Benda Napoleonbob 250 Test - die mutigste Freakshow am Markt?

V2 mit 250 ccm: Warum diese Benda alles anders macht

Der Motorradmarkt wirkt oft austauschbar. Benda geht einen anderen Weg und stellt mit der Napoleonbob 250 ein Motorrad auf die Räder, das polarisiert wie kaum ein anderes. Ein V2 mit nur 250 ccm, radikale Optik und eigenwillige Technik - wir sind damit von Wien in die Wachau gefahren.

by Gregor on 19.01.2026

Manchmal hat man das Gefühl, der Motorradmarkt ist komplett gesättigt. Viele Modelle wirken ähnlich, ganze Baureihen bauen auf denselben Motorplattformen auf und nur wenige Hersteller wagen sich noch in wirklich unerprobtes Terrain. Erfolgreiche Konzepte werden kopiert, optimiert und maximal leicht weiterentwickelt - aber wirklich mutige Ideen sind selten geworden. Genau hier stellt sich die Frage: Wo sind die Hersteller, die sich noch etwas trauen? Die schräg denken und Motorräder bauen, die man nicht innerhalb von drei Sekunden in eine Schublade stecken kann?

Genau so eine seltene Exotin steht heute im Mittelpunkt dieses Tests. Statt klassischem Leistungscheck oder nüchterner Bewertung ging es auf unserer Tour vielmehr darum, zu fühlen. Welche Emotionen weckt eine Freakshow auf zwei Rädern? Und ist sie im positiven oder negativen Sinn eine Freakshow? Die Antwort darauf sollte uns der Weg von Wien in die schöne Wachau liefern. Vorhang auf für die Benda Napoleonbob 250.

Technische Eckdaten im Überblick

Die Benda Napoleonbob 250 setzt auf einen flüssigkeitsgekühlten V2-Motor mit 249 Kubikzentimetern Hubraum, der 26 PS bei 9.000 Umdrehungen und 25 Newtonmeter Drehmoment bei 5.500 Touren liefert. Das gemessene Gewicht liegt bei etwas über 200 Kilogramm. Vorne arbeitet eine Multilink-Trapezgabel mit 75 Millimetern Federweg, hinten kommen zwei Dämpfer mit sehr begrenztem Hub zum Einsatz. Die Bereifung fällt mit 130/80-18 vorne und 160/70-18 hinten üppig aus und unterstreicht den massiven Auftritt des Motorrads.

V2 mit 250 Kubik - ein Motorkonzept aus einer anderen Welt

Schon beim Start in Wien wird klar: Diese 250 Kubik sind anders. Der chinesische Motorradhersteller Benda konzentriert sich auf das Cruiser-Segment, kombiniert dieses aber mit außergewöhnlichen und teils völlig untypischen Motorkonzepten. Neben einem V4-Cruiser mit 500 Kubik und der LFC 700 mit Reihenvierer und 310er Hinterrad ordnet sich nun die Napoleonbob 250 in diese Reihe der einzigartigen Motorräder ein.

Benda erregt mit ihren unüblichen Bikes häufiger Aufmerksamkeit, auch innerhalb der 1000PS-Redaktion. Hier im Bild zu sehen ist die LFC 700, ein verrückter V4-Cruiser mit 310er Reifen am Heck.

Die nackten Zahlen wirken zunächst unspektakulär: 26 PS bei 9.000 Umdrehungen und 25 Newtonmeter Drehmoment bei 5.500 Touren, verpackt in ein Motorrad mit über 200 Kilogramm Gewicht. In der Praxis bedeutet das vor allem eines: Drehzahl. Viel Drehzahl. Um vom Fleck zu kommen, will der kleine V2 aktiv bewegt werden.

Die Eckdaten der Napoleonbob 250 sind nicht sehr aufregend, im Gegensatz zur Optik.

Das hat zwei unmittelbare Folgen. Zum einen treten recht markante, hochfrequente Vibrationen auf. Zum anderen - und vor allem - ist der Sound der Napoleonbob überraschend laut. Wie es Benda damit durch die strengen europäischen Geräuschvorschriften geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Sobald Last anliegt, bollert die Napoleonbob los und schreit förmlich nach Aufmerksamkeit. Beim Anfahren, beim Beschleunigen, eigentlich immer, sobald man das Gas berührt. Der Klang ist nicht unangenehm, sogar selbstbewusst - aber auf Dauer fast absurd laut.

