Morbidelli T802 2027: Drei Reiseenduros mit 94,5 PS
Von 19 Zoll bis Rally, die Unterschiede stecken im Fahrwerk
Ein neuer Zweizylinder, drei Ausrichtungen und erstaunlich viel gemeinsame Ausstattung: Morbidelli stellt seine nächste Adventure-Familie vor. Zwischen Straßentourer und Rally-Version liegen bis zu 64 Millimeter Bodenfreiheit.
Die große Reise sieht für jeden anders aus. Für die einen gehören Sozius und Gepäck dazu, für die anderen beginnt der spannende Teil erst hinter dem letzten Asphaltstreifen. Morbidelli stellt auf der EICMA 2026 deshalb gleich drei Ausführungen seiner neuen T802-Plattform vor: T802X, T802XR und T802XR RALLY. Sie kommen als Modelljahr 2027 und teilen sich Motor, Rahmen und Elektronik. Die Unterschiede liegen dort, wo sie für den jeweiligen Einsatzzweck zählen: bei Rädern, Federwegen, Bodenfreiheit, Bremsen und Sitzbank.
Morbidelli T802: Neuer Twin mit 75 Grad
Herzstück ist ein flüssigkeitsgekühlter Reihenzweizylinder mit 799 cm³, zwei obenliegenden Nockenwellen und acht Ventilen. Die Besonderheit steckt in der Kurbelwelle: Ihre Hubzapfen stehen um 75 Grad versetzt. Damit soll der Twin laut Morbidelli einen tiefen, an einen V2 erinnernden Klang mit gleichmäßiger Leistungsentfaltung verbinden. Zwei Ausgleichswellen sollen Vibrationen reduzieren. Der Hersteller nennt 94,5 PS beziehungsweise 69,5 kW bei 9.000 U/min und 80 Nm bei 7.500 U/min, identisch für alle drei Versionen.
Bohrung und Hub betragen 88,0 × 65,7 mm, die Verdichtung liegt bei 13:1. Für den Motor nennt Morbidelli 52 kg ohne Öl und eine Druck-/Spritzschmierung. Bosch liefert Einspritzung und die Motorsteuerung MSE 9.0, das Gas wird elektronisch per Ride-by-Wire betätigt. Ein Sechsganggetriebe, eine Anti-Hopping-Kupplung und ein serienmäßiger Quickshifter für beide Schaltrichtungen geben die Kraft über eine Kette weiter. Eine A2-Version mit 35 kW ist geplant, die Euro-5+-Typgenehmigung läuft noch.
Morbidelli T802: KYB-Fahrwerk als Basis
Alle drei Modelle bauen auf einem Diamantrahmen mit einer Zweiarmschwinge aus Aluminium auf. Vorne arbeitet eine 48-mm-USD-Gabel von KYB mit einstellbarer Vorspannung und Dämpfung. Das über eine Pro-Link-Umlenkung angelenkte Federbein bietet eine werkzeuglose Vorspannungsverstellung sowie einstellbare Zug- und Druckstufe mit 20 beziehungsweise 23 Klicks. Wer mit Gepäck oder Beifahrer unterwegs ist, kann die Vorspannung somit auch am Straßenrand anpassen. Ein Lenkungsdämpfer gehört zur Serienausstattung.
Die Speichenräder sind durchgehend schlauchlos ausgeführt. An der Front sitzen schwimmend gelagerte Doppelscheiben mit Vierkolbensätteln, hinten eine 240-mm-Scheibe mit Einkolbensattel. Der Tank fasst bei allen Varianten 20,5 Liter, die maximale Zuladung gibt Morbidelli mit 190 kg an. Sturzbügel und Motorschutz werden bei jeder T802 mitgeliefert. Bei den Gewichten lohnt sich der genaue Blick: Die folgenden Herstellerwerte gelten ausdrücklich ohne Kraftstoff.
