Suzuki V-Strom 800 Test in Katalonien und den Pyrenäen
Wie gut ist die V-Strom 800 auf Reisen wirklich?
Böse Zungen sprechen der V-Strom 800 ihre Abenteuertauglichkeit ab. Sie sei nur ein Brot&Butter-Motorrad, heißt es. Ob die Zweifler recht haben, oder die Suzuki doch unterschätzen, das überprüfen wir zwischen Barcelona und den Pyernäen: Auf rund 350 Kilometern zeigt die Suzuki V-Strom 800, wie gut sie zu einer vielseitigen Tour passt. Zwischen Stadt, Schnellstraße, Bergdörfern und Hochgebirge offenbart sie Charakter, Abenteuerfreude, Stärken und Schwächen.
Jahr für Jahr zieht es uns im Winter nach Barcelona. Jahr für Jahr verkürzen wir dort die kalte Jahreszeit mit Motorrädern, Sonne und den herrlichen Straßen rund um Kataloniens Hauptstadt. Doch auch wenn Garraf, Küstenregion und die bekannten Strecken jedes Mal wieder begeistern, wächst irgendwann der Wunsch, einmal bewusst aus dem Gewohnten auszubrechen. Genau daraus entsteht diese Tour mit der Suzuki V-Strom 800. Eigentlich ist die Route zunächst noch größer gedacht, mit Andorra, Frankreich und mehreren Pässen an einem Tag. Doch kurzfristig wird der Plan geändert, und aus dem angedachten Drei-Länder-Abenteuer wird eine Reise quer durch Katalonien bis tief hinein in Richtung Pyrenäen. Genau das macht den Tag aber nicht kleiner, sondern interessanter.
Denn plötzlich liegt der Fokus nicht mehr auf einer spektakulären Liste abgehakter Ziele, sondern auf dem Erlebnis selbst. Von Barcelona geht es durch den Garraf, weiter über Montserrat und Cardona, hinein in die Vorpyrenäen, vorbei an Gósol und dem Pedraforca und am Ende hinauf zum unvollendeten Coll de Pal Pass. Hier geht es zum Calimoto-Link zur Tour. Auf dieser Strecke zeigt sich sehr schnell, ob die V-Strom 800 zu so einem vielseitigen Reisetag passt.
Warum die V Strom 800 genau für diese Reise gewählt wird
Nach vielen Tagen auf sehr starken, technisch hochgerüsteten Maschinen, wie der BMW R 1300 RT, KTM 1390 Super Adventure R, oder BMW R 1300 RS, wirkt die Suzuki V-Strom 800 fast wie ein Gegenentwurf. Genau das macht sie für diese Tour so interessant. Für eine lange Eintagesreise durch Katalonien braucht es kein Motorrad, das mit extremer Leistung oder Assistenzsystemen beeindrucken will. Es braucht eine Maschine, die sofort funktioniert, Vertrauen aufbaut und dennoch Zweirad-Fahrspaß bieten kann. Genau deshalb fällt die Wahl auf die V-Strom 800. Sie verspricht von Anfang an weniger Spektakel und dafür mehr Substanz. Pragmatische Nehmer-Qualitäten, ausreichend Komfort, aufrechte Sitzposition, gutes Fahrwerk und passabler Windschutz zählen auf so einer Route viel mehr als jede Zahl im Prospekt.
Dazu kommt der Charakter des 800er-Twins. Er liefert schönen Druck von unten, lässt sich entspannt und schaltfaul bewegen und hat trotzdem genug Dynamik, um später auf den Bergstraßen nicht langweilig zu werden. Gleichzeitig vermittelt die Suzuki schon vor dem eigentlichen Reisetag das Gefühl von Verlässlichkeit. Man steigt auf und geht davon aus, dass sie ihre Aufgabe ohne Theater erledigt. Genau dieses nüchterne Vertrauen ist auf einer Tour Gold wert. Die V-Strom 800 wird hier nicht gewählt, weil sie die spektakulärste Wahl ist, sondern gerade weil sie als unaufgeregter, ehrlicher Begleiter genau das liefert, was man für eine abwechslungsreiche Reise durch Stadt, Küste, Hügelland und Hochgebirge wirklich braucht. Doch, dass die V-Strom 800 die pragmatische Seite des Motorradfahrens abdeckt, war im Vorhinein klar. Bietet sie auch das gewisse Etwas, das Augen glänzen und das Biker-Herz schneller schlagen lässt?
