Drei Tage lang führt die Route von Barcelona über die spanischen Pyrenäen bis nach Toulouse. Dazwischen liegen hunderte Kilometer auf Asphalt und Schotter, Offroad-Trainings mit den Honda-Werksfahrern Tosha Schareina und Kirian Mirabet, anspruchsvolle Anstiege, spektakuläre Landschaften und Teilnehmer aus aller Welt. Für mich kommt noch eine weitere Herausforderung hinzu: Während viele meiner Mitfahrer erfahrene Offroad-Piloten sind, betrete ich auf losem Untergrund mit einer Reiseenduro noch immer Neuland. Die kommenden Tage liefern deshalb nicht nur die Antwort auf die Frage, was die neue Honda Transalp 750 mit E-Clutch kann. Sie zeigen auch, wie schnell man als Offroad-Rookie lernen kann, wie viel Technik tatsächlich hilft und warum selbst die besten Assistenzsysteme eines niemals ersetzen können: Erfahrung.

Honda Adventure Roads Pyrenees 2026
Vom Rookie zum Offroad-Könner in drei Tagen mit der E-Clutch?
Barcelona, die staubigen Pisten der spanischen Pyrenäen und schließlich Toulouse. Die Honda Adventure Roads verspricht nicht nur eine spektakuläre Route, sondern auch ein Experiment: Kann die Honda E-Clutch dabei helfen, aus einem Offroad-Rookie innerhalb weniger Tage einen deutlich besseren Fahrer zu machen?
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AJay
Veröffentlicht am 13.7.2026

Honda Adventure Roads: Die Vorbereitung auf das große Abenteuer
Bevor die ersten Schotterpisten der Pyrenäen unter die Räder kommen, beginnt die Reise überraschend entspannt. Nach der Landung in Barcelona bringt uns der Shuttle zum ersten Hotel. Die ersten Stunden verbringen wir am Pool, bevor am Abend das offizielle Briefing in einem wunderschönen Schlossgarten stattfindet. Hier wird die gesamte Mannschaft hinter den Honda Adventure Roads vorgestellt: die Organisatoren, das Medienteam, die Marshals und Guides, die uns die kommenden Tage durch Spanien und Frankreich begleiten, sowie die beiden Coaches Tosha Schareina und Kirian Mirabet. Hinter einer solchen Veranstaltung steckt dann doch deutlich mehr als eine Gruppe Fahrer und eine geplante Route. Neben der Vorstellung der Crew erhalten wir unsere erste Aufgabe: den Umgang mit dem Tripy-GPS-System zu erlernen. Denn anders als bei einer klassischen geführten Tour folgen wir nicht einfach einem Guide. Jeder Teilnehmer navigiert eigenständig entlang der Route, orientiert sich an den Wegpunkten und wird damit vom ersten Kilometer an aktiv in das Abenteuer eingebunden. Ein grober Überblick über die kommenden Tage macht die Vorfreude vor dem ausgiebigen Dinner in wunderschöner Schlossgarten- Kulisse noch größer. Vor uns liegen hunderte Kilometer durch die Pyrenäen, wechselnde Untergründe und die Herausforderung, die eigenen Offroad-Fähigkeiten auf ein neues Niveau zu bringen.