Stadtverkehr als Bühne - Landstraße als Belastung

Im urbanen Umfeld macht dieser Charakter durchaus Spaß. In Wien passt das laute Auftreten perfekt zur optischen Wucht der Napoleonbob. Bei regelmäßigen Ampelstopps oder im Schubbetrieb gibt sie sich sogar vergleichsweise zurückhaltend. Man ist ein absoluter Blickfang und spürt sofort, dass dieses Motorrad alles andere als gewöhnlich ist.

In der Stadt freut man sich noch über den deutlichen Klang der Napoleonbob 250, bei Dauergas am Land wird es aber etwas penetrant.

Doch sobald sich die Stadt langsam öffnet und das Gas länger stehen bleibt, zeigt sich auch die Kehrseite. Auf dem Weg in Richtung Wienerwald wird das konstante Dröhnen zunehmend fordernd. Nicht schlecht klingend, aber permanent präsent - Geschmackssache, im wahrsten Sinne des Wortes. Trotzdem wird schon in der ersten Stunde klar: Dieses Motorrad besitzt mehr Charakter als viele Maschinen mit deutlich größerem Hubraum.

Sitzposition zwischen Showbike und Ergonomie-Grenze

Sobald man Wien hinter sich lässt und Richtung Westen rollt, offenbart die Napoleonbob ihre nächste Besonderheit: die Sitzposition. Die Fußrasten stehen weit vorne, der Lenker ist extrem tief montiert. Das ergibt eine Haltung, die stark an TV-Custom-Bikes à la Orange County Choppers erinnert.

Je größer man ist, desto gewöhnungsbedürftiger wird die Sitzposition auf der Napoleonbob 250. Mit meinen 1,85 m fühle ich mich schon etwas wie der Affe am Schleifstein.

Gerade bei größeren Fahrern wirkt diese Position fast comichaft. Die Knie ragen hoch, die Arme liegen tief, der Oberkörper ist nach vorne gekrümmt. Von außen betrachtet bewegt sich das irgendwo zwischen lustig und cool, ergonomisch ist es aber definitiv gewöhnungsbedürftig. Dennoch hat diese eigenartige Haltung auch ihren Reiz: Selbst die Ausfahrt aus Wien fühlt sich dadurch wie eine kleine Show an. Die Napoleonbob fährt man nicht unauffällig - man inszeniert sich automatisch.

Kurven im Wienerwald - hier schleift alles

Im Wienerwald warten wunderschöne Kurven, rhythmische Bögen und perfekte Radien. Eigentlich der ideale Ort, um ein Motorrad flüssig zu bewegen. Doch bei der Napoleonbob merkt man sehr schnell: Schräglagen sind nicht ihre Stärke. Die Freiheit, das Motorrad in die Schräge zu bringen, ist extrem eingeschränkt. Trotz kurzer Angstnippel schleifen die Fußrasten sofort.

Im Winkelwerk beschränkt die knappe Schräglagenfreiheit der Benda Napoleonbob 250.

Die Konsequenz ist klar: Die Napoleonbob verlangt nach einer entspannten Fahrweise. Cruisen statt Kurvenjagd. Sportliche Ambitionen werden hier früh und deutlich eingebremst. Gleichzeitig passt genau das erstaunlich gut zur Persönlichkeit dieses Motorrads. Die Napoleonbob ist kein Sportler - sie ist ein Poser. Und das darf sie auch sein.

Die Umgebung hilft dabei, diesen Charakter anzunehmen. Sonnenstrahlen brechen durch die Baumkronen, satt leuchtende Blätterdächer begleiten die Strecke, und langsam öffnen sich erste Ausblicke ins Hügelland. Mittendrin dieses laute, vibrierende, eigenwillige Motorrad. Es ist schräg - aber definitiv ein Erlebnis.

Optik und Verarbeitung - Showbike für kleines Geld

Je näher man der Wachau kommt, desto offener wird das Land. Weiche Hügel, verstreute Weinreben und kleine Ortschaften prägen das Bild. In dieser Idylle wirkt die Napoleonbob wie ein rollender Kontrast. Optisch ist sie eine absolute Wucht.

