KTM 390 Adventure X Test 2025 - Der unterschätzte Allrounder
Mehr Alltag, weniger Hype! Warum die X plötzlich spannend ist.
Während sich alles auf die Adventure R konzentriert, bleibt die KTM 390 Adventure X fast unbeachtet. Dabei könnte genau sie für viele Fahrer die bessere Wahl sein. Weniger extrem, zugänglicher und alltagstauglicher – aber reicht das für echtes Adventure-Feeling?
Wie jedes Jahr sind wir auch heuer wieder im Februar und März vor den kalten Temperaturen und salzigen Straßen Österreichs nach Spanien geflüchtet. Unsere Auswärts-Garage im Raum Barcelona verkürzt den Winter und gibt uns früh im Jahr die Möglichkeit, die Motorradneuheiten der Saison würdig zu testen. Zur Vielzahl an spannenden Modellen, wie u. a. BMW R 1300 RS, KTM 1390 Super Adventure R, Stark Varg SM, oder Triumph Street Triple X, gesellt sich auch die KTM 390 Adventure X. Eigentlich ist sie schon seit 2025 auf dem Markt, doch letztes Jahr waren alle Augen auf ihre scharfe R-Schwester gerichtet, so auch unsere beim Test der KTM 390 Adventure R, und es kam nie zum Test der X. Höchste Zeit, dies nachzuholen.
KTM 390 Adventure X - die kompromissbereite 390 Adventure
Die KTM 390 Adventure X steht im Schatten ihrer deutlich offensiver vermarkteten Schwester, der Adventure R. Während diese als neue A2-Offroad-Hoffnung gefeiert wird, wirkt die X-Version beinahe wie ein stiller Begleiter im Sortiment. Dabei ist genau sie für viele Fahrer die realistischere Wahl. Der Ansatz ist klar: weniger Extrem, mehr Alltag. Straßenorientierte Bereifung mit 19 Zoll vorne und 17 Zoll hinten, kürzere Federwege mit 200 Millimetern und ein nicht einstellbares Fahrwerk zeigen deutlich, wohin die Reise geht. Auch Details wie der niedrigere Lenker und das einfache LC-Display unterstreichen diese Ausrichtung. Dafür muss man für die Adventure X nur 6.399 € (AT-Preis) hinblättern, während die R-Version mindestens 7.799 € kostet. Gleichzeitig bleibt die Basis ident: Einzylinder-Motor aus der 390 Duke, neuer Rahmen und eine Plattform, die bewusst vielseitig bleiben soll. Die Sitzhöhe von 825 Millimetern macht sofort klar, dass hier Zugänglichkeit eine große Rolle spielt. Selbst kleinere Fahrer stehen entspannt am Boden, was gerade im Alltag und beim Rangieren ein echtes Plus darstellt.
Alltagsqualitäten der KTM 390 Adventure X
Im urbanen Umfeld spielt die 390 Adventure X ihre Stärken besonders deutlich aus. Die niedrigere Sitzposition sorgt für Sicherheit bei langsamen Manövern, beim Durchschlängeln im Verkehr oder auf unebenen Parkplätzen. Gerade Einsteiger profitieren davon enorm, weil das Motorrad jederzeit kontrollierbar bleibt. Unterstützt wird das durch die leichtgängige Kupplung, die sich sehr fein dosieren lässt. Der Motor zeigt sich im unteren Drehzahlbereich bewusst zurückhaltend. Nach einer Rückrufaktion und Anpassung der Motorsteuerung im Jahr 2025 wirkt der Einzylinder jetzt etwas souveräner in den niedrigen Drehzahlen, bleibt aber charakterlich gleich. Untenrum sanft und fast schon zu brav, obenrum dafür deutlich lebendiger. Wer spontan beschleunigen will, muss aktiv schalten. Im falschen Gang passiert wenig bis gar nichts. Genau hier hilft der optionale Quickshifter, der auch bei niedrigen Drehzahlen sauber arbeitet und das häufige Hochschalten im Stadtverkehr erleichtert. Der Lenkeinschlag ist solide, wenn auch nicht klassenführend, und das LC-Display erfüllt seinen Zweck, auch wenn es optisch eher funktional als modern wirkt.
KTM 390 Adventure X auf der Landstraße
Sobald es raus auf die Landstraße geht, zeigt sich ein klareres Bild des Charakters. Der Motor verlangt Drehzahl und belohnt erst ab etwa 5.500 bis 6.000 Umdrehungen mit spürbarer Leistung. Darunter wirkt er fast lethargisch, darüber hingegen angenehm lebendig. Das bedeutet in der Praxis: Wer dynamisch fahren will, muss aktiv arbeiten und den richtigen Gang wählen. Gleichzeitig profitiert die X-Version von ihrer straßenorientierten Geometrie. Das kleinere Vorderrad und die kürzeren Federwege machen sie spürbar agiler als die R. Sie lenkt leicht ein, die knapp 180 Kilogramm fallen willig in Schräglage und die Adventure X vermittelt dabei ein solides Gefühl für das Vorderrad. Das Fahrwerk selbst überrascht positiv. Trotz fehlender Einstellmöglichkeiten trifft es einen gelungenen Mittelweg zwischen Komfort und Stabilität. Unebenheiten werden sauber gefiltert, ohne dass das Motorrad zu weich wirkt oder ins Schaukeln gerät. Genau hier zeigt sich, dass die Abstimmung gut getroffen wurde.
