HJC RPHA 72 Carbon Test

Der neue Sporttouring-Helm im 1000PS Performance Check

Leichter, schlanker und spürbar hochwertiger als sein Vorgänger: Der neue HJC RPHA 72 Carbon soll Touring-Komfort mit sportlicher Stabilität verbinden. 1000PS hat den Highend-Helm intensiv im Alltag, auf der Autobahn und im Winkelwerk getestet.

by nopain on 25.05.2026

HJC RPHA 72 Carbon – Fokus auf Gewicht, Komfort und Alltag

Sporttouring-Helme müssen heute fast alles können. Sie sollen leicht sein, auf langen Etappen nicht ermüden, stabil bei hohem Tempo bleiben, moderne Kommunikationssysteme aufnehmen und gleichzeitig sportlich aussehen. Genau in diesem Spannungsfeld positioniert HJC den neuen RPHA 72 Carbon.

Der neue Helm ersetzt den bekannten RPHA 71 und tritt damit indirekt auch die Nachfolge des beliebten RPHA 70 an. Viele Tourenfahrer hatten den Wechsel vom extrem leichten RPHA 70 auf den RPHA 71 verweigert, da Letzterer durch die strengere ECE 22.06-Prüfnorm deutlich schwerer und klobiger ausfiel. Da der neue RPHA 72 nun massiv an Gewicht verloren hat, schließt er genau die Lücke, die sein Vorgänger hinterlassen hat.

Erster Eindruck: Sportlicher und hochwertiger als je zuvor

Schon beim Auspacken fällt auf, wie kompakt der neue HJC RPHA 72 Carbon umgesetzt wurde. Der Helm sieht modern und überraschend sportlich aus. Besonders im direkten Vergleich zum RPHA 71 erkennt man sofort die schlankere und aggressivere Linienführung. Die Belüftungselemente wirken harmonischer integriert und die gesamte Form aerodynamischer.

Insgesamt erinnert der RPHA 72 deutlich weniger an einen klassischen Touring-Helm, sondern vielmehr an einen sehr sportlichen Integralhelm mit hoher Langstreckentauglichkeit. Die Carbonstruktur unter dem Klarlack ist hochwertig verarbeitet und sauber lackiert. Spaltmaße, Visiermechanik und zahlreiche Detaillösungen bewegen sich trotz des bodenständigen Kaufpreises klar im Premium-Segment.

Besonders positiv fällt die Innenausstattung auf. Das Futter wirkt hochwertiger als bei vielen Mitbewerbern in dieser Preisklasse. Vor allem die seitlichen und hinteren Befestigungen der Polsterung hinterlassen einen ausgezeichneten Eindruck. Alles rastet satt ein, nichts verrutscht beim Auf- oder Absetzen.

Gerade Vielfahrer kennen das Problem: Im Eifer des Gefechts lösen sich Wangenpolster gerne oder die Innenausstattung verrutscht. Beim RPHA 72 bleibt selbst nach häufigem Auf- und Absetzen alles exakt an seinem Platz.

Technische Daten des HJC RPHA 72 Carbon

MerkmalBeschreibung
ModellHJC RPHA 72 Carbon
HelmtypIntegralhelm Sporttouring
NormECE 22.06
MaterialKombination aus Fiberglas-Carbon-Aramid-Matrix
Schalengroessen3
GroessenXS-2XL
VerschlussTitan Doppel-D
BelüftungACS Advanced Channeling Ventilation System mit Einlässen an Kinn und Stirn und zwei Auslässen hinten
VisierHJ-48 Visier Pinlock Ready, 99% UV-Schutz, beschlaghemmend mit Pinlock, verriegelbar
PinlockInklusive Pinlock 120 XLT Anti-Beschlag-Linse DKS642
VisiermechanikWerkzeuglos
SonnenvisierIntegriert
InnenfutterKomfort-Innenfutter antibakteriell, herausnehmbar und waschbar
Brillentraeger geeignetJa
KommunikationsvorbereitungVorbereitet für Smart HJC 11B, 21B & 50B Bluetooth (separat erhältlich).
GewichtCa. 1.450 g in Größe Large (1.404 Gramm gewogen in Gr. Medium)
Preise (UVP)559,90 Euro (Carbon Solid), 599,90 Euro (Carbon mit Dekor)

HJC RPHA 72 Carbon – Fortschritt durch weniger Gewicht

Das niedrige Gewicht gehört zu den größten Stärken des neuen Helms. Im direkten Vergleich zum RPHA 71 spart der neue RPHA 72 rund 150 Gramm ein. Das klingt auf dem Papier zunächst nicht dramatisch, ist in der Praxis aber sofort spürbar.

