Hero XPulse 450 und EICMA-Neuheiten 2026 im Überblick

421 Kubik fürs Abenteuer, Elektro-Nachwuchs für Europa

Eine neue Reiseenduro, eine kleine Harley und ein Elektroroller für Europa: Hero bringt zur EICMA ein breites Programm mit. Dazu kommen mitwachsende Geländemotorräder, Designstudien und faltbare Elektromobilität. Was steckt hinter den einzelnen Neuheiten?

by Der Horvath on 04.11.2026

Seit 25 Jahren sieht sich Hero MotoCorp an der Spitze des weltweiten Motorrad- und Rollermarkts. Zur EICMA 2026 in Mailand nimmt der Hersteller dieses Jubiläum zum Anlass, sein Programm deutlich aufzufächern. Die Entwicklung kommt aus den Forschungszentren in Indien und Deutschland, die Bandbreite reicht von Verbrennern über elektrische Alltagsfahrzeuge bis zu fahrfähigen Zukunftsstudien. Für uns besonders interessant: die neue XPulse 450 und der Start der Elektromarke VIDA in Europa.

Hero XPulse 450: 421 Kubik fürs Abenteuer

Hero positioniert die XPulse 450 als neues Adventure-Flaggschiff für Indien und die internationalen Märkte. Die laut Hersteller von Grund auf neu entwickelte Maschine ist zugleich das leistungsstärkste Modell im eigenen Portfolio. In die Entwicklung fließen direkte Rückmeldungen des Hero MotoSports Team Rally ein. Der flüssigkeitsgekühlte DOHC-Vierventilmotor hat 421 cm³, leistet 34,3 kW bei 9.100 U/min, umgerechnet rund 46,6 PS, und liefert 38 Nm bei 7.500 U/min. Dazu kommen ein Sechsganggetriebe und eine Assist- und Anti-Hopping-Kupplung. Die 450 im Namen steht also nicht für den exakten Hubraum.

Die XPulse 450 steht an der Spitze von Heros Adventure-Programm.

Beim Fahrwerk nennt Hero eine voll einstellbare Auslegung für Straße und Gelände. Vorne arbeitet eine 43-mm-USD-Gabel von KYB in Cartridge-Bauweise mit 225 mm Federweg. Druck- und Zugstufe lassen sich in jeweils 22 Stufen anpassen. Zur Ausstattung gehören außerdem Android Auto und Apple CarPlay, deren Integration Hero als Premiere in dieser Klasse bezeichnet. Innerhalb der Familie steht sie neben XPulse 200, XPulse 210 Dakar Edition und XPulse 210 MX.

Harley-Davidson X350T: 350 Kubik und Fahrmodi

Die X350T ist laut Hero in erster Linie für den indischen Markt entwickelt, abgestimmt auf die dortigen Straßenverhältnisse und die Erwartungen indischer Motorradfahrer. Die kleine Harley verbindet die von der X440T bekannte, vom Flat Track inspirierte Gestaltung mit einem neuen luft- und ölgekühlten 350-cm³-Motor. Karierte Grafiken greifen das Thema optisch auf. Zum Technikpaket gehören eine elektronisch geregelte Drosselklappeneinheit, Fahrmodi, abschaltbares ABS und eine Traktionskontrolle. Eine USD-Gabel und ein Gitterrohrrahmen bilden die Fahrwerksbasis.

Die X350T ist vorrangig für den indischen Markt entwickelt.

Hero stellt dabei Drehmoment, Komfort und Agilität in der Stadt sowie Stabilität auf der Landstraße beziehungsweise bei höherem Tempo in den Vordergrund. Das sind die Entwicklungsansprüche des Herstellers. Als Abgasstandard nennt die Mitteilung BS6 OBD2P2. Im Umfeld der Baureihe führt Hero außerdem X440T und die einzylindrige X440S an.

Hero Scrambler und Classic bleiben Konzepte

Neben den beiden Verbrenner-Neuheiten stehen das Hero Scrambler Concept und das Hero Classic Concept auf der Messe. Die Studien sollen zeigen, wohin sich das höher positionierte Motorradangebot entwickeln könnte. Hero verbindet dabei nach eigener Darstellung Erfahrungen aus dem Dakar-Umfeld mit zeitgemäßer Gestaltung für den urbanen Einsatz. Beim Classic-Thema rücken indische Kunsttradition, Handwerk und klassische Formen in den Mittelpunkt. Beide Maschinen werden ausdrücklich als Konzepte vorgestellt.