Entspannt unterwegs zwischen Stadtverkehr und Garraf
Schon auf den ersten Kilometern bestätigt die V-Strom 800 ihre Alltagsqualitäten. In und um Barcelona zählt am Morgen nicht maximale Aggressivität, sondern Zugänglichkeit. Die Suzuki wirkt hier sofort angenehm. Kupplung, Motorcharakter und Sitzposition machen die ersten urbanen und stadtnahen Kilometer unkompliziert, und genau das ist für einen gelungenen Reisetag enorm wichtig. Ein Motorrad kann auf der Traumstraße noch so gut funktionieren, wenn es im dichten Verkehr oder bei langsamen Übergängen nervt, bleibt ein schaler Beigeschmack. Die V-Strom macht hier von Beginn an alles richtig. Sie fährt sich leicht, gutmütig und unaufgeregt, ohne dabei leblos zu wirken. Genau dieser Eindruck zieht sich auch über die ersten Abschnitte im Parc del Garraf hinweg.
Besonders angenehm ist, wie natürlich sich die Suzuki in diesen Touring-Rhythmus einpasst. Der Motor trägt die Maschine sauber, druckvoll aus langsamen Ecken heraus. Dank des Drehmoment-fokussierten Charakters des Twins muss man nicht hektisch nach Gängen suchen, sondern beschleunigt schaltfaul aus dem Radius. Gleichzeitig fühlt sich die Reiseenduro-typische Ergonomie vertraut an, dass es keine Eingewöhnungszeit braucht. Draufsetzen, wohlfühlen, losfahren" Genau das ist eine Qualität, die sich schwer in technische Daten übersetzen lässt, auf Reisen aber besonders wertvoll ist. Die V-Strom 800 macht aus dem Start in den Tag keine Prüfung, sondern eine entspannte Einstimmung auf alles, was danach noch kommt.
Sanfte Schotterpassagen passen zum Wesen der V Strom
Im Vergleich zu ihrer DE-Modellschwester mag die V-Strom 800 nicht als große Abenteuer-Maschine wahrgenommen werden. Bei ihr geht es auch nicht um groben Offroad-Einsatz, sondern eher um jenen Bereich, in dem ein Adventure Bike im Alltag tatsächlich oft unterwegs ist. Sanfte Schotterwege, schlechter Untergrund, geflickte Straßen und lose Passagen, die weniger nach Enduro-Heldentum und mehr nach realistischer Reisetauglichkeit verlangen. Aus dem Parc del Garraf geht es auf breiten, fein geschotterten Wegen. Auch im Stand bewegt, wirkt die Suzuki nie gestresst, nie überfordert und nicht fehl am Platz.
Das liegt vor allem an ihrer entspannten Grundabstimmung. Die aufrechte Sitzposition als auch funktionierende Stehposition, das komfortorientierte Fahrwerk und die zugängliche Leistungsentfaltung machen aus der V-Strom 800 kein Gerät, das erst auf perfekte Bedingungen angewiesen ist. Sie kann auch dort ruhig und vertrauenerweckend weiterfahren, wo der Untergrund nicht mehr ideal ist. 150 mm Federweg und 185 mm Bodenfreiheit reichen für leichte Unebenheiten mehr als aus. Der Motor tuckert unbeirrbar über Stock und Stein und auch die eher komfortabel abgestimmten Bremsen stressen nicht in der Bremszone. Auf zu losem Gelände muss man beim Verzögern etwas aufpassen, denn das ABS ist nicht deaktivierbar und regelt schnell rein. In Summe sind die Leben-erleichternden Qualitäten der V-Strom für viele Fahrer der viel wichtigere Adventure-Aspekt als irgendwelche martialischen Marketingbilder mit quer driftendem Heck. Die Suzuki fordert auf losem oder rauem Untergrund keine permanente Korrektur und keine aggressive Fahrweise. Das macht sie nicht zur kompromisslosen Gelände-Enduro, aber sehr wohl zu einem Motorrad, das auf einer echten Reise auch dann überzeugt, wenn der Asphalt einmal endet oder seine Qualität deutlich nachlässt. Diese Form von Bodenständigkeit passt zum Wesen der V-Strom 800.