Tag 1: Das Coaching im Nasser Racing Camp
Am nächsten Morgen beginnt der Tag früh. Um 8 Uhr starten wir nach dem Frühstück in Richtung Nasser Racing Camp. Bereits die Anfahrt dient als erste Übung: Jeder Teilnehmer navigiert eigenständig mit dem Tripy-System und sammelt die ersten Erfahrungen mit der digitalen Wegführung. Ich bin schon nach 5 Minuten ungläubig, wie leicht sich die Navigation auf diese Art erweist. Im Vergleich zum Roadbook in Papierform, ist unser Gerät ein echter Segen. Ein kurzer Blick genügt und man ist über den nächsten Schritt, dessen Entfernung und potentielle Gefahren informiert. Das ganze aktualisiert sich dann automatisch und innerhalb weniger Sekunden. Im Camp angekommen, ist die Aufwärmphase vorbei. Bevor es auf die langen Offroad-Etappen geht, nehmen uns die Coaches Tosha Schareina, Kirian Mirabet und Arnauld unter ihre Fittiche. Auf der Honda Transalp 750 beginnt ein intensives Training, das die Grundlagen für die kommenden Tage legen soll. Zunächst geht es durch Hütchen-Parcours im Sitzen und im Stehen. Wir trainieren Blickführung, Gewichtsverlagerung und das Gefühl dafür, wie sich ein Adventure-Motorrad auf losem Untergrund verhält. Anschließend werden die Übungen anspruchsvoller: Bremsmanöver auf Schotter, das Finden des richtigen Bremspunktes, sauberes Kurvenfahren und kontrolliertes Herausbeschleunigen stehen auf dem Programm. Den Abschluss bildet ein Enduro-Parcours, den jeder Teilnehmer allein bewältigt. Jetzt gibt es keine direkte Anleitung über Funk oder neben dem Motorrad. Alles, was in den vorherigen Stunden gelernt wurde, muss zusammenkommen: die richtige Körperhaltung, die Wahl der Linie, eine saubere und kosntante Gasdosierung und vor allem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Genau an diesem Punkt zeigt sich auch zum ersten Mal in vollen Zügen, warum die Frage nach der E-Clutch so spannend ist. Im Gelände passieren unzählige Dinge gleichzeitig. Man sucht die Linie, beobachtet den Untergrund, arbeitet mit der Körperhaltung und reagiert auf jede Bewegung des Motorrads. Jede Aufgabe, die weniger mentale Kapazität beansprucht, schafft mehr Raum für das, was wirklich zählt: besser Motorradfahren zu lernen. Ein weiterer Faktor, dessen Wichtigkeit ich in meiner Laufbahn immer wieder erfahren habe - und der sich auch jetzt wieder bemerkbar macht, ist die Bereifung. Auf unserer Tour sind sowohl Dunlop als auch Enduristan offizieller Partner. Die Transalp ist mit dem Trailmax Raid ausgestattet, der mir sowohl auf Asphalt als auch Offroad ein sicheres und präzises Gefühl vermittelt. Er fühlt sich nicht nach einem Reifen an, der Alles so halb kann aber nichts wirklich gut - ganz im Gegenteil. Mit dem Trailmax Raid gebe ich auf der Straße zwischendurch richtig Gas und lege zügig um, fahre in doch sportlicher Schräglage und zu keinem Zeitpunkt gerät der Reifen an seine Grenzen. Keine Rutscher, kein Schmieren trotz hoher Temperaturen und langer Etappen, kein schwammiges Feedback. Ich möchte mir nicht anmaßen, ein erfahrener Offroad-Crack zu sein, aber aus der Sicht eines dynamischen jungen Fahrers ist die Performance auch abseits der Straßen souverän. Vor allem als Rookie ist ein sicheres Grundgefühl, sowie die passende Ausstattung wichtig. Und hier hat man Alles richtig gemacht. Auch die Enduristan-Hecktasche, die jeder Fahrer ganz zu Beginn in seinem Zimmer vorgefunden hat, erweist sich als unkomplizierter Reisepartner. Das verzurren und befestigen der Gurte und Schnallen gelingt innerhalb von zwei Minuten, der Stauraum bietet mehr als genügend Platz für jegliche Utensilien. Viele Fahrer nutzen diesen, um ihre Trinkflasche, Kopfbedeckung, Ersatz-Akkus für die Kamera und vor allem ihre zweite Schicht Kleidung zu verstauen. Denn Morgens ist es dann doch einige Grad kühler als im späteren Verlauf des Tages. Goodies wie diese Tasche machen eine so schon fantastische Reise noch angenehmer - ich hätte sonst nämlich stets meinen Rucksack tragen müssen.