Weniger überzeugend präsentiert sich hingegen die Bremsanlage. Die Bybre-Bremse wirkt insgesamt sehr weich abgestimmt. Der Druckpunkt ist schwammig, der Hebelweg lang und es braucht spürbar Kraft, um wirklich Verzögerung aufzubauen. Für stärkere Bremsmanöver ist zusätzlich die Hinterradbremse gefragt. Gerade bei sportlicher Fahrweise fehlt es an Klarheit und Feedback. Auch die Standfestigkeit bleibt eine offene Frage, insbesondere bei längeren Abfahrten. Im Kontext des Gesamtkonzepts ist das noch vertretbar, da die Adventure X kein aggressives Sportgerät sein will. Dennoch wäre hier etwas mehr Präzision wünschenswert gewesen.
Touring mit der KTM 390 Adventure X 2026
Auf der Touring-Seite zeigt die KTM ein überraschend solides Gesamtpaket. Der Windschutz ist für durchschnittlich große Fahrer gut, bei größeren Piloten trifft der Luftstrom allerdings auf Kopfhöhe und erzeugt Verwirbelungen. Dafür schützt die Verkleidung den Oberkörper effektiv. Auch die Reichweite überzeugt. Mit einem Verbrauch von rund 3,5 Litern im Alltag und dem 14-Liter-Tank sind realistische 400 Kilometer möglich. Das Fahrwerk bleibt auch auf längeren Strecken komfortabel und bügelt Unebenheiten sauber aus. Der Sitz wirkt auf den ersten Eindruck angenehm, zeigt aber bei längerer Nutzung erste Schwächen und könnte auf Dauer etwas nachgeben. Positiv ist hingegen die Zuladung von ca. 200 kg, die auch Fahrten zu zweit ermöglicht und das Motorrad zusätzlich als kleines Reisegerät positioniert.
KTM 390 Adventure X im Offroad-Einsatz
Im leichten Gelände überrascht die 390 Adventure X mehr, als man zunächst erwarten würde. Trotz klarer Straßenorientierung funktioniert sie auf Schotter erstaunlich gut. Die Handlichkeit spielt ihr dabei in die Karten, ebenso das geringe Gewicht. Selbst erfahrene Fahrer haben ihren Spaß, solange die Ansprüche realistisch bleiben. Für einfache Schotterpassagen, kleine Ausflüge und lockere Offroad-Etappen reicht das Konzept vollkommen aus. Einschränkungen zeigen sich vor allem bei der Ergonomie im Stehen, da der Lenker relativ niedrig ist, sowie beim Motor, dem beim Tuckern am Trail wieder im unteren Drehzahlbereich etwas Drehmoment fehlt. Das Fahrwerk liefert dennoch ausreichend Feedback und Stabilität, solange man sich im vorgesehenen Einsatzbereich bewegt. Die Räder und Bereifung setzen letztlich die Grenzen, bleiben aber für den typischen Einsatzzweck absolut passend.
Adventure X als spiritueller Nachfolger der bisherigen KTM 390 Adventure
Am Ende ergibt sich ein sehr klares Gesamtbild. Die KTM 390 Adventure X ist kein abgespeckter Kompromiss, sondern ein bewusst anders positioniertes Motorrad. Sie führt das Erbe der ursprünglichen 390 Adventure fort, richtet sich an Fahrer, die überwiegend auf der Straße unterwegs sind, ein leichtes Handling schätzen und nur gelegentlich ins Gelände abbiegen. Genau dort funktioniert sie überzeugend. Sie ist zugänglich, vielseitig und in vielen Alltagssituationen einfacher zu fahren als die deutlich extremere R-Version. Wer nicht gezielt Offroad fahren will, bekommt hier das rundere Gesamtpaket.
Conclusion: KTM 390 Adventure X 2026
Die KTM 390 Adventure X überzeugt als vielseitiger Allrounder mit klarer Straßenorientierung. Sie punktet im Alltag, auf Tour und bei leichten Offroad-Ausflügen, verlangt aber aktives Fahren. Weniger spektakulär als die R, dafür für viele Fahrer die sinnvollere Wahl.
- einfache Handhabung
- niedrige Sitzhöhe
- agiles Fahrverhalten
- sparsamer Motor
- gute Alltagstauglichkeit
- vielseitig einsetzbar
- schwache Bremsperformance
- wenig Drehmoment untenrum
- einfacher Bildschirm
- Windschutz für große Fahrer eingeschränkt