Das Classic Concept verbindet klassische Formen mit indischer Gestaltungstradition.

VIDA VX2: Europastart mit herausnehmbaren Akkus

Mit VIDA beginnt Hero seine europäischen Aktivitäten samt ersten Kundenauslieferungen. Den Elektroroller VX2 positioniert der Hersteller ausdrücklich als Alltagsfahrzeug für europäische Städte, mit praktischem Pendeln und dem Laden zu Hause als Schwerpunkten. Laut Hersteller erreicht er 90 km/h und kommt im Eco-Modus auf 140 Kilometer WMTC-Reichweite. Die zwei herausnehmbaren Akkus sind nach IP67 geschützt und lassen sich zum Laden mit nach Hause nehmen. Gerade ohne eigene Steckdose am Stellplatz ist dieses Konzept ein wesentlicher Teil des Alltagsangebots.

VIDA positioniert den VX2 als elektrisches Alltagsfahrzeug für europäische Städte.

Probefahrten und Verkaufsstart des VX2 sind ab Dezember 2026 in Rumänien, Ungarn, Tschechien, Slowenien, der Slowakei und Kroatien vorgesehen. Unterstützt wird der Europaauftritt vom strategischen Partner Elektrorider.

VIDA DIRT.E K3: Drei Größen für den Nachwuchs

Kinder wachsen, Motorräder üblicherweise nicht. Beim DIRT.E K3 setzt VIDA deshalb auf eine mit Werkzeug in drei Stufen verstellbare Plattform. Small, Medium und Large sollen das elektrische Geländemotorrad an den jungen Fahrer anpassen. Für die größte Konfiguration gibt es ein optionales Fahrwerkskit. Entwickelt wurde das Konzept vom Hero Tech Centre Germany und den internationalen Entwicklungsteams. Auszeichnungen erhielt es mit dem Red Dot 2025 und bei der CES 2026.

Small, Medium und Large sind die drei einstellbaren Größen des DIRT.E K3.

Hinzu kommt die 6Days Limited Edition mit 100 einzeln nummerierten Exemplaren. Ihre Gestaltung in portugiesischen Farben erinnert an die hundertste Austragung der 6Days. VIDA positioniert den DIRT.E K3 als Einstieg für junge Geländefahrer und als Teil seines europäischen Angebots für Familien. Im Handel ist er in Rumänien, Ungarn, Tschechien, Slowenien, der Slowakei und Kroatien vorgesehen. Der Direktvertrieb mit Lieferung nach Hause umfasst zusätzlich Italien, Spanien, Deutschland und Frankreich, insgesamt also zehn europäische Länder.

VIDA UBX, Project VXZ und DIRT.E MX7

Auch oberhalb des Nachwuchsangebots zeigt VIDA weitere Ansätze. Der als Prototyp vorgestellte UBX ist ein Neo-Naked für die Stadt. Project VXZ ist dagegen ein elektrisches Motorradkonzept, das gemeinsam mit dem US-Hersteller Zero Motorcycles entsteht. Für erwachsene Geländefahrer präsentiert VIDA den DIRT.E MX7 als leistungsorientierten Elektro-Offroader. Die drei Fahrzeuge ergänzen das Programm um unterschiedliche Einsatzzwecke.

Project VXZ entsteht als elektrisches Motorradkonzept mit Zero Motorcycles.

Parallel steigt VIDA als Titelsponsor beim TUfast Moto Electric Team der Technischen Universität München ein. Das Team entwickelt elektrische Renntechnik für die MotoStudent International Competition. Hero verknüpft damit die Arbeit studentischer Ingenieure mit der praktischen Umsetzung elektrischer Rennmotorräder.

Novus Labs: NEX 1 zum Falten, NEX 2 mit drei Rädern

Mit Novus Labs richtet Hero außerdem eine vom Chairman geführte Entwicklungsinitiative für künftige Mobilität ein. Sie soll bislang ungedeckte Bedürfnisse untersuchen, Lösungen erproben und funktionierende Prototypen bauen. Reife Ergebnisse können anschließend zu Hero MotoCorp, VIDA oder in neue Unternehmen übergehen. Die NEX-Reihe war bereits auf der EICMA 2025 als Novus Series zu sehen und erhielt den Red Dot Design Concept Award 2026. Nun stehen NEX 1 und NEX 2 als funktionsfähige Prototypen auf der Messe. Novus Labs lädt auch externe Entwickler, Institutionen und Technologiepartner zur Zusammenarbeit ein.