Vor allem auf langen Touren reduziert das niedrige Gewicht die Belastung auf Nacken und Schultern. Besonders bei sportlicher Fahrweise oder längeren Autobahnetappen macht sich das bemerkbar. Aber in Fahrt fühlt sich der Helm noch leichter an, als es die Waage eigentlich vermuten lässt. Auch beim Schulterblick bleibt er angenehm neutral und erzeugt kaum Trägheit.

Passform und Komfort des HJC RPHA 72 Carbon

Auch die Passform zählt zu den klaren Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger. Der Helm sitzt satt und stabil auf dem Kopf, ohne unangenehm zu drücken. Gerade im Bereich der Wangen wirkt die Form deutlich harmonischer abgestimmt als beim RPHA 70.

Die neuen Aero-Stulpen im unteren Bereich dichten den Helm sehr effektiv gegen einströmenden Wind ab. Dadurch entsteht ein ruhigeres Strömungsbild im Helm.

Allerdings haben diese Stulpen auch einen kleinen Nachteil. Beim ersten Aufsetzen wirkt der Helm ungewöhnlich eng. Das Innenfutter muss beim Anziehen bewusst mit den Riemen etwas nach außen gedrückt werden, sonst können die Stulpen gerade im Neuzustand leicht irritieren oder drücken. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert das problemlos, dennoch sollte man diesen Punkt erwähnen.

Sehr positiv fiel die Brillentauglichkeit auf. Bügel lassen sich problemlos einführen, sofern die Helmpassform grundsätzlich zur eigenen Kopfform passt.

HJC RPHA 72 Carbon – Stabilität bis weit über Landstraßentempo

Auf der Landstraße wirkt der Helm extrem stabil und neutral. Auch bei flotter Fahrt entstehen kaum störende Bewegungen. Erst ab etwa 200 km/h beginnt der Helm leicht zu werden und minimal am Riemen zu ziehen. Dieses Verhalten liegt aber absolut im Rahmen eines sportlichen Touring-Helms mit Sonnenvisier.

Wichtiger als reine Hochgeschwindigkeitsstabilität ist im Alltag ohnehin die Strömungsruhe. Und hier liefert der HJC stark ab. Besonders beeindruckend: Es entstehen kaum unangenehme Luftverwirbelungen im Bereich der Ohren. Manch anderer Helm ist vielleicht objektiv leiser, erzeugt aber unangenehme Frequenzen oder Druckschwankungen. Genau das vermeidet der RPHA 72 sehr gut.

Die Lautstärke: Nicht flüsterleise, aber akustisch angenehm

Das Thema Lautstärke wird bei Touring-Helmen immer intensiv diskutiert. Der neue HJC RPHA 72 Carbon ist nicht der leiseste Helm seiner Klasse. Vor allem im Vergleich zum älteren RPHA 70 wirkt er subjektiv etwas lauter.

Vermutlich spielt hier die weniger voluminöse Carbonbauweise eine Rolle: kleinere Form, dünnere Außenschale, weniger Gewicht, dafür etwas mehr Geräuschdurchlässigkeit. Trotzdem darf man die Lautstärke keinesfalls dramatisieren.

Denn entscheidend ist nicht nur die reine Dezibelzahl, sondern die Art der Geräusche. Und genau hier macht der RPHA 72 vieles richtig. Es entstehen kaum störende Verwirbelungen, kein nerviges Pfeifen und keine unangenehmen Druckfrequenzen. Die Fahrgeräusche wirken gleichmäßig und wenig stressig.

Für einen sportlichen Tourenhelm bewegt sich die Geräuschdämmung insgesamt auf einem sehr guten Niveau.

Sonnenvisier und Hauptvisier: guter Sonnenschutz und präzise Mechanik

Das integrierte Sonnenvisier gehört zu den gelungensten Lösungen des Helms. Es fährt weit nach unten und deckt einen immens großen Sichtbereich ab. Selbst Fahrer mit größerer Nase oder Oberlippenbart stoßen nicht an. Gleichzeitig bleibt genug Abstand erhalten, damit nichts anläuft.

Die Bedienung der Sonnenblende funktioniert zuverlässig, verlangt aber etwas mehr Kraftaufwand. Die Mechanik rastet sauber ein, das Geräusch beim Ausfahren und Einrasten wirkt jedoch etwas plump ("plastikartig") und wird der ansonsten hochwertigen Funktion des Systems nicht ganz gerecht.

