Wer ein Mittelklasse-Naked Bike für unter 8.000 Euro sucht, landet schnell bei zwei sehr unterschiedlichen Konzepten: auf der einen Seite die neue Kawasaki Z650 S, auf der anderen die deutlich extrovertiertere CFMOTO 675 NK. Preislich liegen beide dicht beieinander, auch bei Gewicht und Hubraum trennen sie nur Nuancen. Doch schon nach den ersten Kilometern wird klar: Diese beiden Motorräder sprechen zwar eine ähnliche Zielgruppe an, setzen aber auf völlig unterschiedliche Tugenden.

CFMOTO 675 NK vs Kawasaki Z650 S im Vergleich
Zwei Naked Bikes unter 8000 Euro im direkten Vergleich
Zwei Mittelklasse-Naked-Bikes, zwei völlig unterschiedliche Charaktere: Die Kawasaki Z650 S setzt auf Kontrolle und Zugänglichkeit, die CFMOTO 675 NK auf Sound, Leistung und Emotion. Unser Vergleich zeigt, welches Bike im Alltag und auf der Landstraße mehr überzeugt.
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Der Horvath
Veröffentlicht am 10.4.2026
Design: filigrane Sugomi-Linie gegen futuristischen Kraftprotz
Beim Design zeigen beide Hersteller klar, wohin die Reise gehen soll. Die Kawasaki Z650 S trägt das neue Sugomi-Gesicht, das sich optisch stark an größeren Schwestermodelle wie die Z900 anlehnt. Auch das überarbeitete Heck mit dem von der Z500 inspirierten Rücklicht bringt die aktuelle Kawasaki-Linie klar zum Ausdruck. Die Z650 S wirkt dadurch modern, sauber gezeichnet und typisch Kawasaki – allerdings auch so, dass die kleineren und größeren Modelle der Familie optisch näher zusammenrücken.
Die CFMOTO 675 NK schlägt eine ganz andere Richtung ein. Sie wirkt futuristisch, aggressiv und ausgesprochen sportlich. Vor allem die Front und die massige Linienführung verleihen ihr einen sehr präsenten Auftritt. Dazu kommen optische Details wie die auffälligen vorderen Bremsscheiben mit Cooling-Elementen, die den Rennsport-Look zusätzlich unterstreichen. Während die Kawasaki eher filigran und kompakt wirkt, gibt sich die CFMOTO breit, muskulös und fast schon provokant.
Unterm Strich ist das natürlich Geschmackssache. Objektiv lässt sich aber sagen: Die Kawasaki integriert sich harmonisch in die bekannte Marken-DNA, die CFMOTO will auffallen und setzt bewusst auf einen markanten, fast rotzigen Auftritt.
Motor: Vernunft gegen Emotion
Kawasaki Z650 S: bewährt, linear, unkompliziert

Im Motorenkapitel zeigt sich der vielleicht größte Unterschied zwischen beiden Motorrädern. Die Kawasaki setzt auf ihren bekannten 649-Kubik-Reihenzweizylinder mit 68 PS bei 8.000 U/min und 64 Nm bei 6.700 U/min. Dieses Aggregat ist seit Jahren bewährt und macht genau das, was man von ihm erwartet: Es funktioniert. Und zwar jederzeit.
Der Twin liefert genügend Druck aus niedrigen Drehzahlen, verzeiht auch einmal eine nicht perfekte Gangwahl und macht das Motorrad insgesamt sehr zugänglich. Gerade für Einsteiger oder Wiedereinsteiger ist das ein echtes Plus. Die Leistungsentfaltung ist linear, berechenbar und frei von Überraschungen. Genau darin liegt aber auch die Schwäche: Der Motor erledigt seinen Job zuverlässig, weckt aber nur begrenzt Emotionen. Wer gerne hoch ausdreht und auf einen spürbaren Leistungsnachschlag im oberen Bereich hofft, wird hier eher nüchtern bedient.
CFMOTO 675 NK: Dreizylinder mit Charakter und Sound

