farbdisplay im Oberrohr. Sein USB-C-Anschluss versorgt mobile Geräte mit Strom und dient als Diagnoseschnittstelle. Bedient wird das System über den kabellosen Multifunktionsschalter SW-UT600-LR. Die Shimano-CONNECT-App ergänzt einen Fahrradcomputer, zeichnet Fahrten auf und erlaubt es, Ansprechverhalten und Charakteristik des Antriebs anzupassen. Auch Einstellungen, Komponentenaktualisierungen und automatische Software-Updates gehören zum beschriebenen Funktionsumfang.

Das Honda RN0 2027 kommt in Pearl Moon Ash Gray.

Das Smartphone übernimmt außerdem die Rolle eines Smartkeys: Laut Honda verriegelt sich das elektronische System beim Ausschalten automatisch. Zum Entriegeln genügt es, das gekoppelte, mit der App ausgestattete Smartphone in der Nähe einzuschalten. Als Farbe ist für das RN0 2027 Pearl Moon Ash Gray vorgesehen. Sämtliche technischen Angaben bezeichnet Honda als vorläufig und behält sich Änderungen vor.

Fragen und Antworten zum Honda RN0 2027

Ist das Honda RN0 der Nachfolger des RN01? Der Name ist eine Hommage an das frühere Downhill-Rennrad. Das RN0 selbst ist ein elektrisch unterstütztes All-Mountain-Bike, das Honda gemeinsam mit ROTWILD und Shimano entwickelt.

Welche Eckdaten nennt Honda für den Antrieb? Die Shimano-Einheit liefert laut Hersteller 100 Nm und bis zu 750 W Spitzenleistung. Der herausnehmbare Akku besitzt 720 Wh Kapazität, das komplette Bike wiegt nach Honda-Angabe 23,5 kg.

Kann das RN0 automatisch schalten? Ja. AUTO SHIFT übernimmt die Gangwahl, AUTO ASSIST passt in TRAIL+ die Unterstützung an. FREE SHIFT erlaubt zusätzlich Gangwechsel ohne Pedalieren.

Welche Größen und Fahrwerksdaten gibt es? Honda bietet S, M und L an. Die FOX-Federelemente ermöglichen 160 mm Federweg vorne und 145 mm hinten. Die Laufräder messen vorne 29 und hinten 27,5 Zoll.