Morbidelli T802X: Die Version für die Straße
Die T802X richtet sich an Tourenfahrer, die vor allem auf Asphalt und auch zu zweit reisen. Sie rollt auf 19 Zoll vorne und 17 Zoll hinten, bereift mit Metzeler Tourance in 110/80 R19 und 150/70 R17. Die vorderen Bremsscheiben messen 298 mm. Jeweils 210 mm Federweg treffen auf 206 mm Bodenfreiheit und eine zweiteilige Sitzbank mit 830 mm Sitzhöhe. Damit ist die X die niedrigste der drei Schwestern. Der vordere Kotflügel sitzt tief, der Hauptständer ist serienmäßig dabei.
Morbidelli nennt 189 kg ohne Kraftstoff und 1.520 mm Radstand. Die T802X ist 2.230 mm lang, 1.400 mm hoch und wie die gesamte Familie 960 mm breit. Zur Wahl stehen Isaurus Blue und Obsidian Cherry. Hinter letzterem Namen steckt ein Schwarzton, der im Licht einen violetten Schimmer zeigen soll.
Morbidelli T802XR: Größere Räder für Schotter
Die T802XR legt den Schwerpunkt stärker auf den Wechsel zwischen Straße und unbefestigten Wegen. Dafür bekommt sie ein 21-Zoll-Vorderrad und ein 18-Zoll-Hinterrad mit Pirelli Scorpion Rally STR in 90/90-21 und 150/70 R18. Die vorderen Bremsscheiben wachsen auf 320 mm, der vordere Kotflügel sitzt hoch. Der Federweg bleibt bei 210 mm an beiden Enden. Trotzdem steigt die Bodenfreiheit gegenüber der X um 39 auf 245 mm. Die für zwei Personen ausgelegte Sitzbank liegt auf 850 mm, ein Hauptständer ist optional erhältlich.
Mit 186 kg ohne Kraftstoff ist die XR nach Herstellerangabe die leichteste der drei Ausführungen. Ihr Radstand beträgt 1.524 mm, die Länge 2.250 mm und die Höhe 1.410 mm. Angeboten wird sie in Raven Black sowie Arctic White + Track Blue Pearl.
Morbidelli T802XR RALLY: Mehr Platz nach unten
Bei der T802XR RALLY bleibt es bei den Rädern, Reifen und Bremsen der XR, dafür legt das Fahrwerk nach: 233 mm Federweg vorne und 230 mm hinten schaffen 270 mm Bodenfreiheit. Das sind 64 mm mehr als bei der T802X. Die flache, durchgehende Rally-Sitzbank sitzt auf 875 mm und soll zusammen mit der griffigen Tankpartie mehr Bewegungsfreiheit beim Fahren im Stehen ermöglichen. Dazu kommt der hohe vordere Kotflügel. Ein Hauptständer ist für die RALLY nicht vorgesehen.
Das Gewicht ohne Kraftstoff beträgt laut Morbidelli 187 kg. Der Radstand wächst auf 1.530 mm, die Länge auf 2.260 mm und die Höhe auf 1.440 mm. Farblich übernimmt die RALLY die Auswahl der XR: Raven Black oder Arctic White + Track Blue Pearl. Ihr zusätzlicher Geländeanspruch kommt also aus dem Fahrwerk, während Motorleistung und Elektronikausstattung gleich bleiben.
Morbidelli T802: Kurven-ABS und drei Fahrmodi
Die Bosch-IMU MM7.10 liefert der Elektronik Informationen über Schräglage und Fahrzeugbewegung. Zusammen mit den Raddrehzahlsensoren bildet sie die Grundlage für Kurven-ABS, schräglagenabhängige Traktionskontrolle und Anti-Wheelie. Drei Fahrmodi passen Gasannahme und Regeleingriffe an: Road arbeitet laut Hersteller mit progressiver Gasannahme, früh eingreifender Traktionskontrolle, aktiver Anti-Wheelie-Regelung und aktivem Kurven-ABS. Sport bietet eine direktere Gasannahme, lässt mehr Schlupf und eine höhere Wheelie-Schwelle zu und greift mit dem ABS später ein.
Im Off-road-Modus soll sich das Gas bei niedrigen Drehzahlen besonders sanft dosieren lassen, während die Traktionskontrolle nur minimal eingreift. Sie lässt sich in jedem Modus vollständig abschalten, das Hinterrad-ABS zusätzlich im Off-road-Modus. Ein Tempomat ist bei sämtlichen Ausführungen serienmäßig. Für die Rally-Version muss also niemand erst ein Elektronikpaket dazubestellen.