Der NEX 1 ist ein kompaktes, tragbares Elektrofahrzeug für kurze Verbindungsstrecken. Es lässt sich vom mitgetragenen Gegenstand zum fahrbaren Fahrzeug auffalten und kehrt gegenüber dem Vorjahreskonzept überarbeitet zurück. Hero nennt 15 km/h Höchstgeschwindigkeit und 20 Kilometer Reichweite. Der dreirädrige NEX 2 geht in die nächste Entwicklungsphase. Hier lauten die Ziele mehr als 150 Kilometer WMTC-Reichweite, über 100 km/h und großzügiger Stauraum. Mehr Sicherheit und Stabilität bei einer an Zweiräder angelehnten Agilität sind der Anspruch des Konzepts.

Der dreirädrige NEX 2 wird als funktionsfähiger Prototyp präsentiert.

Hero und VIDA zeigen Assistenz und Energietechnik

Ein eigener Technologiebereich widmet sich vier Entwicklungsfeldern. Bei der Bedienung geht es um KI-gestützte Schnittstellen, etwa Gesichtserkennung für einen schlüssellosen Start und einen Sprachassistenten in einem 7-Zoll-TFT mit Android Auto. Im elektrischen Umfeld soll das Energy Dock den Fahrzeugakku als vielseitige Stromquelle nutzbar machen. Dazu zeigt VIDA eine kabellose Ladelösung für die VX2-Plattform.

Bei den Antrieben untersucht Hero sowohl Verbrenner als auch elektrische Systeme. Im Mittelpunkt stehen die Nutzung mehrerer Kraftstoffe, intelligente Steuerungen und weiterentwickeltes Thermomanagement. Im Sicherheitsbereich geht es um radar- und sensorbasierte Fahrassistenz, KI-gestützte Überwachung und adaptives Licht. Der Smart Helmet von VIDA soll die Erkennung des Kinnriemens durch fahrzeugseitige KI ermöglichen, ohne dafür eine Cloud-Verbindung zu benötigen. Der Messebereich beschreibt damit die langfristige Forschungsrichtung des Konzerns.

Hero MotoCorp: Entwicklung in Indien und Deutschland

Hinter dem Programm steht ein Konzern mit Sitz in Neu-Delhi, der nach eigenen Angaben in 54 Ländern vertreten ist und mehr als 130 Millionen Kunden zählt. Hero betreibt acht Produktionsstätten, sechs in Indien sowie je eine in Kolumbien und Bangladesch. Forschung und Entwicklung sitzen im indischen Centre for Innovation and Technology und im Tech Centre Germany. Neben den Partnerschaften mit Harley-Davidson und Zero Motorcycles hält Hero strategische Beteiligungen an den Elektrofahrzeugherstellern Ather Energy und Euler Motors. Verbrenner, elektrische Zweiräder und neue Mobilitätskonzepte laufen damit unter einem gemeinsamen Dach zusammen.

FAQ zu Hero XPulse 450 und VIDA in Europa

Wie viel Leistung hat die Hero XPulse 450?

Hero nennt 34,3 kW bei 9.100 U/min, umgerechnet rund 46,6 PS. Der 421-cm³-Motor liefert 38 Nm bei 7.500 U/min und ist mit einem Sechsganggetriebe kombiniert.

Welche Reichweite bietet der VIDA VX2?

Die Herstellerangabe beträgt 140 Kilometer nach WMTC im Eco-Modus. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 90 km/h, die beiden Akkus sind herausnehmbar.

Wo startet der VIDA VX2 in Europa?

Probefahrten und Verkauf beginnen laut Ankündigung im Dezember 2026 in Rumänien, Ungarn, Tschechien, Slowenien, der Slowakei und Kroatien.

Wie wächst der VIDA DIRT.E K3 mit?

Seine Plattform lässt sich mit Werkzeug auf Small, Medium oder Large einstellen. Für die größte Einstellung bietet VIDA ein optionales Fahrwerkskit an.

Sind Hero Scrambler und Classic Serienmodelle?

Hero stellt beide auf der EICMA 2026 als Konzepte für die weitere Entwicklung seines Motorradprogramms vor.