Die ersten Kilometer im Gelände: Der Boden der Tatsachen kommt schnell näher
Nach dem Training im Nasser Racing Camp geht es endlich auf die erste richtige Etappe. Rund 70 Kilometer trennen uns vom Mittagstopp und wir verlassen das Gelände in unserem eigenen Tempo. Der erste Abschnitt führt direkt wieder ins Gelände. Und dort lerne ich meine erste wichtige Offroad-Lektion schneller als erwartet. In einer Kurve gehe ich etwas zu ambitioniert ans Werk, komme mit zu viel Geschwindigkeit hinein und finde mich Sekunden später der Länge nach im spanischen Staub wieder. Zum Glück bleibt es bei einer kurzen Bekanntschaft mit dem Boden: Staub abklopfen, kurz prüfen, ob noch alle Körperteile dort sind, wo sie hingehören, und wieder aufsteigen. Ein beruhigendes Gefühl gibt dabei die hervorragende Organisation der Tour. Die Marshals und Mitfahrer sind jederzeit bereit, anzuhalten und zu helfen, wenn Fragen oder Probleme auftreten. Zusätzlich begleitet uns permanent ein Medical Truck sowie ein Mechaniker mit komplett ausgestattetem Werkstatt-Anhänger. Sollte eine Transalp einmal eine unfreiwillige Bodenprobe nehmen, kann sie direkt vor Ort wieder instand gesetzt werden. Für mich bleibt es bis zur Mittagspause bei diesem einen Ausrutscher. Und genau das ist vielleicht der größte Unterschied zwischen Straße und Gelände: Fehler passieren hier deutlicher schneller. Entscheidend ist, was man daraus mitnimmt. Ich lerne bereits nach den ersten Kilometern, Kurven auf losem Untergrund mit mehr Ruhe, besserer Blickführung und einer präziseren Linienwahl anzugehen. Auch hier zeigt sich erneut der Vorteil der E-Clutch. Während sich mein Kopf mit den vielen neuen Eindrücken beschäftigt, fällt ein Teil der Koordination weg. Ich muss nicht ständig darüber nachdenken, ob ich im richtigen Moment die Kupplung ziehe oder den Motor abwürge, sondern kann mich auf die eigentliche Herausforderung konzentrieren: den Untergrund richtig lesen.

Zwischen Schotter, Tapas und ersten Erkenntnissen
Am Lunch-Stopp zeigt sich, dass selbst die beste Schutzausrüstung manchmal ihre kleinen Schwachstellen hat. Die Schürfwunden, die sich seitlich durch meine Protektorenweste gemogelt haben, werden gründlich vom Medical Team versorgt. Zum Glück bleibt es bei ein paar oberflächlichen Erinnerungsstücken an meine erste Glanzleistung. Bei 30 Grad im Schatten schmecken die Tapas und eine eiskalte Cola danach umso besser. Der erste Schmutz schmückt unsere Stiefel und die Gespräche drehen sich nur um ein Thema: die ersten echten Kilometer im Gelände. Eine weitere Lektion lerne ich ebenfalls schon nach wenigen Kilometern: Beim Thema Ausrüstung sollte man im Offroad-Bereich keine Kompromisse eingehen. Mein Arai Tour-X5 mit Visier ist auf der Straße und für Touren eine hervorragende Wahl, doch im feinen Staub der spanischen Pisten dringt immer wieder Schmutz hinter das Visier und in die Augen. Meine Kontaktlinsen protestieren entsprechend lautstark. Der Wechsel auf klassische Motocross-Goggles bringt sofort eine deutliche Verbesserung. Mein Tipp also an alle, die ähnliche Touren planen: Lieber direkt zur Offroad-Brille greifen und sich unnötigen Ärger sparen. Was bei den Gesprächen um mich herum besonders auffällt: Der Konsens in der Gruppe ist eindeutig. Obwohl viele Teilnehmer mit sehr unterschiedlichem Offroad-Erfahrungsstand anreisen, wirkt das Fahren auf losem Untergrund in diesem Umfeld erstaunlich schnell zugänglich. Die Kombination aus professionellem Coaching, einer durchdachten Organisation und der gutmütigen, leichtfüßigen Honda Transalp 750 sorgt dafür, dass selbst anspruchsvolle Passagen nicht einschüchternd wirken, sondern vor allem Lust auf mehr machen. Natürlich kostet der erste halbe Tag Kraft. Die ungewohnten Bewegungen auf dem Motorrad fordern Körper und Geist und der Staub schlüpft langsam in jede Ritze der Ausrüstung. Ich persönlich bekomme schon im Laufe des Trainings einen immer üppiger werdenden, sandfarbenen Bart, der nicht nur mich zum Schmunzeln bringt. Gemeinsam lachen wir in der Runde über die ersten glimpflichen Stürze und freuen uns auf die zweite Etappe des Tages. Diese führt uns schließlich zu unserem Hotel für die Nacht: einem saftig grünen Golfclub mitten in einem malerischen Tal. Nach Stunden auf staubigen Pisten fühlt sich eine Dusche beinahe luxuriös an. Der Schmutz verschwindet aus den Haaren, die Muskeln kommen zur Ruhe und auch die letzten kleinen Grüppchen innerhalb der Teilnehmer lösen sich immer mehr auf. Was die Honda Adventure Roads besonders macht, zeigt sich nicht nur auf dem Motorrad: Obwohl jeder die Route in seinem eigenen Tempo und auch komplett alleine fahren kann, bleibt niemand ein Außenseiter. In den Pausen, beim Abendessen und am Pool entstehen herzliche Gespräche zwischen Menschen, die sich am Morgen teilweise noch nicht beim Namen kannten. Aus einzelnen Fahrern wird langsam eine Gemeinschaft, verbunden durch gemeinsame Erlebnisse und die Erkenntnis, dass das Verlassen der eigenen Komfortzone in passender Gesellschaft richtig süchtig machen kann.
