Die KTM 990 Duke R tritt nicht leise auf. Sie kommt mit dem klaren Anspruch, die ohnehin schon potente Standardversion der 990 Duke spürbar zu übertreffen und das nicht nur auf dem Papier, sondern vor allem im realen Fahrbetrieb. Der Test, angesiedelt unter idealen Bedingungen auf spanischen Straßen nahe Barcelona, liefert dabei ein detailliertes Bild eines Motorrads, das konsequent auf Performance, aber auch auf Alltagstauglichkeit ausgelegt ist.

KTM 990 Duke R im Test: Scharfer Naked-Bike-Allrounder
Wie gut ist die KTM 990 Duke R wirklich?
Mehr Leistung, mehr Technik, mehr Anspruch: Die KTM 990 Duke R will im Naked-Bike-Segment ganz nach vorne. Doch wie gut fährt sie sich wirklich auf der Straße? Der Test zeigt, wo sie glänzt und wo sie Schwächen hat.
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Martin_Bauer
Veröffentlicht am 27.4.2026
KTM 990 Duke R Motor: Mehr Druck aus dem Parallel-Twin
Schon zu Beginn wird deutlich, worum es KTM bei der R-Version geht: mehr Leistung bei nahezu identischen Grundparametern. Der bekannte Parallel Twin mit 947 ccm Hubraum bleibt erhalten, leistet in dieser Ausbaustufe jedoch 130 PS und stellt 103 Nm Drehmoment bereit. Im Vergleich zur Standard Duke bedeutet das ein Plus von sieben PS, ohne groben technischen Änderungen. Dieses Leistungsniveau ist nicht zufällig gewählt, sondern entspricht exakt dem Supersportler RCR990. Damit positioniert sich die Duke R klar näher an der sportlichen Spitze des Naked-Bike-Segments.
Interessant ist dabei, wie sich diese Leistung entfaltet. Der Motor zeigt sich bereits bei niedrigen Drehzahlen überraschend kultiviert. Selbst bei rund 2.000 Umdrehungen lässt sich das Gas sauber öffnen, ohne dass unangenehme Lastwechselreaktionen oder Kettenschlagen auftreten. Gerade bei Zweizylindern ist das keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig bleibt das Triebwerk auch bei höheren Drehzahlen angenehm ruhig. Vibrationen, die auf längeren Etappen zu Ermüdung führen könnten, sind kaum präsent. Dennoch bleibt der Charakter eines Zweizylinders erhalten: Während oben heraus nochmals spürbar Leistung anliegt, endet der Vortrieb naturgemäß früher als bei einem hochdrehenden Vierzylinder, gerade im Bereich um 10.000 U/min. Dafür punktet der Motor mit einem breiten nutzbaren Drehzahlband und einer insgesamt sehr zugänglichen Leistungsentfaltung.
Fahrwerk/Ergonomie: Sportlicher abgestimmt, spürbar präziser
Trotz dieser Leistungssteigerung bleibt das Gewicht mit rund 190 Kilogramm fahrfertig auf dem Niveau der Standardversion. Der Fokus der Weiterentwicklung liegt stattdessen klar auf dem Fahrwerk. Vorne arbeitet eine 48-mm-WP-Apex-Gabel, hinten ein ebenfalls überarbeitetes Apex-Federbein mit geänderter Anlenkung. Diese Anpassung sorgt dafür, dass das Motorrad insgesamt um 15 Millimeter höher steht. Der Effekt ist zweifach: Zum einen steigt die Bodenfreiheit, was größere Schräglagenwinkel ermöglicht, zum anderen verbessert sich die Performance bei sportlicher Fahrweise, insbesondere auf der Rennstrecke. Da sich die „Höherlegung“ aus dem Fahrwerk heraus ergibt, erzeugt die höheren Sitzposition, nun 840mm, keinen anderen Kniewinkel. Da sowohl Sitz als auch Fußrasten entsprechend angehoben wurden, bleibt die Ergonomie in diesem Punkt konstant.

Auf der Straße zeigt sich, dass diese Änderungen nicht nur theoretischer Natur sind. Die Duke R vermittelt eine ausgewogene Mischung aus Stabilität und Agilität. Während frühere Generationen der Duke bei langsamen Geschwindigkeiten oder im Grenzbereich teilweise unruhig wirkten, präsentiert sich die neue Version deutlich souveräner. Ein Nachlauf von 100mm trägt zur erhöhten Stabilität bei, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten und starker Beschleunigung. Die Front bleibt ruhig, das Motorrad wirkt nie nervös. Lediglich bei sehr langsamen Kurven, etwa im Bereich von 30 bis 40 km/h zeigt sich ein leichtes Einlenkverhalten, das ein minimales Gegenhalten erfordert. Ab etwa 40 bis 50 km/h verschwindet dieser Effekt jedoch vollständig, und das Motorrad folgt präzise der gewählten Linie.
Räder/Bremse: Stabiler Grip und starke Bremsperformance
Auch die Bereifung bleibt vertraut: 120er vorne und 180er hinten, kombiniert mit Michelin Power Cup Reifen. Diese unterstützen das stabile und gleichzeitig agile Fahrverhalten zusätzlich. Die Bremsanlage stammt von Brembo und besteht aus 320mm Doppelscheiben vorne sowie einer radialen Pumpe. In der Praxis überzeugt sie mit sehr guter Dosierbarkeit. Die Bremskraft lässt sich fein kontrollieren, ohne dass das System zu aggressiv eingreift. Gleichzeitig steht bei kräftigem Zug am Hebel eine enorme Verzögerung zur Verfügung. Unterstützt wird das Ganze durch ein Kurven-ABS, das sich in mehreren Stufen anpassen lässt. Das geht bis zur Deaktivierung am Hinterrad, dass somit ein Abheben des Hinterrades zulässt und damit sportliches Anbremsen ermöglicht.