Touring Qualitäten auf langen Etappen durch Katalonien
Weiter geht es in Richtung Norden, über das Montserrat Gebirgsmassiv und zur Festung Cardona. Die Stunden und kurvigen Landstraßen verfliegen in der schönen Landschaft und auf tollen Strecken wie im Flug. Gerade die Mischung aus entspanntem Cruisen und kurzen spaßigen Sektionen gelingt der V-Strom 800 sehr gut. Immer wieder müssen wir auch kurze Autobahnstückchen mitnehmen, weil das Filmen Zeit frisst und teils ausufernde Industriezonen lieber umfahren werden. Genau dort zeigt die V-Strom 800, dass sie nicht nur schön kurven kann, sondern auch diese eher nüchternen Überbrückungsepisoden angenehm gestaltet. Auch nach inzwischen einigen Stunden im Sattel ist die Sitzbank weiterhin bequem und die Freude am Touren groß. Der Fahrer nimmt sie fast gar nicht als Belastung wahr, weil Sitzposition, Fahrwerk und der insgesamt gutmütige Charakter die Strecke leicht machen. Der Windschild könnte sich für meine 1,85 m etwas höher ziehen, doch die leichten Verwirbelungen am oberen Rand des Helmes störend kaum. Dafür macht ihr Verbrauch von unter 4,5 L/100km die konstante Fortbewegung einfach und effizient. Diese Fähigkeit, aus notwendigen Verbindungsetappen kein Übel, sondern einen normalen Teil des Reisetags zu machen, ist eine der größten Stärken der Suzuki. Ein Touring-Motorrad muss nicht permanent begeistern. Es muss den ganzen Tag über funktionieren. Und genau das tut die V-Strom 800 hier sehr überzeugend.
Dynamische Kurvenfahrt mit mehr Talent als erwartet
Die vielleicht angenehmste Überraschung dieser Reise liegt darin, wie viel fahrerische Freude die Suzuki V-Strom 800 auf kurvigen Bergstraßen tatsächlich bietet. Spätestens auf der B400 in den Ausläufern der Pyrenäen wird klar, dass sie deutlich mehr kann, als ihre entspannte Erscheinung und ihr Ruf vielleicht vermuten lassen. Die Straße selbst ist schon ein Geschenk: lange Radien, griffiger Asphalt, kaum Verkehr und eine Kulisse, die Lust auf mehr macht. Genau hier darf die V-Strom endlich zeigen, was in ihr steckt. Und sie macht das mit einer sehr sympathischen Art. Nicht als aggressives Sportgerät, sondern als ehrliche Reisenduro mit genügend Dynamik, um auf solchen Straßen echten Fahrspaß zu erzeugen. Der Twin liefert schönen Druck im mittleren Bereich, spricht sauber an und passt mit seiner Art perfekt zu einem Fahrstil, der aus Rhythmus und Fluss lebt.
Dazu kommt ein Fahrwerk, das klar komfortorientiert ist, aber eben nicht schwammig. Es bietet ausreichend Rückmeldung, um auch in Schräglage Vertrauen aufzubauen, und vermittelt Stabilität auf Straßen, die nicht immer perfekt erhalten sind. Genau das ist in Nordspanien und in den Vorpyrenäen besonders wichtig, weil der Asphalt oft wechselt oder brüchig ist. Die Suzuki bleibt dabei berechenbar, gutmütig und angenehm kontrollierbar. Ja, die Schräglagenfreiheit endet früher als bei einem reinrassigen Kurvenräuber oder hochbeinigen Reiseenduros, und natürlich ist die V-Strom 800 kein Sportmotorrad. Aber das muss sie auch nicht sein. Entscheidend ist, dass sie bei Wunsch auch ohne Widerstand in den Radius fällt, druckvoll am Gas hängt und man mit breitem Grinsen unter dem Helm durch die Kurven feuert. Sie lässt sich zwar mit klaren Limits, aber motiviert und ohne kapitale Schwachpunkte im Kurvengeläuf bewegen.