Morbidelli T802: Kamera und Radar serienmäßig
Auch bei den Assistenzsystemen zieht Morbidelli keine Grenze zwischen den Varianten. Eine Frontkamera und ein Heckradar gehören überall dazu. Für Fahrzeuge im toten Winkel beschreibt der Hersteller eine Warnung im Spiegel und eine Positionsanzeige im Cockpit. Die Frontkamera arbeitet zusätzlich als Dashcam: Sie zeichnet automatisch in 1080p und einminütigen Clips auf Speicherkarte auf, die Wiedergabe erfolgt über die App. Dazu kommen Reifendruckkontrolle, automatisch schaltendes Fahrlicht und selbsttätig rückstellende Blinker. Die beiden Nebelleuchten übernehmen die Kurvenlichtfunktion, die Beleuchtung ist vollständig in LED-Technik ausgeführt.
Morbidelli T802: Komfort am hohen TFT-Cockpit
Das hochkant montierte 7-Zoll-Farb-TFT erinnert an ein Rally-Roadbook. Geschwindigkeit und Gang werden groß dargestellt, darunter lässt sich zwischen Navigation, Musik und Reifendruckanzeige wählen. Bei Anrufen erscheint der Name oben im Display. Ein heller und ein dunkler Anzeigemodus können manuell oder über den Lichtsensor gewechselt werden. Warnungen werden auch als Text ausgegeben, wahlweise auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch oder Französisch. Das Bedienkonzept ergänzt Morbidelli um beleuchtete Schalter.
Heizgriffe und Sitzheizung sind serienmäßig und jeweils dreistufig regelbar. Der Windschild lässt sich ohne Werkzeug von Hand um etwa 40 mm verstellen. Handprotektoren, ein USB-Ladeanschluss und eine 12-Volt-Batterie mit 8 Ah gehören ebenfalls zur gemeinsamen Ausstattung. Auf dem Papier packt Morbidelli damit bereits in die Grundausstattung einiges hinein, das gerade auf langen Reisetagen willkommen sein dürfte.
Morbidelli T802: Vernetzung mit eigenen Regeln
Das M-Link-4-Modul besitzt eine eigene 4G-SIM, GPS und eine Backup-Batterie. Das Smartphone verbindet sich per Bluetooth und WLAN mit dem Cockpit. Nach dem Scannen eines QR-Codes auf dem TFT lassen sich Google-Abbiegehinweise anzeigen, auch wenn das Telefon gesperrt in der Tasche bleibt. Vollständige Bildschirmspiegelung ist ebenfalls möglich. Die kostenlose Morbidelli-App bietet Fahrzeugortung, Statusinformationen zu Batterie, Kraftstoff und Verbindung sowie Diagnosen von Motor, ABS und Instrumenten.
Wird die Diebstahlüberwachung in der App aktiviert, soll eine Bewegung des Motorrads eine Benachrichtigung über 4G auslösen. Die Backup-Batterie ermöglicht laut Hersteller die weitere Ortung bei abgeklemmter Hauptbatterie. Auch eine ferngesteuerte Motorabschaltung ist vorgesehen, sie wird erst unter 20 km/h wirksam. Die SOS-Taste sendet über die eigene Verbindung einen Link zum Live-Standort an bis zu zwei gewählte Kontakte. Das Smartphone muss dafür nicht mitgeführt werden.
Fahrten werden mit Route, Distanz, Zeit und Geschwindigkeit gespeichert und lassen sich animiert wiedergeben. Live-Tracking kann für 24 Stunden geteilt werden. Ohne Netz soll das Modul ungefähr eine Woche an Fahrten zwischenspeichern und später hochladen. Updates für die Vernetzungseinheit kommen drahtlos. Für die verbundenen Dienste sind Mobilfunkabdeckung und ein aktiver Morbidelli Connect Plan für Connectivity, Navigation oder beides nötig, monatlich oder jährlich buchbar. Das erste Jahr ist enthalten. Der Dienst startet zunächst in Europa, Funktionen und Verfügbarkeit können je nach Markt abweichen.