Das Hauptvisier überzeugt dagegen vollständig. Die Mechanik arbeitet präzise und sauber. Das Visier rastet satt ein und vermittelt hohe Qualität. Beim Öffnen benötigt der Mechanismus anfangs etwas Übung, weil die Verriegelung relativ streng arbeitet. Dafür sitzt das Visier während der Fahrt absolut stabil.

Das Pinlock-System gehört ebenfalls zu den Highlights des Helms. Die Montage gelingt einfach und unkompliziert, die Wirkung ist ausgezeichnet.

Gute Belüftung und breites Sichtfeld ohne Verzerrungen

Der HJC RPHA 72 bietet ein angenehm breites Sichtfeld. Gerade im Schulterblick oder beim sportlichen Fahren vermittelt der Helm ein rundum-sicheres Gefühl. Verzerrungen im Randbereich konnten wir keine feststellen.

Auch Belüftungsleistung überzeugt im Alltag, da die Temperatur im Helminneren nahezu eins zu eins der Außentemperatur entspricht. Die beiden vorderen Lufteinlässe lassen sich intuitiv und komfortabel bedienen. Besonders wichtig: Die Luftführung funktioniert effektiv, ohne unangenehme Zugluft im Helm zu erzeugen.

Vorbildliche Vorbereitung für Kommunikationssysteme

Die Vorbereitung für das HJC Smart System gehört unserer Meinung nach zu den besten Lösungen am Markt. Viele Helme wirken ohne eingebautes Intercom unfertig oder drücken mit Lautsprechern unangenehm auf die Ohren. Beim RPHA 72 ist davon nichts zu spüren. Alles ist sauber integriert und praxisgerecht gelöst.

Zusätzlich bietet der Helm außergewöhnlich viel Platz zwischen Mund und Kinnbügel. Gerade für Motovlogger ist das ein echter Vorteil. Selbst mit eingebautem Mikrofon bleibt genug Freiraum vorhanden. Keine störenden Berührungen an den Lippen, keine Platzprobleme mit Actioncam-Klemmen.

Optimaler Sitz durch die nachträgliche Anpassung des Innenfutters

Ein Motorradhelm kann seine Schutzwirkung nur dann vollständig entfalten, wenn Größe, Passform und Kopfform optimal zusammenpassen. Die Außenschale verteilt die Aufprallenergie, während das EPS-Innenfutter Stöße absorbiert und Rotationskräfte reduziert. Sitzt der Helm zu locker, kann er verrutschen oder sich im schlimmsten Fall sogar lösen. Ist er hingegen zu eng, entstehen Druckstellen, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme auf längeren Fahrten.

Besonders wichtig ist dabei auch die individuelle Kopfform, denn nicht jeder Kopf entspricht der klassischen mittelovalen Standardform. NoPains Kopfform liegt zwischen mittel- und langoval, weshalb beim HJC RPHA 72 in Größe M ein anderes Kopfpolster (7 mm statt 12 mm) getestet wurde. Anders als früher beim HJC RPHA 70 war dieser Tausch diesmal allerdings eher ein Nice-to-have als eine zwingende Notwendigkeit. Der Helm hätte vermutlich auch mit der serienmäßigen Polsterung problemlos funktioniert, da die Grundpassform bereits deutlich besser harmonierte.

RPHA 72 Carbon Größentabelle

GrößeGröße (cm)SchalengrößeWangenpolster (mm)Kopfpolster (mm)
XS54-5513512
S55-561309
M57-5823012*
L58-5923012
XL60-6133012
2XL62-633207

* Um den Druck an der Stirn effizient zu verringern haben wir bei unserem Testhelm in Größe M den 12-mm-Kopfpolster gegen den 7-mm-Kopfpolster getauscht.

Hochwertige Helme wie der HJC RPHA 72 bieten durch unterschiedliche Polsterstärken trotzdem eine einfache Möglichkeit zur individuellen Feinabstimmung ohne große Umbauten.

Unterschiede zum HJC RPHA 71 und RPHA 70

Im direkten Vergleich zum Vorgänger RPHA 71 zeigt der neue RPHA 72 zahlreiche Detailverbesserungen. HJC hat den beliebten Sporttourer konsequent weiterentwickelt und an den entscheidenden Stellen optimiert.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick: - Weniger Gewicht: Spürbar leichter für maximalen Komfort auf langen Strecken. - Schlanke Bauform: Das Gesamtvolumen wurde um ca. 4% verkleinert. - Modernes Design: Frische, dynamische Linienführung mit aerodynamisch optimierter Stirnpartie. - Optimierte Aerodynamik: Der Luftwiderstand sank um 19,7%, der Auftrieb um 6,2%. - Bessere Passform: Der Helm umschließt den Kopf noch ergonomischer. - Premium-Interieur: Die Innenausstattung wirkt hochwertig und angenehm auf der Haut. - Effektiver Wetterschutz: Eine verbesserte Windabdichtung im unteren Bereich minimiert Zugluft.