Eurogrip Trailhound STR als passender Partner der Reise
Passend zu dieser vielseitigen Reise ist auch der aufgezogene Reifen, der Eurogrip Trailhound STR. Der Pneu ist zu Beginn ein unbekannter Faktor, entwickelt sich im Laufe des Tages aber zu einem sehr stimmigen Partner für die Suzuki V-Strom 800. Vor allem sein harmonisches, berechenbares Einlenkverhalten, das sehr gut zum Charakter des Motorrads passt, fällt auf. Er wirkt willig, aber nicht nervös, fördert damit das Vertrauen und unterstützt genau jenes Fahrgefühl, das die V-Strom auf kurvigen Straßen so angenehm macht. Hinzu kommt, dass er sich auch auf wechselndem Asphalt, in schattigen Passagen und später sogar bei Kälte und Restnässe am Coll de Pal keine echte Schwäche leistet.
Fazit zum Reisetest der Suzuki V Strom 800
Das Ende dieses Tages durch Katalonien markiert der nie fertiggestellte Coll de Pal Pass, der auf der Passhöhe auf 2.106 m Seehöhe am Molina Massiv endet. Die Suzuki V-Strom 800 hat damit ihre Reise vom Strand bei Barcelona bis zu den Schneewänden der gerade erst aus dem Winterschlaf erwachenden Pyrenäen geschafft. Sie ist ein Motorrad, das genau auf solchen Reisen seine größte Stärke ausspielt. Sie will sich nicht ständig beweisen, sondern funktioniert einfach. Morgens im Verkehr rund um Barcelona ist sie entspannt und gutmütig, auf Verbindungsetappen komfortabel und unaufdringlich, auf kurvigen Landstraßen überraschend unterhaltsam und in rauerer, kühlerer Umgebung weiterhin souverän. Genau diese Vielseitigkeit macht sie zu einer sehr gelungenen Reisebegleiterin. Sie ist kein Motorrad für große Showeffekte und extreme Einsatzbereiche, sondern eines für echte Reisetage mit vielen Facetten. Die V-Strom 800 ist kein scharfes Sportgerät, keine harte Offroad-Waffe und kein reines Prestigeobjekt. Sie ist aber bei Weitem auch kein langweiliges Brot&Butter-Motorrad. Wer ein Motorrad sucht, das sich vom morgendlichen Stadtverkehr über kurvige Bergstraßen bis hin zu einem kalten Finale am Coll de Pal nicht aus der Ruhe bringen lässt, findet in der Suzuki V-Strom 800 ein sehr rundes Gesamtpaket. Und gerade deshalb bleibt sie positiv im Kopf.
Conclusion: Suzuki V-Strom 800 2026
Die Suzuki V-Strom 800 überzeugt im Reisetest mit viel Ausgewogenheit. Sie fährt sich entspannt im Alltag, bleibt auf langen Etappen komfortabel und liefert auf kurvigen Straßen mehr Fahrspaß, als ihr nüchterner Auftritt vermuten lässt. Gerade diese Vielseitigkeit macht sie zu einer starken Reisebegleiterin.
- umgänglicher, doch spaßig druckvoller Zweizylindermotor
- hoher Fahrkomfort
- entspannte Ergonomie
- gutmütiges und berechenbares Fahrverhalten
- ausgewogene Touring-Qualitäten
- souverän auf wechselndem Asphalt
- Fahrwerk bei sehr ambitionierter Gangart klar komfortorientiert
- begrenzte Schräglagenfreiheit
- für groben Offroad-Einsatz nur eingeschränkt geeignet (ABS nicht abschaltbar)
- Windschutz für große Piloten nur okay, nicht brilliant