Tag 2: Hier kommt alles zusammen
Am nächsten Morgen versammeln wir uns erneut um 8 Uhr zum täglichen Briefing. Die Stimmung ist gelöst, die Aufregung des ersten Tages ist verschwunden. Dafür machen sich die ersten müden Muskeln bemerkbar. Uns wird erklärt, dass bereits nach wenigen Kilometern die nächste Offroad-Passage auf uns wartet und wir es zunächst ruhig angehen lassen sollen. Die Knochen sind schließlich etwas schwerer als am Vortag und die Morgenluft noch kühl.Lange hält dieses Gefühl allerdings nicht an. Schon bald klettert die Temperatur wieder nach oben und wir schwitzen in unseren Jerseys, während sich Straße und Schotter durch die beeindruckende spanische Landschaft schlängeln. Die Honda Transalp 750 fühlt sich inzwischen fast selbstverständlich an. Gerade die Modellpflege für 2026 passt hervorragend zum Charakter: Das neue Frontdesign wirkt moderner, das überarbeitete Display liefert auch im Stehen auf den Rasten alle wichtigen Informationen auf einen Blick und die E-Clutch zeigt immer deutlicher, weshalb sie gerade auf solchen Reisen ihre Stärken ausspielt. Während sich die Strecke zunehmend auf und ab bewegt und die Anstiege anspruchsvoller werden, merke ich, dass ich immer weniger über das Motorrad selbst nachdenke. Die E-Clutch nimmt mir keine Aufgabe ab, die Spaß macht. Sie nimmt mir lediglich Arbeit ab, die Aufmerksamkeit kostet. Ich schalte weiterhin selbst, entscheide weiterhin über Gangwahl und Tempo, muss mich aber deutlich seltener mit Kupplungsarbeit beschäftigen. Genau dadurch bleibt mehr Kapazität für Blickführung, Körperhaltung und die Suche nach der richtigen Linie. Schon bald wartet die nächste Challenge auf uns. Vor uns liegt ein recht steiler und vor allem loser Anstieg. Die Aufgabe ist simpel: die Serpentinen hinauffahren und das Ziel erreichen. Bevor ich starte, gibt mir Kirian Mirabet noch einen letzten Tipp mit auf den Weg: "Take it easy, Amelie. This will be a little more tough." Innerlich bereite ich mich auf durchdrehende Hinterräder, ungeplante Gasstöße und die eine oder andere unfreiwillige Bodenprobe vor. Doch während ich losfahre, passiert etwas Unerwartetes. Ich denke nicht mehr über jede Bewegung nach. Mein Körper arbeitet mit dem Motorrad. Die Transalp bewegt sich unter mir, das Heck driftet immer wieder leicht über den losen Untergrund und ich reagiere intuitiv darauf, anstatt zu verkrampfen. Zum ersten Mal entsteht so etwas wie ein Flow-Zustand. Der Berg fühlt sich nicht mehr wie ein Hindernis an, sondern wie ein Tanzpartner. Wenig später erreiche ich als Erste das Ziel. Natürlich ist das hier kein Wettbewerb. Trotzdem fühlt sich dieser Moment großartig an. Vor weniger als zwei Tagen rolle ich noch unsicher durch Hütchen-Parcours, jetzt bewege ich mich auf losem Untergrund mit einem Selbstvertrauen, das mich selbst überrascht. Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Konzepts. Die Honda Adventure Roads machen aus einem Rookie nicht über Nacht einen Profi. Aber sie schaffen ein Umfeld, in dem Fortschritt unglaublich schnell spürbar wird. Nach einem kurzen Interview über die letzte Passage und meine Eindrücke zur E-Clutch geht es weiter.

Zunächst läuft alles genauso prächtig wie zuvor. Fünf Minuten. Zehn Minuten. Fünfzehn Minuten. Dann erscheint auf meinem Tripy-GPS die Nachricht: "Climb ahead. Stay to the right." Vor mir baut sich ein weiterer Anstieg auf. Steil. Lockeres Geröll. Genau die Art von Passage, die Respekt verlangt. Ich atme tief durch, bleibe rechts wie angewiesen und schaffe den ersten Abschnitt problemlos. Im Kopf beginne ich bereits zu jubeln und klopfe mir innerlich auf die Schulter. Eine Entscheidung, die sich Sekunden später rächt.
