Benda Chinchilla 350 NEO Test: Cruiser mit Roller-Seele?

So fährt sich der ungewöhnlichste Cruiser der A2-Klasse

Ein Cruiser ohne Kupplung und Schaltung? Die Benda Chinchilla 350 NEO setzt auf CVT-Technik und macht Motorradfahren so einfach wie nie. Doch wie gut funktioniert das Konzept im Alltag und kann sie auch emotional überzeugen?

by Der Horvath on 07.04.2026

Im Vergleich zu anderen Modellen aus dem Benda-Line-up gibt sich die Chinchilla 350 NEO optisch fast schon zurückhaltend. Statt auffälliger Linienführung oder futuristischer Details setzt sie auf klassische Cruiser-Tugenden: flache Silhouette, kurzes Heck und ein runder Scheinwerfer an der Front.

Das wirkt weniger spektakulär als bei anderen Benda-Bikes ist aber keineswegs negativ. Denn bei der Chinchilla steht nicht das Design im Mittelpunkt, sondern die Technik. Und genau dort wird es spannend.

V2 trifft Variomatik: Das Highlight im Antrieb

Im Herzen der Chinchilla 350 NEO arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter V2-Motor mit 343 ccm und einer Leistung von 34 PS, sowie 31 Nm Drehmoment. Die eigentliche Besonderheit liegt jedoch im Getriebe: Statt eines herkömmlichen Schaltgetriebes kommt eine Variomatik, also ein CVT-Getriebe, zum Einsatz.

Ein CVT (Continuously Variable Transmission) arbeitet stufenlos und verzichtet auf feste Gänge. Über ein System aus Riemenscheiben wird die Übersetzung laufend angepasst, sodass der Motor stets im optimalen Drehzahlbereich arbeitet. Für den Fahrer bedeutet das: kein Kuppeln, kein Schalten einfach Gas geben und losfahren.

Und genau so fühlt sich die Chinchilla auch an. Aufsteigen, starten, drehen und es geht vorwärts. Die Bedienung erinnert stark an einen Roller, was zusätzlich durch die Bremshebel am Lenker unterstrichen wird: Die Hinterradbremse wird mit der linken Hand betätigt, nicht mit dem Fuß. Im Fahrbetrieb überzeugt das Konzept durch seine Einfachheit. Die Chinchilla lässt sich extrem leicht fahren und macht entspanntes Cruisen so zugänglich wie selten zuvor. Der Nachteil: Durch die konstante Drehzahl wirkt der Motor akustisch etwas monoton, ein Teil der typischen V2-Emotion geht verloren.

Ganz leise ist sie aber nicht. Vor allem das Ansauggeräusch ist deutlich präsent und kann durchaus kernig wirken. Auf längeren Autobahnetappen bei konstantem Tempo wird der Klang allerdings etwas dröhnend.

Ergonomie: Niedrig, bequem, zugänglich

Ergonomisch bleibt sich die Chinchilla 350 NEO treu und folgt der klassischen Cruiser-Philosophie. Die niedrige Sitzhöhe sorgt für viel Sicherheit im Stand und macht das Rangieren angenehm einfach. Die Fußrasten sind vorverlegt, aber nicht extrem weit vorne positioniert. Dadurch entsteht eine entspannte Sitzhaltung, ohne dass man sich unnatürlich strecken muss. Gerade kleinere Fahrer sowie Ein- und Wiedereinsteiger profitieren von dieser ausgewogenen Ergonomie.

Klassische Cruiser-Sitzposition, die jedoch nicht zu gestreckt ausfällt.

Auch die Bedienung ist bewusst simpel gehalten. Die Schaltereinheiten sind logisch aufgebaut und schnell verstanden. Das runde TFT-Display verzichtet auf komplexe Menüstrukturen man steigt auf und fährt los, ohne sich durch Einstellungen kämpfen zu müssen.