Morbidelli T802: Lichtsignatur und Metallflächen
Optisch setzt die Familie auf den Kontrast zwischen weich geformten Lackflächen und kantigen Technikbauteilen an Scheinwerfer, Lufteinlässen und Heckrahmen. Gebürstetes Aluminium findet sich an Frontspoiler und Tank, am Heck sitzt ein Aluminium-Gepäckträger mit strukturierter Oberfläche. Metallische Oberflächen an Gabelbrücke, Lenker, Bremssätteln und Gabel ergänzen das Konzept. Für den Träger von Scheinwerfer und Instrumenten sowie die Windschildverstellung verwendet Morbidelli eine Magnesium-Aluminium-Legierung.
Die Triad-Lichtsignatur kombiniert einen senkrechten Balken, zwei diagonale Arme und drei Punkte. Daraus entwickelt Morbidelli sogar ein Alphabet für die T802-Kampagne. Die drei Teaser-Kapitel Identity, The Beauty of Technique und Beyond the Language münden in der Enthüllung auf der EICMA. Das konkrete Triad-Zeichensystem gehört zur T802, die reduzierte geometrische Gestaltung soll auch künftige Modelle prägen.
Morbidelli T802: Modelljahr 2027 und Wartung
Vorgestellt wird die Familie am 3. November 2026 auf der EICMA in Mailand, Halle 6, Stand D20. Die Entwicklung befindet sich laut Morbidelli in der Schlussphase. Im ersten Quartal 2027 will die Marke den Beginn von Produktion und Verkauf bekanntgeben. Welche der drei Versionen tatsächlich angeboten werden und welche Termine gelten, entscheidet sich je Markt. Die technischen Angaben beziehen sich auf Vorserienmotorräder und können sich bis zum Serienstart ändern. Auch Reisezubehör befindet sich in Entwicklung.
Die erste Wartung ist bei 1.000 km vorgesehen, danach nennt Morbidelli Intervalle von 6.000 km. Das Ventilspiel soll alle 20.000 km kontrolliert werden. Hinter der Marke steht heute die in Bologna ansässige MBP Moto S.r.l. mit eigenem Design- und Entwicklungszentrum. Morbidelli gehört seit April 2024 zur Keeway Group. Der Name stammt aus Pesaro und ist mit den WM-Titeln von Paolo Pileri 1975 und Pier Paolo Bianchi 1976 und 1977 in der 125er-Klasse sowie Mario Lega 1977 in der 250er-Klasse verbunden. Die neue T802 führt ihn nun in die Adventure-Mittelklasse.
FAQ zur neuen Morbidelli T802-Familie
Was unterscheidet T802X, T802XR und T802XR RALLY? Die X setzt mit 19/17-Zoll-Rädern und 830 mm Sitzhöhe auf Straßentouren. Die XR kombiniert 21/18 Zoll mit 245 mm Bodenfreiheit. Die RALLY ergänzt längere Federwege, 270 mm Bodenfreiheit und eine flache Sitzbank auf 875 mm.
Wie viel Leistung haben die drei Modelle? Alle verwenden denselben 799-cm³-Reihenzweizylinder mit 94,5 PS bei 9.000 U/min und 80 Nm bei 7.500 U/min. Eine 35-kW-Ausführung für A2 ist geplant.
Welche Ausstattung ist serienmäßig? Unter anderem Quickshifter, Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Tempomat, Frontkamera, Heckradar, 7-Zoll-TFT, Heizgriffe, Sitzheizung, Reifendruckkontrolle, Sturzbügel und Motorschutz. Der Hauptständer ist bei der X Serie, bei der XR optional und bei der RALLY nicht erhältlich.
Sind die vernetzten Funktionen dauerhaft kostenlos? Die App selbst ist kostenlos, das erste Jahr des Connect Plans ist enthalten. Für die verbundenen Dienste sind anschließend ein aktiver Tarif und Mobilfunkabdeckung erforderlich. Der Start erfolgt zunächst in Europa.
Wann kommt die Morbidelli T802? Die Familie ist als Modelljahr 2027 angekündigt. Morbidelli will im ersten Quartal 2027 den Beginn von Produktion und Verkauf bekanntgeben, die jeweilige Modellauswahl und die lokalen Termine folgen je Markt.