Dass HJC beim RPHA 72 von ehemals vier auf nun drei Außenschalen umgestellt hat, ist das Ergebnis einer grundlegenden Neukonstruktion. Um trotz weniger Schalengrößen die perfekte Passform und maximale Sicherheit für jeden Kopf zu garantieren, wurde das Innenleben massiv aufgewertet: Der Helm nutzt jetzt fünf separate EPS-Dämpfungskerne (Styropor-Innenschalen) mit unterschiedlichen Dichten. Die präzise Größenanpassung erfolgt somit effizienter über das High-Tech-Innenleben als über die äußere Dimension. Das Ergebnis: Eine schmalere Silhouette bei hervorragendem, stabilem Sitz und hoher Laufruhe.

Wer noch den RPHA 70 fährt, erlebt beim Umstieg auf den RPHA 72 einen massiven Unterschied im gesamten Fahrgefühl. Der Neue liegt spürbar stabiler im Wind, wirkt in allen Belangen hochwertiger und aerodynamisch ausgereifter. Einzig bei der Akustik zeigt sich ein kleiner Unterschied: Subjektiv ist der RPHA 72 etwas lauter als der 70er. Diesem Eindruck stehen allerdings eine deutlich angenehmere Geräuschcharakteristik sowie das Ausbleiben störender Verwirbelungen oder Pfeiftöne gegenüber.

Praxiseindruck und Fazit zum HJC RPHA 72 Carbon

Der neue HJC RPHA 72 Carbon präsentiert sich im Alltag als moderner Sporttouring-Helm mit sehr breitem Einsatzbereich. Er kombiniert geringes Gewicht, sportliche Aerodynamik und hochwertige Verarbeitung mit alltagstauglichen Features wie integriertem Sonnenvisier, Kommunikationsvorbereitung und hoher Langstreckentauglichkeit.

Besonders positiv bleibt die Kombination aus guter Aerodynamik, stabilem Sitz und hochwertiger Innenausstattung im Gedächtnis. Der Helm sitzt satt am Kopf, ohne unangenehm zu drücken, bietet eine sehr gute Windabdichtung und vermittelt auch bei höheren Geschwindigkeiten ein stabiles und sicheres Fahrgefühl. Dazu kommen eine präzise Visiermechanik, ein ausgezeichnet funktionierendes Pinlock-System und ein angenehm breites Sichtfeld ohne störende Verzerrungen.

Ebenso gelungen ist die Vorbereitung für Kommunikationssysteme, die im Alltag weder optisch noch ergonomisch negativ auffällt.

Im Vergleich zum RPHA 71 und auch zum beliebten RPHA 70 wirkt der neue RPHA 72 moderner, kompakter und aerodynamisch ausgereifter. Das deutlich reduzierte Gewicht macht sich auf längeren Fahrten sofort bemerkbar und reduziert die Belastung für Nacken und Schultern spürbar.

Als kleines Manko bewegt sich die Geräuschkulisse eher auf sportlichem als auf maximal leisem Touring-Niveau. Zudem benötigen die Aero-Stulpen beim Aufsetzen etwas Eingewöhnung und auch das Sonnenvisier verlangt beim Betätigen etwas mehr Kraft als manche Konkurrenzsysteme.

Trotzdem liefert der HJC RPHA 72 Carbon ein extrem stimmiges Gesamtpaket ab und wirkt in nahezu jedem Bereich ausgereift und ausgewogen. Wer einen modernen Sporttouring-Helm mit niedrigem Gewicht, hochwertiger Verarbeitung, hoher Alltagstauglichkeit und sportlicher Ausrichtung sucht, sollte den HJC RPHA 72 Carbon definitiv auf die persönliche Probierliste setzen.

Plus + Sehr niedriges Gewicht + Hochwertige Innenausstattung + Hervorragende Passform + Effektive Windabdichtung + Breites Sichtfeld + Präzise Visiermechanik + Sehr gutes Pinlock-System + Viel Platz für Mikrofone und Intercom + Moderne, schlanke Optik

Minus - Nicht der leiseste Touring-Helm - Sonnenvisier benötigt etwas Kraft - Aero-Stulpen anfangs gewöhnungsbedürftig

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