Gerader Lenker und keine unnötigen Knöpfe - die Chinchilla lässt sich leicht bedienen.

Ein kleines Extra ist die abschaltbare Traktionskontrolle, die per Knopfdruck am Lenker deaktiviert werden kann. Nett zu haben im Alltag aber eher zweitrangig.

Benda Chinchilla 350 NEO Fahrwerk & Bremsen: Solide Hausmannskost

Fahrwerk und Bremsen bewegen sich klar im Rahmen dessen, was man von einem A2-Cruiser in dieser Preisklasse erwarten darf. Der Komfort geht in Ordnung, die Sitzbank ist angenehm gepolstert und passt gut zum entspannten Charakter des Bikes. Hinten fällt der Federweg allerdings begrenzt aus schlechte Straßen und harte Kanten sind spürbar.

Die Bremsanlage präsentiert sich unkompliziert und gut dosierbar. Sie liefert keine sportlichen Spitzenwerte, erfüllt aber zuverlässig ihren Zweck und bleibt dabei jederzeit berechenbar. ABS ist selbstverständlich serienmäßig an Bord.

Die Einzelscheibe in der Front erledigt ihren Job solide.

Benda Chinchilla 350 NEO Preis

Ein weiterer Pluspunkt der Benda Chinchilla 350 NEO ist ihr attraktiver Preis. In Deutschland startet sie bei 6.499 Euro (zzgl. 300 Euro Nebenkosten), in Österreich liegt sie bei 6.799 Euro. Damit positioniert sie sich klar im erschwinglichen A2-Segment und macht den Einstieg ins Motorradfahren besonders leicht. In Kombination mit der einfachen Bedienung und dem innovativen Antrieb ergibt sich ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis, das vor allem preisbewusste Einsteiger und entspannte Cruiser-Fans ansprechen dürfte.

Mutiges Konzept, das funktioniert

Die Benda Chinchilla 350 NEO ist kein klassischer Cruiser und genau das macht sie interessant. Mit ihrem CVT-Getriebe bringt sie eine im Motorradbereich seltene Technik auf die Straße und schafft damit ein besonders niederschwelliges Fahrerlebnis. Sie ist einfach zu bedienen, leicht zu fahren und richtet sich klar an Einsteiger, Wiedereinsteiger und alle, die entspannt cruisen wollen, ohne sich mit Kupplung und Schaltung auseinanderzusetzen.

Emotional fehlt ihr vielleicht etwas der typische V2-Charakter dafür punktet sie mit Komfort, Zugänglichkeit und einem mutigen Konzept. Und genau das ist es, was Benda aktuell so gut kann.

Conclusion: Benda Chinchilla 350 CVT 2026

Die Benda Chinchilla 350 NEO ist ein mutiger Cruiser, der mit seinem CVT-Getriebe bewusst neue Wege geht und damit vor allem eines schafft: maximale Zugänglichkeit. Sie fährt sich so einfach wie kaum ein anderes Motorrad in dieser Klasse und richtet sich klar an Einsteiger, Wiedereinsteiger und alle, die entspannt cruisen wollen, ohne sich mit Schalten beschäftigen zu müssen. Auch wenn dabei ein Teil der klassischen V2-Emotion verloren geht, überzeugt das Gesamtpaket durch seine Alltagstauglichkeit, seinen Komfort und vor allem durch ein Konzept, das überraschend gut funktioniert.


  • Sehr einfach zu fahren (CVT/Automatik)
  • Ideal für Einsteiger und Wiedereinsteiger
  • Niedrige Sitzhöhe und gute Zugänglichkeit
  • Entspanntes, unkompliziertes Cruisen
  • Innovativer und mutiger Antrieb
  • Weniger emotionaler Motorcharakter
  • Monotones Klangbild durch CVT
  • Ansauggeräusch auf Dauer dröhnend
  • Hinteres Fahrwerk bei schlechten Straßen spürbar