Ganz anders die CFMOTO. Ihr 674-Kubik-Reihendreizylinder bringt 90 PS bei 11.000 U/min und 68 Nm bei 8.250 U/min. Das sind deutlich mehr Spitzenleistung und nur leicht mehr Drehmoment als bei der Kawasaki – und genau das spiegelt auch den Charakter wider. Die 675 NK lebt stärker von Drehzahl, hängt deutlich emotionaler am Gas und wirkt insgesamt wesentlich temperamentvoller.
Der Dreizylinder sorgt für den typischen Spagat aus etwas Druck untenrum und spürbarer Drehfreude oben heraus. Dazu kommt ein sehr präsenter Sound, der das Fahrerlebnis massiv prägt. In Kombination mit dem serienmäßigen Quickshifter entsteht ein Antrieb, der spürbar mehr Drama, mehr Akustik und mehr Eventcharakter bietet als die Kawasaki.
Der Haken bei der CFMOTO? Vor allem im unteren Drehzahlbereich zeigt er beim Gasaufziehen ein teils ruppiges Ansprechverhalten. Besonders in engen Kehren oder bei niedriger Geschwindigkeit kann das zu einem unangenehmen Ruck durch das Fahrzeug führen. Genau hier ist die Kawasaki klar geschmeidiger und einfacher zu fahren.
Handling: leichtfüßige Kawasaki gegen satte Stabilität der CFMOTO
Auch beim Fahrverhalten unterscheiden sich die beiden Nakeds deutlich. Rein auf dem Papier sind sie mit 190 kg fahrfertig bei der Kawasaki und 189 kg bei der CFMOTO praktisch gleich schwer. Auf der Straße fühlen sie sich aber komplett unterschiedlich an.
CFMOTO 675 NK: erwachsen, stabil, groß

- Wie viel kostet eine CFMOTO 675NK?
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Die CFMOTO vermittelt schon im Stand das Gefühl eines größeren Motorrads. Der breite Tank, die ausladenden Verkleidungsteile und der hoch montierte, breite Lenker sorgen für einen wuchtigen Eindruck. Dazu kommt der 180er Hinterreifen, der optisch wie fahrdynamisch zur satten Straßenlage beiträgt.
Auf der Landstraße wirkt die 675 NK entsprechend stabil. Sie hält lange Linien sauber, liegt satt auf der Straße und vermittelt viel Ruhe, wenn das Tempo steigt oder die Kurvenradien größer werden. Unterstützt wird das durch die hochwertigere Fahrwerksausstattung mit 41-mm-KYB-USD-Gabel und einstellbarem KYB-Monoshock. Die CFMOTO will dafür in engen Kurven etwas entschlossener dirigiert werden. Sie ist kein unhandliches Motorrad, verlangt aber mehr Nachdruck als die Kawasaki.
Kawasaki Z650 S: wendig, verspielt, zugänglich

Die Kawasaki schlägt hier die gegenteilige Richtung ein. Mit 160er Hinterreifen, schmalerer Erscheinung und einfacherem Fahrwerk wirkt sie deutlich leichter und spielerischer. Die 41-mm-Teleskopgabel ist nicht einstellbar, das Federbein nur in der Vorspannung anpassbar – insgesamt also klassischer und einfacher ausgelegt.
Genau das spielt ihr aber in engen Kurven in die Karten. Die Z650 S lässt sich leicht abwinkeln, fällt spielerisch in den Radius und fühlt sich auf schmalen Landstraßen oder im urbanen Umfeld besonders wohl. Dort punktet sie mit Zugänglichkeit und Leichtfüßigkeit. Wird das Tempo höher, die Radien länger oder der Asphalt unruhiger, zeigt sie im Vergleich zur CFMOTO aber etwas mehr Bewegung und Nervosität.
Bremsen: solide auf beiden Seiten
Bei der Bremsanlage gibt es Unterschiede auf dem Papier, in der Praxis liegen beide Motorräder aber näher zusammen, als man vielleicht vermuten würde. Die CFMOTO fährt vorne mit 300-mm-Doppelscheiben und radialen Vierkolben-Sätteln von J.Juan, hinten arbeitet ebenfalls eine J.Juan-Anlage. Die Kawasaki setzt vorne ebenfalls auf 300-mm-Doppelscheiben, allerdings mit einfacheren Doppelkolben-Sätteln.