Eine der wichtigsten Lektionen des Motorradfahrens lautet, dass jede Millisekunde fehlender Konzentration Folgen haben kann. Mein Vorderrad gerät auf einen Haufen loser Felsbrocken, ich verliere schlagartig die Kontrolle und stürze. Ich habe nicht genügend Zeit um abzuspringen und die Transalp drückt meinen Fuß in einem ungünstigen und nicht gerade gesund aussehenden Winkel in den Boden. Noch bevor das Motorrad vollständig liegt, weiß ich, dass etwas nicht stimmt. Ich rolle mich auf den Rücken und bleibe zunächst liegen. Was danach passiert, sagt mehr über die Honda Adventure Roads aus als jede Präsentation oder Presseunterlage. Innerhalb kürzester Zeit halten andere Teilnehmer neben mir und bieten Wasser, Hilfe oder einfach etwas Schatten an. Daniela (eine Mitfahrerin) sowie zwei Marshals kümmern sich sofort um mich und spannen sogar ein Handtuch über mir auf, damit ich nicht in der prallen Mittagssonne liegen muss. Wenig später trifft das Medical Team ein, untersucht meinen Fuß und verabreicht mir einen schmerzlindernden Inhalator - den ich auch gerne für Zuhause hätte. Kurz darauf wird vorsichtig der Stiefel ausgezogen. Ein Bruch kann nicht ausgeschlossen werden, also geht es für mich im Medical Truck Richtung Krankenhaus. Trotz der Umstände bleibt mir selbst diese Fahrt positiv in Erinnerung. Vielleicht liegt es daran, dass alte Toyota Land Cruiser zu meinen Lieblingsautos gehören, vielleicht an den Schmerzmitteln und den Gesprächen, die sie erzeugen. Wahrscheinlich an der Kombination. Im Krankenhaus begleitet mich Honda Crew-Memnber und Arzt Clément durch sämtliche Untersuchungen und sorgt dafür, dass die Befunde korrekt eingeordnet werden. Das erweist sich als Gold wert, denn zunächst werden wir mit der Diagnose eines verstauchten Knöchels entlassen. Wenig später folgt die Korrektur: Ein Mittelfußknochen ist gebrochen und ich brauche einen Gips. Als ich später mit eingepacktem Fuß auf der Rückbank des Trucks sitze und die Abendsonne auf dem Weg zum Tagesziel genieße, bin ich vor allem erleichtert. Keine Operation. Keine schlimmeren Verletzungen. Als wir schließlich den weitläufigen Campingplatz mit seinen Bungalows und Natursteingebäuden erreichen, wartet allerdings noch eine Überraschung auf mich. Teilnehmer, Organisatoren, Marshals, Videografen und sogar die Verantwortlichen des Camps stehen vor dem Restaurant und begrüßen mich mit Applaus und Standing Ovations. Wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise nicht besonders schnell emotional werde. In diesem Moment steigen mir trotzdem die Tränen in die Augen. So einen Teamgeist habe ich auf einer Motorradtour noch nie erlebt. Den gesamten Abend werde ich von Teilnehmern und Crewmitgliedern umarmt, gefragt wie es mir geht und immer wieder zum Lachen gebracht. Aus einem Tag, der mein Abenteuer eigentlich hätte beenden können, wird einer der eindrucksvollsten Momente der gesamten Reise - oder gar meines Lebens. Mit gutem Essen, vielen Witzen über das Geschehene und einer Gruppe Menschen, die sich nach nur zwei Tagen wie alte Freunde anfühlt, endet ein Tag, den ich hoffentlich niemals vergessen werde.