Bronzefarbene Zylinderköpfe lassen den Motor deutlich größer wirken, als er tatsächlich ist. Die Lackierung von Tank und Verkleidungsteilen wirkt hochwertig. Die außergewöhnliche Trapezgabel zieht Blicke auf sich, ebenso der schwebende Bobbersitz, die dicken Reifen und das überraschend schicke TFT-Display mit Zahnradanimation. Für deutlich unter 6.000 Euro bekommt man ein Motorrad, das aussieht, als hätte es ein Customizer für einen fünfstelligen Betrag aufgebaut.

Trotz, oder gerade wegen des niedrigen Preises kann sich die Verarbeitung der Napoleonbob 250 sehen lassen.

Im Fahrbetrieb kann dieses Premium-Gefühl allerdings nicht ganz gehalten werden. Die Multilink-Gabel vorne ist zu weich, funktioniert aber noch passabel. Präzises Vorderradgefühl braucht es auf einem Cruiser ohnehin nicht. Kritischer fällt das Urteil über das Heck aus: Die zwei Dämpfer bieten laut Benda nur 38 Millimeter Hub am Dämpfer, der durch Umlenkung auf das 2,5-Fache an Federweg kommen soll. In der Praxis ist die Dämpfung schlicht unzureichend. Jeder Schlag wird direkt ins Kreuz weitergegeben, verstärkt durch die nach vorne gekrümmte Sitzhaltung. Regelmäßige Stopps sind keine Empfehlung, sondern Notwendigkeit - zum Glück schaut man die Napoleonbob sehr gerne im Stand an.

Ankommen in Maria Taferl - der perfekte Ausklang

Gott sei Dank wartet am Ende unserer Tour ein Ort, der weiß, wie man geschundenes Biker-Fleisch versorgt. Hoch über der Donau liegt der Wallfahrtsort Maria Taferl - und dort auch das MoHo Motorradhotel Rose. Wir stellen die leise knisternde Napoleonbob vor der historischen Kulisse ab, atmen durch und genießen gutes Essen, kühle Getränke und den beeindruckenden Panoramablick auf unsere Tagestour durch die Wachau.

Würdiger Ausklang des Fahrtages auf der Terrasse des MoHo Rose.

Mit Bier in der Hand und Blick über die Donau fassen wir den Tag mit der Benda Napoleonbob 250 zusammen. Komfortabel war diese Tour nicht. Aber sie war anders. Und sie bleibt im Kopf.

Fazit - Ein bisschen Schmerz, viel Emotion

Streng objektiv betrachtet bringt die Benda Napoleonbob 250 einige Baustellen mit sich. Sitzposition, Fahrwerk und Schräglagenfreiheit lassen wenig Spielraum für sportliches oder komfortables Fahren. Gleichzeitig beweist Benda enormen Mut. Mut zu einer Idee, die sich viele Hersteller nicht trauen würden. Genau daraus entsteht eine Fahrerfahrung, die einzigartig ist.

Für längere Touren braucht es etwas Schmerzresistenz. Doch mehr Aufmerksamkeit, mehr Coolness und mehr emotionalen Charakter pro Euro bekommt man aktuell kaum. Die Feelgood-Vibes der Napoleonbob sind nicht physischer Natur - sie sind emotional. Man spürt zu jeder Sekunde, dass man aus dem allgegenwärtigen Einheitsbrei ausgebrochen ist und etwas wirklich Besonderes fährt. Für manche ist genau das schon Kaufgrund genug.

Conclusion: Benda Napoleonbob 250 2025

Benda Napoleonbob 250 ist ein absoluter Exot am Motorradmarkt, technisch wie optisch. Die Freakshow auf zwei Rädern macht vieles anders, was Vor- und Nachteile bringt. Einerseits braucht es etwas Schmerzresistenz und Toleranz für hohe Lautstärken. Andererseits bietet kein Motorrad so viel Aufmerksamkeit pro Euro. Außenstehende vermuten einen zigtausende Euro-teuren Custom-Cruiser, dabei gibt es das chinesische Ausnahmemotorrad schon für unter 6.000 €.


  • extrem auffälliges Design
  • einzigartiger V2-Motor im 250-ccm-Segment
  • hoher Aufmerksamkeitsfaktor
  • sehr gute Detailverarbeitung
  • emotionales Fahrerlebnis
  • sehr eingeschränkte Schräglagenfreiheit
  • hartes Heckfahrwerk
  • unbequeme Sitzposition
  • laute Geräuschkulisse auf Dauer