990 Duke R Elektronik: Hightech-Cockpit mit vielen Racing-Features
Ein zentrales Thema der Duke R ist die Elektronik. KTM integriert hier ein 8,8 Zoll großes TFT-Display im auffälligen Breitformat. Die geringe Höhe sorgt dafür, dass die Front des Motorrads nicht unnötig hoch baut, während die Breite ausreichend Platz für umfangreiche Informationen bietet. Besonders hervorzuheben ist die Touch-Funktion, die auch mit Handschuhen zuverlässig funktioniert. Dadurch entfällt das mühsame Navigieren durch Menüs per Schalter, und Einstellungen können direkt angewählt werden.
Die Anzeige lässt sich flexibel aufteilen, sodass beispielsweise Navigation und Fahrzeugdaten parallel dargestellt werden können. Diese Aufteilung kann per Fingerbewegung angepasst werden, was im Fahrbetrieb einen echten Mehrwert darstellt. Das integrierte GPS-Modul ermöglicht zudem Navigation ohne Smartphone Verbindung. Nach einmaligem Laden der Kartendaten über WLAN arbeitet das System eigenständig. Allerdings zeigt sich hier auch eine kleine Schwäche: Die Reaktionsgeschwindigkeit des Displays mit Handschuhen bedient, ist nicht besonders hoch. Eingaben benötigen teilweise kurze Pausen, um korrekt verarbeitet zu werden.

Bei den Assistenzsystemen bietet die Duke R nahezu alles, was aktuell möglich ist. Traktionskontrolle, Wheelie-Control, Launch-Control, Quickshifter und verschiedene Fahrmodi sind vorhanden, allerdings oft nur über optionale Pakete freigeschaltet. Das Track-Paket richtet sich klar an sportliche Fahrer und beinhaltet unter anderem einen speziellen Fahrmodus mit direkter Gasannahme, eine einstellbare Anti-Wheelie-Kontrolle in fünf Stufen, Launch-Control sowie eine Traktionskontrolle mit zehn Einstellmöglichkeiten. Letztere lässt sich sogar während der Fahrt über separate Schalter feinjustieren. Ergänzt wird das Ganze durch einen Laptimer, der allerdings manuell bedient werden muss, eine automatische GPS-basierte Lösung fehlt trotz vorhandener Hardware.
Das Tech-Paket erweitert den Funktionsumfang um Features wie Tempomat und zusätzliche Individualisierungsoptionen. Interessant ist dabei, dass das Track-Paket im Tech-Paket bereits enthalten ist. KTM geht hier bewusst den Weg, viele Funktionen optional anzubieten, sodass Käufer selbst entscheiden können, welche Features sie dauerhaft nutzen möchten. Nach den ersten 1.500 Kilometern, in denen alle Systeme freigeschaltet sind, müssen die gewünschten Pakete kostenpflichtig aktiviert werden.
Im praktischen Fahrbetrieb überzeugen die Assistenzsysteme durch ihre große Bandbreite. Die Traktionskontrolle reicht von sehr konservativen Einstellungen, die maximale Sicherheit bieten, bis hin zu nahezu freier Leistungsentfaltung für sportliches Fahren. Gerade in Schräglage zeigt sich, wie fein das System arbeitet. Auch das ABS überzeugt durch seine Abstimmung: Während das Vorderrad stets geschützt bleibt, kann das Hinterrad je nach Einstellung freier genutzt werden, was kontrollierte Drifts beim Anbremsen ermöglicht.
Ergonomisch präsentiert sich die Duke R als gelungenes Gesamtpaket. Für einen Fahrer mit etwa 1,80 Meter Körpergröße bietet sie eine sportliche, aber dennoch komfortable Sitzposition. Der Kniewinkel ist zwar sportlich, bleibt aber auch auf längeren Strecken angenehm. Der Lenker ist gut erreichbar, die Haltung leicht nach vorne geneigt, ohne extrem zu wirken. Dadurch entsteht eine Balance zwischen Kontrolle und Komfort, die sowohl auf kurvigen Landstraßen als auch auf längeren Etappen überzeugt.
Zickiger Schaltautomat: Quickshifter mit kleinen Schwächen im Alltag
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt der Quickshifter. Zwar funktioniert er zuverlässig und präzise, doch insbesondere im Teillastbereich wirkt er etwas ruppig. Schaltvorgänge sind deutlich spürbar und gehen teilweise mit einem hörbaren Ruck einher. Funktional gibt es jedoch keine Einschränkungen.
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Martin_Bauer
Die KTM 990 Duke R ist ein Motorrad, das vor allem durch seine Vielseitigkeit punktet. Sie kombiniert einen kraftvollen und gut kontrollierbaren Motor mit einem ausgewogenen Fahrwerk und moderner Elektronik. Auf engen Passstraßen bietet sie mehr als genug Leistung, ohne überfordernd zu wirken. Gleichzeitig erlaubt sie dank ihrer Einstellmöglichkeiten eine Anpassung an unterschiedlichste Fahrstile und Bedingungen. Mit einem Preis von 16.399 € in Österreich beziehungsweise 14.985 € in Deutschland positioniert sich die Duke R im oberen Segment. Angesichts der gebotenen Leistung und Ausstattung erscheint dieser Preis jedoch nachvollziehbar. Sie ist kein Motorrad für Minimalisten, sondern für Fahrer, die ein hohes Maß an Technik, Performance und Individualisierungsmöglichkeiten suchen und bereit sind, dafür entsprechend zu investieren.
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Quelle: 1000PS
