Tag 3: Das Ende der Reise, nicht der Geschichte
Der letzte Tag der Honda Adventure Roads beginnt etwas anders als die vorherigen. Während die anderen Teilnehmer ihre Bikes starten und sich auf die letzte Etappe Richtung Toulouse vorbereiten, nehme ich auf dem Beifahrersitz eines der Begleitfahrzeuge Platz. Nach den Ereignissen des Vortages bleibt mir diesmal nur die Zuschauerrolle. Zumindest theoretisch. Denn auch aus dem Van heraus lässt sich die Magie dieser Reise noch immer erleben. Die Strecke führt erneut durch eine Landschaft, die auch in den vergangenen Tagen immer wieder zwischen rau, wild und nahezu kitschig schön gewechselt hat. Hinter jeder Kurve warten neue Ausblicke auf Täler, Berge und kleine Dörfer, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Reiseführer gefallen. Dazu kommt die Gesellschaft von Philippe, meinem Fahrer, der aus einer potenziell frustrierenden Rückfahrt überraschend schnell einen angenehmen Teil des Abenteuers macht. Die glühenden Kohlen, auf denen ich sitze, als ich die Motorräder am Morgen davonfahren sehe, verwandeln sich nach und nach in warme Massagesteine. Natürlich wäre ich lieber selbst gefahren. Gleichzeitig wird mir bewusst, wie viel Glück ich trotz des gebrochenen Mittelfußes gehabt habe. Unser Ziel ist ein wunderschöner See unweit von Toulouse, an dem das gemeinsame Abschlussessen stattfindet. Da wir etwas früher ankommen als die Motorradfahrer, nutze ich die Gelegenheit, die letzten Ankünfte zu filmen und die Gruppe in Empfang zu nehmen. Es dauert nicht lange, bis die erste Transalp auftaucht und die vertrauten Gesichter nach und nach unter den Helmen hervorkommen. Man sieht den Teilnehmern an, dass die vergangenen Tage Spuren hinterlassen haben - jedoch nicht, wie man jetzt vielleicht denken würde. Staub, Sonnenbrand und gleichzeitig dieses Grinsen und funkeln in den Augen, das man nur bekommt, wenn man etwas erlebt hat, das einen auf die beste Art aus dem immer gleichen Alltagstrott gerüttelt hat. Bevor es zum Essen geht, bietet sich allen noch die Möglichkeit für eine Dusche. Danach versammeln wir uns auf einer Terrasse direkt am Wasser. Die Motorräder stehen inzwischen still, das Abenteuer ist praktisch vorbei und genau deshalb werden die Gespräche vielleicht sogar noch schöner als an den Abenden zuvor. Wir lassen die vergangenen Tage Revue passieren, erzählen uns gegenseitig von unseren Lieblingsmomenten, lachen über kleine Missgeschicke und tauschen Kontaktdaten aus. Aus einer Gruppe von Teilnehmern sind innerhalb weniger Tage echte Freundschaften entstanden. Zum Abschluss wartet noch eine letzte Überraschung: ein riesiger Honda-Kuchen, der fast zu schön aussieht, um ihn anzuschneiden. Fast. Während wir gemeinsam essen, wird mir klar, dass die Honda Adventure Roads tatsächlich mehr sind als eine übliche Motorradtour mit knackigem Namen. Die Route ist spektakulär. Die Landschaft beeindruckend. Die Organisation funktioniert hervorragend. Doch was wirklich bleibt, sind die Menschen und die Erfahrungen, die man miteinander teilt. Wenig später werden wir zum Flughafen gebracht. Helme werden verstaut, letzte Umarmungen verteilt und ein Abschied nach dem anderen ausgesprochen. Ich war noch nie ein großer Fan von Verabschiedungen. Aber diesmal fällt es mir besonders schwer. Vielleicht, weil ich mich von Menschen verabschiede, die ich wirklich ins Herz geschlossen habe. Vielleicht, weil ich mich von einigen der schönsten Straßen und Schotterpisten verabschiede, die ich je gesehen habe. Vielleicht aber auch, weil ich etwas entdeckt habe, das mir bislang gefehlt hat. Die Honda Transalp 750 und die Honda Adventure Roads beantworten für mich am Ende nicht nur die Frage, ob die E-Clutch im Gelände funktioniert. Sie beantworten auch eine ganz andere Frage: Warum begeistern sich Menschen so sehr für das Adventure-Biken? Weil es nicht nur darum geht, ein Ziel zu erreichen. Es geht um die Momente dazwischen. Um die kleinen Erfolge, die Fehler. Die Menschen, die einem helfen, wenn etwas schiefgeht. Um Orte, die man sonst nie gesehen hätte. Und um dieses Gefühl, wenn sich Motorrad, Landschaft und Fahrer plötzlich zu einer einzigen Bewegung verbinden. Ich komme mit einem gebrochenen Mittelfuß nach Hause. Und gleichzeitig mit deutlich mehr, als ich mitgebracht habe.

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Quelle: 1000PS