Mit Brake Cooling setzt die CFMoto ein Zeichen Richtung Sportlichkeit.
Im Fahrbetrieb liefern beide Motorräder eine gute, alltagstaugliche Bremsperformance. Das Setup ist spürbar nicht überaggressiv ausgelegt, was auch zur Zielgruppe passt. Gerade Einsteiger profitieren davon, dass die Bremse nicht unnötig giftig anspricht. Besonders spektakulär ist keine der beiden Anlagen – nötig ist das in dieser Klasse aber auch nicht.
Ausstattung und Verarbeitung: erstaunlich nah beieinander
Bei Ausstattung und Verarbeitungsqualität liegen beide Motorräder überraschend eng zusammen. Beide bieten ein TFT-Display mit Connectivity, LED-Beleuchtung, ABS und Traktionskontrolle. Auch einstellbare Brems- und Kupplungshebel sind an Bord – und das ist in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich.
Die CFMOTO bietet außerdem einen Lenkungsdämpfer, was gut zu ihrem stabilen Gesamteindruck passt. Bei der Bedienung wirkt sie etwas moderner, während die Kawasaki in manchen Bereichen noch klassischer auftritt. In der Verarbeitung geben sich beide keine echte Blöße: sauber montiert, solide gemacht und insgesamt dem Einsatzzweck entsprechend robust.
Für wen eignet sich welches Bike?
In Deutschland ist die Kawasaki mit 7.970 Euro teurer als die CFMOTO mit 6.999 Euro. In Österreich dreht sich das Bild leicht: 7.899 Euro für die Kawasaki stehen 7.999 Euro für die CFMOTO gegenüber.
Kawasaki Z650 S: Die Kawasaki ist die richtige Wahl für alle, die ein Motorrad suchen, das sofort vertraut wirkt. Sie ist leicht zugänglich, gutmütig, agil und angenehm unkompliziert. Gerade Einsteiger und Wiedereinsteiger bekommen hier ein Naked Bike, das nichts künstlich dramatisiert und genau dadurch überzeugt. Wer Wert auf ein bewährtes Gesamtpaket legt, macht mit der Z650 S wenig falsch.
CFMOTO 675 NK: Die CFMOTO richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die in dieser Klasse möglichst viel Charakter fürs Geld wollen. Der Dreizylinder bringt deutlich mehr Emotion, der Sound ist präsent, die Fahrwerksausstattung hochwertiger und der gesamte Auftritt wesentlich extrovertierter. Wer ein freches, sportliches Naked Bike mit echtem Eigencharakter sucht und mit dem ruppigeren Ansprechverhalten leben kann, findet hier das spannendere Motorrad.
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CFMOTO 675NK 2026 - Erfahrungen und Expertengutachten
Der Horvath
Die CFMOTO 675NK ist ein gelungenes Naked Bike für Solo-Fahrer, die etwas Eigenständiges suchen. Sie bietet viel Ausstattung, gutes Fahrverhalten und eine coole Optik - mit kleinen Schwächen bei Motorabstimmung und Komfort. Doch man verzeiht ihr viel wenn man zuerst das Preisschild liest und dann das Schnurren des Dreizylinders hört.
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Kawasaki Z650 S 2026 - Erfahrungen und Expertengutachten
Der Horvath
Die Kawasaki Z650 S 2026 ist genau die Weiterentwicklung, die sich viele gewünscht haben. Ohne das bewährte Grundkonzept zu verändern, hat Kawasaki an den richtigen Stellschrauben gedreht. Vor allem die neue Ergonomie macht einen spürbaren Unterschied und hebt das Motorrad auf ein neues Niveau – sowohl für größere Fahrer als auch im Alltag. Unterm Strich ist die Z650 S kein spektakuläres, aber ein extrem stimmiges Motorrad – und genau das macht sie so erfolgreich. Mehr braucht es in dieser Klasse oft wirklich nicht.
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CFMOTO 675 NK vs Kawasaki Z650 S im Vergleich Bilder
Quelle: 1000PS























